HIV/AIDS-Taschenlexikon – H –

2 HIV/AIDS Taschenlexikon

H

Haarausfall: umgangssprachliche Bez. für Alopezie.

HAART: Abk. für (engl.) highly active antiretroviral therapy, hochwirksame antiretrovirale Therapie; Bez. für antiretrovirale Kombinationstherapien, mit denen eine Senkung der HIV-Viruslast unter die Nachweisgrenze möglich ist.

Hämaturie: auch Erythrozyturie; Ausscheidung roter Blutkörperchen (Erythrozyten) im Urin.

Hämolyse: Auflösung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) mit sog. hämolytischer Anämie.

Hämophilie: Bluterkrankheit; erbliche Störung der Blutgerinnung, die durch eine Verminderung oder stark reduzierte Aktivität bestimmter Gerinnungsfaktoren charakterisiert ist. Formen: Hämophilie A (klassische Hämophilie) mit Mangel an Faktor VIII; Hämophilie B (Christmas-Krankheit) mit Mangel an Faktor IX, kombinierte Formen sind möglich; i.w.S. wird die Bez. auch für andere Gerinnungsstörungen (z.B. Faktor-XI-Mangel als sog. Hämophilie C) verwendet. Abhängig vom Ausprägungsgrad der Störungen kann eine Substitution von Gerinnungsfaktoren mit gerinnungsaktiven Plasmaprodukten oder Faktorpräparaten erforderlich sein; durch die Verwendung nicht virusinaktivierter Gerinnungspräparate kam es in Deutschland bis Mitte der 1980er Jahre zu HIV-Infektionen bei etwa 1400 Hämophilen; vgl. Blutprodukte.

Haemophilus-Infektionen: Infektionen durch Bakterien der Gattung Haemophilus; Haemophilus influenzae führt zu Atemwegentzündungen und v.a. bei Immunschwäche zu Lungenentzündungen und Sepsis sowie bei Kindern zu eitrigen Hirnhautentzündungen (Meningitis); Therapie mit Antibiotika; Haemophilus ducreyi ist Erreger des Ulcus molle.

Hämoptyse: auch Hämoptoe; sog. Bluthusten mit blutigem Auswurf oder Ausspucken (kleinerer) Blutmengen.

hämorrhagisch: blutend, eine Blutung herbeiführend.

Hämovigilanz: Teilgebiet der Transfusionsmedizin, das sich mit der Erfassung, Analyse und Vermeidung von Zwischenfällen, unerwünschten Ereignissen oder Infektionen durch Bluttransfusionen befaßt.

Harm Reduction: wörtlich (engl.) Schadensbegrenzung; im Rahmen akzeptierender Drogenarbeit geprägte Bez. für einen Umgang mit (illegalen) Drogen, der darauf abzielt, das Risiko gesundheitlicher, psychischer und sozialer Schäden durch Drogengebrauch zu vermeiden oder zu verringern; umfaßt im Einzelnen u.a. Informationen über Rauschmittel und einzelne Substanzen, über die von ihnen ausgelösten psychischen und physischen Vorgänge, Kenntnisse zum Risikomanagement (z.B. Vermeidung von Überdosierungen) sowie zu möglichst risikoarmen Anwendungsmethoden (z.B. Safer Use, Safer Sniffing).

Harnstoff: Stoffwechselprodukt, das über die Leber und Nieren ausgeschieden wird und dessen meßbare Konzentration im Blut u.a. bei Leber- und Nierenerkrankungen erhöht ist.

harter Schanker: umgangssprachliche Bez. für Ulcus durum, den bei Syphilis als Primäraffekt auftretenden harten Schanker.

Hauptbetroffenengruppen: umgangssprachliche Bez. für Gruppen, in denen bestimmte Merkmale oder Erkrankungen eine höhere Prävalenz aufweisen als in der Gesamtbevölkerung, also häufiger sind.

Haupthistokompatibilitätskomplex: s. MHC.

Haushaltskontakte: im sozialen Zusammenleben vorkommende alltägliche Kontakte wie z.B. gemeinsame Benutzung von Gegenständen. Infektionen durch Haushaltskontakte wurden u.a. für Hepatitis B, nicht jedoch für HIV beschrieben.

Hautausschlag: an der Haut auftretende krankhafte Veränderungen wie Effloreszenz, Ekzem, Exanthem.

Hautpilz: Pilzbefall der Haut, s. Dermatomykosen.

Hauttest: auch Intrakutantest, Intradermaltest; diagnostisches Verfahren zur Beurteilung der Immunantwort, bei dem Testallergene (sog. Recall-Antigene) in die Haut eingebracht werden; Anwendung in der Diagnostik allergischer Überempfindlichkeit und zur Beurteilung der zellulären Immunantwort; ein Ausbleiben einer Reaktion wird als Anergie bezeichnet. Vgl. Tuberkulin-Hauttest.

HAV: Abk. für Hepatitis A-Virus, s. Hepatitis A.

HBV: Abk. für Hepatitis B-Virus, s. Hepatitis B.

HCG: Abk. für humanes Choriongonadotropin; während der Schwangerschaft in der Plazenta gebildetes Peptidhormon (Gonadotropin) mit den Untereinheiten alpha- und beta-HCG; die physiologische Wirkung besteht u.a. in der Aufrechterhaltung einer Schwangerschaft; in Studien konnte kein eindeutiger Nutzen von beta-HCG in der Behandlung des Kaposi-Sarkoms gezeigt werden.

HCV: Abk. für Hepatitis C-Virus, s. Hepatitis C.

HDL: Abk. für (engl.) high density lipoproteins, Lipoproteine hoher Dichte.

HDV: Abk. für Hepatitis D-Virus, s. Hepatitis D.

Heimtest: Bez. für HIV-Antikörpertests, deren Anwendung ohne medizinische Fachkenntnisse und Hilfe anderer möglich ist. Ihre Verwendung ist wegen fehlender Beratung, evtl. falsch-positiver Ergebnisse und des Risikos mißbräuchlicher Anwendungen auch in Ländern umstritten, in denen Heimtests anders als in Deutschland zugelassen sind. Vgl. HIV-Diagnostik.

Helferzellen: s. CD4-Zellen.

Hemmkonzentration: auch (engl.) inhibitory concentration, IC; Bez. für die labormedizinisch ermittelte Konzentration von Substanzen oder Arzneimitteln, die erforderlich ist, um eine Vermehrung von Krankheitserregern zu hemmen; bei einer IC50 eines antiviralen Arzneimittels wird in einer Zellkultur eine 50%ige Hemmung der Virusvermehrung erreicht; vgl. minimale Hemmkonzentration.

Hepatitis: Fachbez. für alle Formen von Leberentzündungen; allgemeine Reaktion der Leber auf schädliche Faktoren unterschiedlichster Ursache, z.B. toxisch (u.a. Alkohol, Arzneimittel, Giftpilze), infektiös (v.a. Hepatitis-Viren, seltener bakteriell, z.B. Chlamydien oder parasitär, z.B. Amöben, Würmer), metabolisch (u.a. Eisenspeicherkrankheit) oder durch andere Grunderkrankungen (z.B. Autoimmunkrankheiten) bedingt. Bei einer akuten Hepatitis kommt es zu einer Vergrößerung und Wanddurchlässigkeit von Leberzellen mit Lebervergrößerung und Funktionsstörungen, sehr selten zu einem akuten Leberzerfall; bei einer chronischen Hepatitis mit lang anhaltender (>10-15 Jahre) Einwirkung schädigender Faktoren ist ein bindegewebiger Umbau der Leber und Übergang in Knötchenleber (Leberfibrose) mit Verlust von Lebergewebe (sog. Schrumpfleber, Leberzirrhose) und einem dann erhöhten Risiko für ein Leberzellkarzinom möglich. Häufigste Ursache einer Hepatitis sind (neben toxischen Substanzen wie Alkohol) virale Infektionen als sog. Virushepatitis; klinisch werden hierbei Hepatitis A, B, C, D und E unterschieden, die durch verschiedene Viren verursacht werden und unterschiedliche Übertragungswege haben; für alle viral bedingten Hepatitiden besteht in Deutschland eine Meldepflicht.

Hepatitis A: Infektion mit Hepatitis-A-Virus (HAV; RNA-Virus); weltweit häufigste Virushepatitis mit starker Verbreitung insbesondere in Asien, Afrika, GUS-Staaten; in Deutschland etwa 1.500 gemeldete Fälle pro Jahr. Übertragung: überwiegend fäkal-oral durch verschmutzte Nahrungsmittel und Wasser, Kontakt mit Ausscheidungen, sexuelle Übertragung durch Analverkehr oder Rimming möglich; sehr selten über Blut oder Blutprodukte. Symptome: Nach einer Inkubationszeit von etwa 2-8 Wochen meist grippeähnliche Beschwerden mit leichtem Fieber, allgemeinem Unwohlsein, Abgeschlagenheit, Völlegefühl, Oberbauchschmerz, Durchfall; häufig asymptomatischer Verlauf. Selten sog. Gelbsucht (Ikterus); in etwa 0,1% fulminanter Verlauf mit akutem Leberversagen. Nach etwa 4 Wochen heilt die Hepatitis A folgenlos aus, einen chronischen Verlauf gibt es nicht; nach der Erkrankung besteht Immunität. Therapie: Eine spezifische medikamentöse Therapie gibt es nicht; Vermeidung leberschädigender Faktoren (Alkoholkarenz, falls möglich Verzicht auf Arzneimittel, die über die Leber abgebaut werden). Bei akutem Leberzerfall Lebertransplantation. Prophylaxe: Heute ganz überwiegend empfohlen wird die aktive Schutzimpfung mit hohem, lang anhaltendem Impfschutz; eine passive Immunisierung (Gabe von Immunglobulinen) bietet nur kurzfristigen Schutz. Bei Reisen in Länder mit niedrigem Hygienestandard Abkochen oder Desinfektion von Trinkwasser, Verzicht auf Verzehr von ungeschältem Obst, Eis, Meeresfrüchten; eine sexuelle Übertragung kann z.T. durch Safer Sex und Verwendung von Kondomen vermieden werden, bei injizierendem Drogengebrauch sollte auf die gemeinsame Benutzung von Spritzbestecken verzichtet werden (sog. Safer Use).

Hepatitis B: Infektion mit Hepatitis-B-Virus (HBV; DNA-Virus aus der Familie der Hepadnaviridae mit verschiedenen Genotypen); weltweit sind mehr als 350 Millionen Menschen chronische HBV-Träger; in Deutschland jährlich etwa 1.500 gemeldete Neuinfektionen bei etwa 500.000 chronischen Fällen, davon etwa 2.800 als HBV/HIV-Koinfektion. Übertragung: von der Mutter auf das Kind während der Geburt (weltweit häufigster Übertragungsweg), ferner v.a. Geschlechtsverkehr und gemeinsame Spritzenbenutzung bei injizierendem Drogengebrauch, sowie Blut und Blutprodukte, Organtransplantate, durch Muttermilch, sehr selten durch Speichel. Symptome: Nach einer Inkubationszeit von etwa 1-6 Monaten kommt es bei 30-50% zu Symptomen wie Gelenkschmerzen, Exanthem, allgemeinem Krankheitsgefühl, Fieber, Abgeschlagenheit, Völlegefühl, Oberbauchschmerz, selten Nierenbeteiligung, evtl. Gelbsucht (Ikterus); in etwa 1% fulminanter Verlauf mit akutem Leberversagen. Bei Erwachsenen in etwa 5-10% Übergang in chronische Verlaufsform; deutlich höheres Risiko bei injizierenden Drogengebrauchern (etwa 20-25%), HIV-Infektion (abhängig vom Immunstatus), Neugeborenen (nahezu 100%). Ist noch mehr als 6 Monate nach der akuten Infektion eine Virusvermehrung nachweisbar, besteht eine chronische Hepatitis B; Verlauf dann überwiegend als sog. chronisch-persistierende Hepatitis mit Lebervergrößerung, Leberwertveränderungen, histologischen Zeichen einer Hepatitis. Eine spontane Inaktivierung von HBV ist bei chronischem Verlauf möglich; in etwa 10-30% kommt es zu einer chronisch-aggressiven Verlaufsform mit bindegewebigem Umbau der Leber (Leberfibrose), evtl. Ausbildung einer Schrumpfleber (Leberzirrhose) und nachfolgend zu einem Leberzellkarzinom. Der Verlauf einer chronischen Hepatitis B wird durch eine HIV-Infektion negativ beeinflußt; im Rahmen eines Immunrekonstitutionssyndroms kann es zu einem Aufflammen inaktiver Hepatitis-B-Infektionen kommen. Therapie: Eine spezifische medikamentöse Therapie der akuten Form gibt es nicht; Vermeidung leberschädigender Faktoren (Alkoholkarenz, falls möglich Verzicht auf Arzneimittel, die über die Leber abgebaut werden); bei chronischem Verlauf Schutzimpfung gegen Hepatitis A (falls keine Immunität besteht) zur Vermeidung weiterer Leberschädigungen; Behandlung in Abhängigkeit von Viruslast, Leberwerterhöhungen und histologischer Leberveränderungen mit Adefovir, Emtricitabin, Entecavir, Lamivudin, Telbivudin oder (pegyliertem) Interferon-alpha; bei HBV/HIV-Koinfektion besteht bei einer Monotherapie evtl. die Gefahr von Resistenzentstehungen von HIV. Prophylaxe: Aktive Schutzimpfung mit hohem Impfschutz; bei Verdacht auf akute Infektion rasche passive Immunisierung mit Immunglobulinen und gleichzeitige aktive Schutzimpfung. Bei HIV-Infektion ist ein Impfschutz prinzipiell in jedem Stadium möglich, bei Immunschwäche kann ein Impferfolg evtl. erst durch mehrfache Impfungen erreicht werden. Die sexuelle Übertragung kann z.T. durch Safer Sex und Verwendung von Kondomen verhindert werden, bei injizierendem Drogengebrauch sollte auf die gemeinsame Benutzung von Spritzbestecken verzichtet werden (sog. Safer Use); Übertragungen durch Blut, Blutprodukte bzw. Organtransplantate sind durch vorherige Antikörpertestung (Screening) bzw. Virusinaktivierung weitgehend vermeidbar; medizinische und zahnmedizinische Instrumente, Piercing- und Tätowierwerkzeuge müssen ausreichend sterilisiert werden.

Hepatitis C: Infektion mit Hepatitis-C-Virus (HCV; RNA-Virus aus der Familie der Flaviviridae mit verschiedenen Genotypen); weltweit leben mehr als 170 Millionen Menschen mit chronischer Hepatitis C; in Deutschland wird die Zahl auf 150.000-300.000 (-500.000) geschätzt, etwa 7.000 akute HCV-Infektionen werden pro Jahr gemeldet. In Europa und den USA werden gleichzeitige Infektionen mit HIV (HIV/HCV-Koinfektion) für etwa 30% aller HIV-Infektionen angenommen (mit höherem Anteil von 50% und mehr in einigen Regionen Süd- und Osteuropas); für Deutschland wird die Zahl der HCV/HIV-Koinfektion auf etwa 6.000 geschätzt. Übertragung: durch direkten Blutkontakt (ungetestete Blutprodukte), gemeinsame Nadelbenutzung bei injizierendem Drogengebrauch, seltener sexuelle oder perinatale Übertragung (wahrscheinlich abhängig von der Virusmenge), gemeinsame Benutzung von Nagelscheren, Rasierapparaten, Piercing, Tätowierung, Zirkumzision bei ungenügend sterilisierten Instrumenten. Symptome: Nach einer Inkubationszeit von 15-150 Tagen treten nur in etwa 30% Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, grippeähnliche Beschwerden, selten Gelbsucht (Ikterus) auf. In 50-80% (und fast immer bei ausgeprägter Immunschwäche) kommt es zu einem chronischen Verlauf mit nachweisbarer Virusvermehrung über 6 Monate nach der Infektion hinaus; in 10-20% bei chronischer Hepatitis C zu einem bindegewebigen Umbau der Leber und in 5-10% zu einer Schrumpfleber (Zirrhose), ein Leberzellkarzinom tritt nach 20-30 Jahren in 1-5% auf. Die Symptome der chronischen Hepatitis C sind häufig atypisch; im Vordergrund können Autoimmunreaktionen (Entzündung von Nierenglomeruli, Schilddrüse, Gefäßen sowie Gelenkschmerzen u.a.) stehen, während die Leberfunktion nur geringfügig gestört ist. Bei HCV/HIV-Koinfektion kommt es zu einem wesentlich rascheren Verlauf der Hepatitis C; das Risiko eines Leberversagens ist größer. Grundsätzlich kann eine Hepatitis C in jedem Stadium ausheilen; nach Ausheilung besteht jedoch keine Immunität und Neuinfektionen sind möglich. Therapie: Behandlung der akuten Hepatitis C falls möglich mit pegyliertem Interferon und Ribavirin, um eine Chronifizierung zu verhindern; bei chronischer Hepatitis C abhängig von Virusvermehrung, bereits eingetretenen (histologischen) Leberveränderungen, Leberfunktionsstörungen und Alter mit pegyliertem Interferon-alpha und Ribavirin (bei gleichzeitig bestehender Immunschwäche verringerte Ansprechraten); Vermeidung leberschädigender Faktoren; bei ausgeprägter Leberzirrhose Lebertransplantation. Prophylaxe: Eine Schutzimpfung gibt es nicht. Die sexuelle Übertragung kann durch Safer Sex und Verwendung von Kondomen verhindert werden, bei injizierendem Drogengebrauch sollte auf die gemeinsame Benutzung von Spritzbestecken verzichtet werden (sog. Safer Use); Übertragungen durch Blut, Blutprodukte bzw. Organtransplantate sind durch vorherige Antikörpertestung (Screening) bzw. Virusinaktivierung weitgehend vermeidbar; medizinische und zahnmedizinische Instrumente, Piercing- und Tätowierwerkzeuge müssen ausreichend sterilisiert werden.

Hepatitis D: Infektion mit Hepatitis-Delta-Virus (HDV), entweder gleichzeitig mit Hepatitis-B-Virus bzw. bei bestehender chronischer HBV-Infektion (als sog. defektes RNA-Virus oder Satellitenvirus benötigt HDV zur Infektion die Helferfunktion von HBV). Vorkommen v.a. im Mittelmeerraum, Balkan, vorderen Orient, Teilen Afrikas und Südamerikas. Übertragung: durch direkten Blutkontakt, infizierte Blutprodukte, Geschlechtsverkehr, Mutter-Kind-Übertragung während der Geburt. Symptome: Die Inkubationszeit beträgt etwa 1-6 Monate. Bei gleichzeitiger Infektion mit HBV und HDV heilt die Erkrankung in etwa 90% aus; in etwa 2% akuter Verlauf mit Leberversagen; bei HDV-Infektion auf Grundlage einer bestehenden chronischen Hepatitis B in 90% chronische Hepatitis D mit rascher Progredienz zu Leberzirrhose. Prophylaxe: Eine Schutzimpfung gegen Hepatitis B ist der sicherste Schutz gegen Hepatitis D.

Hepatitis E: Infektion mit Hepatitis-E-Virus (HEV). Vorkommen v.a. in bestimmten Regionen Asiens, Nordafrikas, Südamerikas, Balkan. Übertragung: überwiegend fäkal-oral durch verschmutzte Nahrungsmittel und Wasser, Kontakt mit Ausscheidungen, sexuelle Übertragung durch Analverkehr oder Rimming möglich; sehr selten über Blut oder Blutprodukte. Symptome: Nach einer Inkubationszeit von 2 Wochen bis 2 Monaten meist grippeähnliche Beschwerden mit leichtem Fieber, allgemeinem Unwohlsein, Abgeschlagenheit, Völlegefühl, Oberbauchschmerz, Durchfall; in der Schwangerschaft häufiger als fulminanter Verlauf mit akutem Leberversagen (bis 20%). Therapie: Eine spezifische Therapie gibt es nicht. Vermeidung leberschädigender Faktoren (Alkoholkarenz, falls möglich Verzicht auf Arzneimittel, die über die Leber abgebaut werden). Prophylaxe: Bei Reisen in Länder mit niedrigem Hygienestandard Abkochen oder Desinfektion von Trinkwasser, Verzicht auf Verzehr von ungeschältem Obst, Eis, Meeresfrüchten; eine sexuelle Übertragung kann z.T. durch Safer Sex und Verwendung von Kondomen vermieden werden, bei injizierendem Drogengebrauch sollte auf die gemeinsame Benutzung von Spritzbestecken verzichtet werden (sog. Safer Use); Impfstoffe werden z.Z. in Studien untersucht.

Hepatitis non A-non E: Bez. für alle Formen von (eventuell) virusbedingter Hepatitis, die nicht durch eines der bislang beschriebenen Hepatitisviren A-E verursacht werden.

hepatotoxisch: bezeichnet die giftige Wirkung einer Substanz oder eines Arzneimittels auf die Leber.

Heroin: auch Diacetylmorphin, Diamorphin; halbsynthetisches Opioid mit starker schmerzstillender (analgetischer) Wirkung und hohem Abhängigkeitspotential; wegen seiner beruhigenden und teils euphorisierenden Wirkungen wird es seit Beginn des 20. Jahrhunderts verbreitet mißbräuchlich angewendet (v.a. durch intravenöse Injektion, aber auch Inhalation); die Zahl der regelmäßigen Heroinkonsumenten weltweit wird auf mehr als 11 Millionen geschätzt mit regionaler Häufung in Europa und Zentralasien; als problematisch erweisen sich insbesondere gesundheitliche und soziale Vorkommnisse (Todesfälle durch Überdosis, Infektionen mit HIV und Hepatitis-Viren, Beschaffungskriminalität, Illegalität u.a.). In der Behandlung einer Heroinabhängigkeit werden verschiedene Entzugsverfahren kontrovers beurteilt; den psychischen und physischen Aspekten der Abhängigkeit kann therapeutisch durch eine Kombination von psychosozialer Betreuung und Unterdrückung des Suchtdrucks, z.B. mit einer Substitutionstherapie, begegnet werden. Generell ist Heroin in Deutschland nicht verkehrsfähig, eine kontrollierte Heroinabgabe zur gesundheitlichen und sozialen Stabilisierung von Heroingebrauchern ist bislang nur in Studien möglich.

Herpes genitalis: sexuell übertragbare Infektion durch Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2), die nach wenigen Tagen bis Wochen zu schmerzhaften Haut- bzw. Schleimhautveränderungen v.a. an Penis, Vulva und Vagina (Vulvovaginitis herpetica), Gebärmutterhals oder im Analbereich mit Juckreiz, Hautrötung und Bläschenbildung führt. Als Komplikationen können v.a. bei Immunschwäche ein Befall größerer Hautareale oder innerer Organe (Speiseröhre, Atmungsorgane) und ein chronischer Verlauf auftreten; ein bestehender Herpes genitalis erhöht das Risiko für eine HIV-Infektion. Therapie mit Virostatika, z.B. Aciclovir, Brivudin, Famciclovir, Valaciclovir; Rezidive sind häufig.

Herpes simplex: sog. Fieberbläschen; Infektion durch Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1), die zu Bläschen v.a. an Mundschleimhaut (herpetische Gingivostomatitis) oder Lippen (Herpes labialis) führt, die sich öffnen und z.T. in schmerzhafte Geschwüre übergehen; evtl. Beteiligung der Augenhornhaut (Herpes corneae); noch Monate bis Jahre nach einer Primärinfektion ist eine Reaktivierung möglich. Als Komplikationen können v.a. bei Immunschwäche ein Befall größerer Hautareale, innerer Organe oder des Zentralnervensystems (Herpes-Enzephalitis) vorkommen. Therapie mit Virostatika, z.B. Aciclovir, Brivudin, Famciclovir, Valaciclovir.

Herpes-simplex-Virus: Abk. HSV, s. Herpesvirus-Infektionen.

Herpesviren: auch Herpesviridae; Familie von DNA-Viren mit drei Subfamilien und mehr als 40 verschiedenen Typen, von denen einige Erkrankungen beim Menschen verursachen können, s. Herpesvirus-Infektionen.

Herpesvirus-Infektionen: Infektionen durch Herpesviren, die v.a. durch Kontakt- oder Tröpfcheninfektionen übertragen werden. Einteilung medizinisch bedeutsamer Viren nach Typen: 1. Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1); Erreger des Herpes simplex; 2. Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2); Erreger des Herpes genitalis; 3. humanes Herpesvirus 3 (HHV-3) oder Varicella-Zoster-Virus; Erreger von Windpocken (Varizellen) und Gürtelrose (Zoster); 4. humanes Herpesvirus 4 (HHV-4) oder Epstein-Barr-Virus; u.a. Erreger der Mononukleose, häufig bei oraler Haarleukoplakie, Non-Hodgkin-Lymphomen oder Speicheldrüsentumoren nachweisbar; 5. humanes Herpesvirus 5 (HHV-5) oder Zytomegalievirus; Erreger der Zytomegalie; 6. humanes Herpesvirus Typ 6 (HHV-6); Erreger von Mittelohrentzündungen (Otitis media) mit Fieber sowie von Hirnentzündungen (Enzephalitis); 7. humanes Herpesvirus 8 (HHV-8); häufig bei Kaposi-Sarkom und Castleman-Syndrom nachweisbar.

Herpes zoster: s. Zoster.

Herzinfarkt: auch Myokardinfarkt; durch den Verschluß von Herzkranzgefäßen (Koronararterien) bedingter Sauerstoffmangel des Herzmuskels mit Gewebeschädigungen (Nekrosen) und evtl. Funktionsverlusten. Symptome sind sehr starke, in den linken Arm ausstrahlende Schmerzen, Engegefühl, Atemnot, Todesangst, Kreislaufstörungen und evtl. Schock; symptomarme Verläufe sind möglich; je nach Lokalisation und Ausmaß des Infarkts ist ein tödlicher Verlauf möglich. Vorkommen bei HIV-Infektionen insgesamt etwas häufiger als in der Allgemeinbevölkerung; Ursache dafür dürften öfter vorhandene Risikofaktoren sein: der Anteil der Raucher ist unter HIV-Infizierten höher, ausgeprägte Fettstoffwechselstörungen wie Hypercholesterinämie und Hypertriglyzeridämien (insbesondere unter antiretroviraler Kombinationstherapie) und Insulinresistenz sind häufig, die körperliche Aktivität ist oft reduziert; unklar ist, ob eine antiretrovirale Therapie (v.a. mit Proteaseinhibitoren) das Risiko erhöht. Zur Prävention werden Nikotinverzicht, die Behandlung von Fett- und Blutzuckerstoffwechselstörungen und Blutdruckerhöhungen, regelmäßige körperliche Betätigung und ggf. eine Reduktion des Körpergewichts empfohlen.

HEV: Abk. für Hepatitis E-Virus, s. Hepatitis E.

Hexetidin: Arzneimittel mit bakteriziden und fungiziden Eigenschaften (Antiseptikum), das lokal bei entzündlichen Erkrankungen im Mund-Rachen-Raum und zur Prophylaxe von Mundsoor angewendet wird. UAW: Geschmacksirritationen bei längerer Anwendung.

hGH: Abk. für (engl.) human growth hormone, Wachstumshormon; s. Somatotropin.

HHV-3: Abk. für humanes Herpesvirus Typ 3; Erreger von Windpocken (Varizellen) und Gürtelrose (Zoster).

HHV-4: Abk. für humanes Herpesvirus Typ 4, Erreger der Mononukleose.

HHV-5: Abk. für humanes Herpesvirus Typ 5, Erreger der Zytomegalie.

HHV-6: Abk. für humanes Herpesvirus Typ 6, Erreger von Mittelohrentzündungen (Otitis media) mit Fieber sowie von Hirnentzündungen (Enzephalitis).

HHV-8: Abk. für humanes Herpesvirus Typ 8, häufig bei Kaposi-Sarkom nachweisbar.

Histologie: Lehre vom Feinbau und den Funktionen der Körpergewebe.

Histoplasmose: Pilzerkrankung durch den Schimmelpilz Histoplasma capsulatum; Vorkommen als AIDS-definierende opportunistische Infektion mit regionaler Häufung v.a. im Südwesten der USA, Mittelamerika und Äquatorialafrika; am häufigsten ist eine Lungenerkrankung mit Husten, Atemnot und Brustschmerzen. Therapie z.B. mit Amphotericin B, Itraconazol oder Fluconazol.

HIV: Abk. für (engl.) Human Immunodeficiency Virus, humanes Immundefizienzvirus; Lentivirus aus der Familie der Retroviren, das entwicklungsgeschichtlich auf SIV zurückgeht. HIV-1 wurde 1983 als Erreger von AIDS identifiziert (zunächst bezeichnet als LAV-1, Lymphadenopathie-assoziiertes Virus oder ARV, AIDS-related Virus, bzw. als HTLV-III); mit HIV-2 ist seit 1986 eine weitere Virusart bekannt, die auf Ebene der Aminosäuresequenzen eine Übereinstimmung von nur etwa 45-50% mit HIV-1 aufweist und SIV sehr ähnlich ist. Beide Virusarten sind weltweit verbreitet, wobei HIV-1 wesentlich häufiger vorkommt als HIV-2, das fast ausschließlich in Teilen Westafrikas nachgewiesen wird; Infektionen mit HIV-2 führen nach längerer Latenzzeit zu ähnlichen Krankheitsbildern wie Infektionen mit HIV-1; vgl. HIV-Infektion, AIDS. Einteilung: HIV-1 wird in die drei Gruppen HIV-1 M (Main, Hauptgruppe), HIV-1 N (non-M, non-O) und HIV-1 O (Outlier, Sonderfall) eingeteilt; mehr als 90% aller Infektionen werden durch Viren der Gruppe HIV-1 M verursacht, in der mindestens zehn Subtypen (A bis K) unterschieden werden können; am häufigsten sind die Subtypen B (v.a. in Nord- und Südamerika und Europa), A und D (v.a. in Afrika) und C (v.a. im südlichen Afrika und Asien). Aufbau: Das HIV-Genom enthält die Gene gag, pol und env und zwei Long-Terminal-Repeat-Regionen, die in der Reihenfolge 5´LTR-gag-pol-env-LTR 3´ angeordnet sind, sowie weitere regulatorische Proteine und akzessorische Gene (bei HIV-1 tat, rev, vif, vpu, vpr und nef). HIV-1 ist von einer Lipoproteinhülle umgeben, in die Glykoproteine eingebettet sind, die aus einem externen Anteil (gp120) und einem Transmembranprotein (gp41) bestehen; in der Virushülle, die beim Abscheiden des Virus (budding) aus der Membran der Wirtszelle entsteht, befinden sich verschiedene Proteine der Wirtszelle, z.B. HLA-Moleküle der Klassen I und II und Adhäsionsproteine wie ICAM-1, die ein Anheften des Virus an Zielzellen erleichtern; an der Innenseite der Membran finden sich die durch gag kodierten Matrixproteine. Das zylindrische p24-Antigen-Kapsid enthält das virale Genom in Form von zwei Kopien der einzelsträngigen HIV-RNA; ebenso befinden sich im Kapsid die Enzyme reverse Transkriptase (RT), Integrase und Protease, die für die Virusvermehrung benötigt werden (s. Abbildung); vgl. Replikationszyklus von HIV. Übertragungswege, Epidemiologie und klinischer Verlauf: s. HIV-Infektion.

Aufbau von HIV

Aufbau von HIV

HIV: Struktur des HIV-Virus

HIVAN: Abk. für HIV-assoziierte Nephropathie.

HIV-Antigennachweis: labormedizinischer Nachweis antigener Virusbestandteile, die bei einer HIV-Infektion z.T. eher als HIV-Antikörpern nachweisbar sind. Durchführung meist als ELISA; Verwendung z.B. zum Nachweis von p24-Antigen im Rahmen des Screenings von Blutspendern.

HIV-Antikörpertest: labormedizinischer Nachweis von Antikörpern gegen HIV-1 und HIV-2, die meist 4-12 Wochen nach einer HIV-Infektion auftreten, i.d.R. im Blut oder (beim sog. Schnelltest) evtl. auch im Speichel. Anwendung v.a. von ELISA als Suchtest im Rahmen der HIV-Diagnostik mit einer hohen Sensitivität bei relativ geringer Spezifität auf; falsch-positive Ergebnisse sind möglich, jedes reaktive Ergebnis muß daher durch einen Bestätigungstest überprüft werden.

HIV-assoziierte Erkrankungen: Sammelbezeichnung für alle im Zusammenhang mit einer HIV-Infektion auftretende Erkrankungen oder Störungen, die auf eine direkte Schädigung von Zellen oder Organsystemen durch HIV (z.B. Niere, Haut, Zentralnervensystem) oder auf HIV-bedingte Störungen des Immunsystems (z.B. Immunschwäche) zurückzuführen sind.

HIV-Demenz: s. AIDS-Demenz.

HIV-Diagnostik: Bez. für labormedizinische Untersuchungen zur Feststellung einer HIV-Infektion, i.w.S. auch für Untersuchungen im weiteren Verlauf. Bevor eine Diagnostik durchgeführt wird, ist im Rahmen einer Beratung zu klären, ob ein Infektionsrisiko bestand, warum eine Untersuchung durchgeführt und wie mit den möglichen Ergebnissen umgegangen werden kann; sinnvoll ist hier ein ausführliches Gespräch in einer spezialisierten Beratungsstelle (z.B. Gesundheitsamt, AIDS-Hilfe). In der Routinediagnostik wird i.d.R. als sog. Suchtest ein HIV-Antikörpertest durchgeführt, mit dem Antikörper gegen HIV-1 und HIV-2 etwa 12-16 Wochen nach Infektion bei mehr als 99% der Infizierten nachgewiesen werden können. Da diese Tests in einem kleinen Teil falsch-positiv reagieren (fälschlicherweise eine Infektion anzeigen), ist in jedem Fall vor Mitteilung eines positiven Testergebnisses ein sog. Bestätigungstest (meist als Western Blot) durchzuführen. In Ausnahmefällen (z.B. akute HIV-Infektion) und bei Neugeborenen HIV-infizierter Mütter kann eine Diagnose durch direkten Nachweis von HIV mittels Polymerasekettenreaktion, bDNA oder Nachweis von p24-Antigen etwa 2-4 Wochen nach der Infektion gestellt werden. Der Nachweis von Antikörpern bzw. HIV-RNA erlaubt lediglich die Diagnose einer HIV-Infektion, jedoch keine Prognose über den eventuellen Krankheitsverlauf oder Aussagen über den derzeitigen Gesundheitszustand. Im Verlauf einer HIV-Infektion werden in (größeren) Abständen u.a. Viruslast und CD4-Zellzahl bestimmt, um den aktuellen Status zu beurteilen und Entscheidungen über einen eventuellen Therapiebeginn zu treffen.

HIV-Enzephalopathie: s. Enzephalopathie.

HIV-Hilfegesetz: Abk. HIVHG; Kurzbez. für Gesetz über die humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte Personen vom 24.7.1995, das die Entschädigung von Personen regelt, die vor dem 1.1.1988 durch Blut und Blutprodukte mit HIV infiziert wurden.

HIV-Immunogen: auch Remune; experimentelle HIV-Vakzine, bei der die Hüllproteine von HIV entfernt wurden und der Viruskern nach Inaktivierung an ein Adjuvans gebunden ist (Subunit-Impfstoff). HIV-Immunogen bewirkt keinen Schutz vor einer HIV-Infektion; in Studien war eine Stabilisierung der CD4-Zellzahl nachweisbar, derzeit Untersuchung in Studien zur Therapieunterbrechung bei antiretroviraler Kombinationstherapie.

HIV-Infektion: Infektion des Immunsystems mit dem humanen Immundefizienzvirus (HIV). Vorkommen: weltweit mit regionalen Häufungen in der afrikanischen Subsahara-Region, Karibik, Lateinamerika, Osteuropa und Teilen Asiens (s. Abbildung); es sind weltweit etwa 33 Millionen Menschen mit HIV infiziert, darunter etwa 15,4 Millionen Frauen und 2,5 Millionen Kinder; in Deutschland etwa 59.000, darunter etwa 10.000 Frauen und 350 Kinder (Stand 12/2007). Übertragungswege: weltweit häufigster Übertragungsweg ist ungeschützter heterosexueller Geschlechtsverkehr; regional unterscheiden sich die im Vordergrund stehenden Übertragungswege, so ist in Deutschland wie in den meisten Industriestaaten ungeschützter homosexueller Geschlechtsverkehr mit bis zu 50% häufigster Übertragungsweg, gefolgt von Blutkontakten im Rahmen von Spritzen- und Nadeltausch bei injizierendem Drogengebrauch (etwa 30%). Eine Übertragung von der Mutter auf das Kind während der Schwangerschaft und (häufiger) während der Geburt sowie (relativ selten) durch Muttermilch ist möglich. Berufsbedingt ist eine Infektion v.a. im medizinischen Bereich durch Kontakt mit HIV-faltigem Blut und Körperflüssigkeiten bei Unfällen (z.B. Nadelstichverletzungen) oder Nichtbeachtung von Hygienemaßnahmen möglich. Eine Übertragung durch Blutprodukte ist möglich, spielt aber in Deutschland nach der Einführung entsprechender Screening-Tests seit 1985 epidemiologisch nur noch eine geringe Rolle. Das Übertragungs- bzw. Ansteckungsrisiko ist u.a. abhängig von Art und Dauer der Exposition gegenüber HIV (höheres Infektionsrisiko bei massiver Exposition, z.B. bei Bluttransfusion) sowie von der Virusmenge (Personen mit höherer Viruslast z.B. während der akuten HIV-Infektion scheinen infektiöser zu sein) und zahlreichen Kofaktoren (z.B. Mangelernährung, Vitamin-A-Mangel, gleichzeitig bestehenden Infektionen des Urogenitaltrakts).Verlauf: HIV infiziert Zellen des Immunsystems, die normalerweise u.a. Krankheitserreger abwehren und pathologisch veränderte Körperzellen eliminieren; deren Funktionsstörung infolge einer HIV-Infektion kann nur bis zu einem gewissen Grad kompensiert werden. Im einzelnen werden bei einer unbehandelten HIV-Infektion folgende Phasen unterschieden: 1. akute HIV-Infektion: vor oder während der Ausbildung einer Immunantwort und Antikörperbildung (mehrere Tage bis wenige Wochen nach Infektion) auftretende, vorübergehende Symptomatik als sog. akutes retrovirales Syndrom mit Fieber, Exanthem, Abgeschlagenheit, Lymphknotenschwellungen, Gelenkschmerzen und unspezifischen Beschwerden; 2. asymptomatische Phase: durchschnittlich 10-15 Jahre dauernde Phase, in der i.d.R. keine HIV-bedingten klinischen Beschwerden auftreten; dennoch findet eine Virusvermehrung mit Neuinfektion weiterer Immunzellen statt; 3. beginnende Immunschwäche: auch AIDS-related-Komplex (ARC) mit Vorliegen von Symptomen, die der HIV-Infektion ursächlich zuzuordnen sind, aber noch keine AIDS-definierende Erkrankung darstellen; 4. ausgeprägte Immunschwäche: Auftreten sog. AIDS-definierender Erkrankungen, AIDS. Mit Einführung der hochwirksamen antiretroviralen Kombinationstherapie hat sich das klinische Spektrum der HIV-Infektion verschoben und die Zahl der AIDS-Fälle ist zurückgegangen. Diagnose: In der Routinediagnostik werden i.d.R. Antikörpertests durchgeführt, mit denen Antikörper gegen HIV-1 und HIV-2 etwa 12-16 Wochen nach Infektion bei mehr als 99% der Infizierten nachgewiesen werden können, s. HIV-Diagnostik. In Deutschland besteht eine nichtnamentliche Meldepflicht. Therapie: Durch Kombination von antiretroviralen Arzneimitteln mit verschiedenen Ansatzpunkten bzw. Wirkmechanismen kann die Virusvermehrung zumindest für einen längeren Zeitraum unterdrückt bzw. verringert werden. Diese antiretrovirale Kombinationstherapie hat seit 1997 zu einem Rückgang der hohen Sterblichkeit geführt; eine Heilung der HIV-Infektion ist jedoch nicht möglich. Wann und wie eine antiretrovirale Therapie begonnen wird, sollte von der individuellen Situation der Betroffenen mit bestimmt werden; vgl. Therapiebeginn. Zahlreiche der bei einer HIV-Infektion auftretenden Erkrankungen können gezielt (z.B. Antibiotika, Antimykotika, Tuberkulostatika) behandelt werden, jedoch sind die Therapiemöglichkeiten insbesondere bei bösartigen Tumoren, neurologischen Erkrankungen und zahlreichen atypischen Infektionen begrenzt. Prävention: Da die Übertragungswege von HIV bekannt sind, ist ein weitgehender Schutz vor Infektion möglich; wichtigste individuelle Schutzmöglichkeiten sind der Gebrauch von Kondomen beim Geschlechtsverkehr, der Verzicht auf riskante ungeschützte Sexualkontakte (vgl. Safer Sex) sowie die Vermeidung von gemeinsamem Gebrauch von Spritzen und Nadeln (vgl. Safer Use) und Schnupfröhrchen (vgl. Safer Sniffing). Eine medikamentöse Postexpositionsprophylaxe ist in bestimmten Situationen möglich. Durch Untersuchungen von Blut- und Organspendern ist eine Übertragung von HIV durch Blut, Blutprodukte und Organtransplantate heute weitgehend ausgeschlossen; Verhinderung einer Mutter-Kind-Transmission durch antiretrovirale Therapie und evtl. operative Entbindung vor Einsetzen der Wehen; ggf. kurzfristige antiretrovirale Behandlung des Neugeborenen. Willkürliche Reihenuntersuchungen bieten keinen zusätzlichen Schutz vor HIV-Infektionen.

HIV-Infektion in der Weltbevölkerung 2007

HIV-Meldestellenerhebung: seit 1991 durchgeführte Sentinel-Erhebung in den neuen Bundesländern und (Ost-)Berlin mit dem Ziel, die epidemiologische Erfassung von HIV-Infektionen und sexuell übertragbaren Infektionen in Zusammenarbeit von Robert Koch-Institut, HIV/AIDS-Beratungsstellen der Gesundheitsämter und spezialisierten Ambulanzen zu optimieren.

HIV-Myelopathie: krankhafte Veränderungen des Rückenmarks infolge einer HIV-Infektion mit Bildung intrazellulärer Hohlräume (sog. vakuoläre Myelopathie); Vorkommen v.a. bei ausgeprägter Immunschwäche mit einer CD4-Zellzahl unter 200/µl, evtl. im Zusammenhang mit einer Enzephalopathie. Als Symptome können Störungen von Motorik (u.a. Gangstörungen, verstärkte Reflexe) und Sensibilität (u.a. handschuh- oder sockenförmige Empfindungsstörungen) auftreten. Die Diagnose wird anhand des klinischen Bilds, elektrophysiologischer Untersuchungen, Liquoruntersuchung und ggf. bildgebender Verfahren gestellt. Bei der Therapie steht eine wirksame antiretrovirale Kombinationstherapie mit liquorgängigen Arzneimitteln im Vordergrund; ergänzend kann eine krankengymnastische Behandlung angezeigt sein.

HIV-Test: Kurzbez. für HIV-Antikörpertest; vgl. HIV-Diagnostik.

HIV-Vakzine: Sammelbezeichnung für Impfstoffe, die mit dem Ziel einer Verhinderung von HIV-Infektionen (als sog. prophylaktische Impfstoffe oder Schutzimpfung) oder bei vorhandener HIV-Infektion mit dem Ziel einer positiven Beeinflussung des Infektionsverlaufs (als sog. therapeutische Impfung) entwickelt werden. In Tierversuchen (u.a. mit SHIV, SIV) scheint eine Verhinderung von Infektionen durch Impfstoffe möglich, die eine humorale Immunantwort mit Bildung neutralisierender Antikörper induzieren oder verstärken; wahrscheinlich ist für einen wirksamen Impfschutz gegen HIV eine gleichzeitige Induktion von humoraler und zellulärer Immunantwort (u.a. durch Stimulation von Antikörperbildung und zytotoxischen T-Lymphozyten) erforderlich, daher werden heute in der HIV-Vakzineentwicklung verstärkt Strategien verfolgt, die beide Ansätze verbinden. In präklinischen bzw. klinischen Studien werden derzeit verschiedene Impfstoffe erforscht, die entweder genetisches Material (u.a. DNA-Vakzine, Vektor-basierte Impfstoffe) oder Proteine von HIV enthalten (u.a. Lipopeptidimpfstoffe, Peptidimpfstoffe, Subunit-Impfstoffe), sowie verschiedene Adjuvanzien. Als problematisch für die Impfstoffentwicklung haben sich u.a. die hohe Antigenvariabilität von HIV und das rasche Auftreten zahlreicher Mutationen erwiesen; ungeklärt ist auch, anhand welcher immunologischer Parameter ein Impferfolg labormedizinisch oder in frühen Phasen von Impfstoffstudien sicher zu beurteilen ist. Für bislang in größeren Impfstoffstudien untersuchte HIV-Vakzine konnte keine eindeutige Schutzwirkung erwiesen werden; bei therapeutischen HIV-Vakzinen wurden teilweise (geringe) Vorteile hinsichtlich des Verlaufs einer HIV-Infektion gezeigt.

HLA: Abk. für (engl.) human leukocyte antigen; u.a. auf Leukozyten vorhandene Antigene, die zur Unterscheidung von körpereigenen und fremden Substanzen wichtig sind; Einteilung in HLA-Moleküle der Klassen 1, 2 und 3; Mitwirkung u.a. bei der Antigenpräsentation im Rahmen einer Immunantwort (bei HIV-Infektion v.a. von HLA-Molekülen der Klasse 1) sowie bei allergischen Reaktionen. Das sog. HLA-Muster ist individuell verschieden; bei Vorliegen von HLA-B*5701 ist das Risiko einer Hypersensitivitätsreaktion gegenüber Abacavir erhöht.

Hochprävalenzländer: epidemiologische Fachbez. für Länder, in denen die HIV-Prävalenz in der Bevölkerung über 1% liegt.

Hodgkin-Lymphom: auch Morbus Hodgkin, Lymphogranulomatose; eine den malignen Lymphomen zugeordnete Erkrankung des lymphatischen Systems mit charakteristischen Lymphknotenschwellungen und Milzvergrößerung; histologisch sind sog. Hodgkin-Zellen oder Sternberg-Reed-Riesenzellen nachweisbar. Die Ursache der Erkrankung ist unklar; bei HIV-Infektion (v.a. bei injizierendem Drogengebrauch in der Vorgeschichte) wird ein wesentlich häufigeres Vorkommen beobachtet. Als Symptome treten zunächst Lymphknotenschwellungen im Hals- und Brustbereich (Mediastinum) sowie unspezifische Allgemeinbeschwerden (Leistungsabfall, Juckreiz, Fieber) auf; im späteren Verlauf sind Haut- und Schleimhautmanifestationen, Beteiligungen innerer Organe und neurologische Störungen möglich; Stadieneinteilung nach Ausbreitung und Vorhandensein von Begleitsymptomen (sog. B-Symptomen). Diagnose durch zytodiagnostische Untersuchung von Gewebeproben, Behandlung durch Polychemotherapie und evtl. Strahlentherapie.

horizontale Übertragung: Übertragung einer Infektion innerhalb einer Generation.

HPV: Abk. für humane Papillomaviren, s. Papillomavirus-Infektionen.

HRG214: s. (PE)HRG214.

HSV: Abk. für Herpes-simplex-Virus, s. Herpesvirus-Infektionen.

HTLV: Abk. für (engl.) human T-cell leukemia virus oder human T-cell lymphotropic virus; Onkoviren aus der Familie der Retroviren, die v.a. Organe des lymphatischen Systems infizieren und maligne Tumoren verursachen. HTLV I ist bei bestimmten Formen von Blutkrebs (adulte T-Zell-Leukämie) und Rückenmarkentzündungen (Myelitis) nachweisbar, HTLV II bei der sog. Haarzell-Leukämie; HTLV III ist eine historische Bez. für HIV-1, s. HIV.

Hüllproteine: Eiweißmoleküle, die Bestandteil der Hülle von Viren oder Bakterien sind.

humane Herpesviren: Abk. HHV, s. Herpesvirus-Infektionen.

humane Papillomaviren: Abk. HPV; Viren aus der Familie der Papovaviren mit mehr als 100 Typen, s. Papillomavirus-Infektionen.

humanes Choriongonadotropin: s. HCG.

Human Immunodeficiency Virus: (engl.) humanes Immundefizienzvirus, HIV.

humoral: (lat. humor, Flüssigkeit) in Körperflüssigkeiten, durch Körperflüssigkeiten erfolgend.

Hyaluronsäure: eine u.a. in der Grundsubstanz von Bindegeweben, Gelenkflüssigkeit, Haut und Glaskörper vorkommende Säure. Therapeutische Verwendung zur Faltenglättung und gelegentlich bei Fettatrophie im Gesichtsbereich; nachteilig ist ein rascher biologischer Abbau, der wiederholte Behandlungen erforderlich macht.

Hygiene: wissenschaftliche Fachrichtung, die sich mit Prävention, Erhaltung und Förderung der Gesundheit beschäftigt; neben dem Erkennen, Beurteilen und Ausschalten schädlicher Einflüsse auf Umwelt und Menschen gehören zu ihrem Aufgabengebiet auch Maßnahmen zum Infektionsschutz und zur Bekämpfung übertragbarer Krankheiten; vgl. Epidemiologie.

Hyperbilirubinämie: erhöhte Konzentration von Bilirubin im Blut.

Hypercholesterinämie: Fettstoffwechselstörung mit Erhöhung der im Blut meßbaren Konzentration von Cholesterin; unterschieden werden eine primäre Hypercholesterinämie häufig auf Grundlage (bislang noch nicht identifizierter) genetischer Mechanismen und eine sekundäre Hypercholesterinämie infolge von Stoffwechselstörungen (z.B. Diabetes mellitus), durch Arzneimittel (evtl. Proteaseinhibitoren) oder toxische Substanzen. Bei antiretroviraler Therapie einer HIV-Infektion häufig Vorkommen im Rahmen von Fettstoffwechselstörungen; eine Hypercholesterinämie gilt als Risikofaktor für koronare Herzkrankheit und Herzinfarkte. Behandlung mit dietätischen Maßnahmen und körperliche Betätigung, evtl. medikamentös mit Lipidsenkern; ggf. muß auch eine Umstellung der antiretroviralen Therapie erwogen werden.

Hyperglykämie: Erhöhung der im Blut meßbaren Konzentration von Glukose (Blutzucker);Vorkommen z.B. bei Diabetes mellitus, Glukosetoleranzstörungen oder Insulinresistenz.

Hypericin: Extrakt aus Johanniskraut, der als stimmungsaufhellendes Arzneimittel verwendet wird (Antidepressivum); eine antiretrovirale Wirksamkeit bei HIV-Infektion ist nicht belegt. UAW: u.a. Wechselwirkungen mit Proteaseinhibitoren, Photosensitivitätsreaktion.

Hyperimmunserum: Serum, das hohe Konzentrationen von Immunglobulinen (Antikörpern) enthält; Verwendung von spezifischem Hyperimmunserum zur passiven Immunisierung oder Postexpositionsprophylaxe u.a. bei möglicher Infektion mit Hepatitis-A-Virus oder Varicella-Zoster-Virus; bei HIV-Infektion waren in Studien keine positiven Effekte auf den Krankheitsverlauf nachzuweisen.

Hyperlipidämie: Fachbez. für Fettstoffwechselstörungen mit Erhöhung der meßbaren Konzentrationen von Fetten im Blut; bei antiretroviraler Therapie einer HIV-Infektion häufig als Hypercholesterinämie oder Hypertriglyzeridämie.

Hypermenorrhoe: verstärkte Menstruation, s. Menstruationsstörungen.

Hypersensitivitätsreaktion: ausgeprägte Form der allergischen Reaktion, bei der schwere Allgemeinsymptome auftreten; anfängliche Beschwerden sind oft uncharakteristisch (z.B. Juckreiz, Hautausschläge, Fieber, gastrointestinale Störungen, Abgeschlagenheit), im weiteren Verlauf kommt es zu einer Beteiligung verschiedener Organsysteme mit akutem Atemnotsyndrom, schweren Stoffwechselstörungen, Laktatazidose, Leber- und Nierenversagen und evtl. tödlichem Ausgang.

Hypertriglyzeridämie: Fettstoffwechselstörung mit Erhöhung der meßbaren Konzentrationen von Triglyzeriden im Blut; unterschieden werden eine primäre Hypertriglyzeridämie mit angeborenem Enzymmangel und eine sekundäre Hypertriglyzeridämie nach übermäßiger Aufnahme von Fetten, im Rahmen von Stoffwechselstörungen (z.B. Diabetes mellitus), als Nebenwirkung von Arzneimitteln (z.B. hormonelle Kontrazeptiva, Proteaseinhibitoren) oder bei übermäßigem Alkoholkonsum, Nierenversagen oder Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis). Behandlung mit dietätischen Maßnahmen und körperliche Betätigung, evtl. medikamentös mit Lipidsenkern; ggf. muß auch eine Umstellung der antiretroviralen Therapie erwogen werden.

Hypocholesterinämie: Fettstoffwechselstörung mit Erniedrigung der im Blut meßbaren Konzentration von Cholesterin; Vorkommen u.a. bei Lebererkrankungen oder Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose).


© Stephan Dressler, Berlin. Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Kein Teil des Werks darf ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Autors in irgendeiner Weise verwendet werden. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und Mikroverfilmungen sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie Angebote auf Internetseiten oder Onlinediensten. Zuletzt aktualisiert am: 17.03.2008 https://www.aidsfinder.org/