HIV/AIDS-Taschenlexikon – D –

2 HIV/AIDS Taschenlexikon

D

Dacarbazin: Arzneimittel (Zytostatikum), das z.B. zur Behandlung von malignen Melanomen, Weichteilsarkomen und Lymphomen verwendet wird. UAW: u.a. Haarausfall, gastrointestinale Störungen, Störungen der Blutbildung.

DAGNÄ: Abk. für Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter.

DAH: Abk. für Deutsche AIDS-Hilfe.

DAIG: Abk. für Deutsche AIDS-Gesellschaft.

Dapivirin: auch TMC-120; experimentelle antiretrovirale Substanz (NNRTI), die in Studien zur Anwendung als Mikrobizid untersucht wird.

Dapson: Arzneimittel mit antibakteriellen Eigenschaften (Chemotherapeutikum), das u.a. zur Prophylaxe der Pneumocystis-Pneumonie und zerebralen Toxoplasmose verwendet wird. UAW: u.a. allergische Reaktionen, Hämolyse, Leberschädigungen.

Darunavir: Abk. DRV, Handelsname Prezista; antiretroviral wirksames Arzneimittel (Proteaseinhibitor) zur Kombinationstherapie einer HIV-Infektion. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, Kopfschmerz, Hautausschlag, Fettstoffwechselstörungen.

DAS: Abk. für Deutsche AIDS-Stiftung.

Daunorubicin: Arzneimittel (Zytostatikum), das u.a. zur Behandlung von Leukämien und Kaposi-Sarkom verwendet wird; liposomales Daunorubicin weist bei oftmals besserer Wirksamkeit weniger Nebenwirkungen auf. UAW: u.a. Kardiotoxizität, Granulozytopenie, Anämie.

D-Cycloserin: s. Cycloserin.

ddC: s. Zalcitabin.

ddI: s. Didanosin.

Delavirdin: Abk. DLV, Handelsname in den USA Rescriptor; in Europa nicht zugelassenes antiretroviral wirksames Arzneimittel (NNRTI) zur Kombinationstherapie einer HIV-Infektion. UAW: u.a. Arzneimittelexanthem, gastrointestinale Störungen, Arzneimittelwechselwirkungen.

Demenz: fortschreitender Verlust intellektueller Fähigkeiten mit begleitenden psychischen Störungen, der auf einer Schädigung des Gehirns beruht; vgl. AIDS-Demenz.

dendritische Zellen: bäumchenartige Zellen des Immunsystems, die an der Immunantwort beteiligt und zur Antigenpräsentation fähig sind; durch Bildung von Zytokinen und zelluläre Faktoren stimulieren sie T-Lymphozyten. Unterschieden werden: 1. follikuläre dendritische Zellen in den Keimzellen von Lymphknoten; 2. interdigitierende dendritische Zellen v.a. in Lymphknoten, Milz und Thymus; 3. Langerhans-Zellen in Haut und Schleimhäuten.

Depression: Bezeichnung für einen Gemütszustand, der durch eine gedrückte (bis traurige) Stimmungslage, Interessen- und Freudlosigkeit charakterisiert ist und von Antriebs-, Konzentrations- und Denkstörungen, herabgesetztem Selbstwertgefühl u.a. psychischen Veränderungen begleitet werden kann; eine Selbstmordgefährdung (Suizidgefahr) ist möglich. Bei HIV-Infektion häufiges Vorkommen, u.a. als reaktive Depression nach belastenden Lebensereignissen (Mitteilung der Diagnose einer HIV-Infektion), aber auch bei Stoffwechselstörungen oder als unerwünschte Arzneimittelwirkung. In der Therapie werden stimmungsaufhellende Arzneimittel (Antidepressiva) begleitend zu einer Psychotherapie eingesetzt.

Dermatitis: Fachbez. für Hautentzündungen und entzündliche Hautreaktionen.

Dermatomykosen: auch Dermatophytosen, kutane Mykosen; Pilzerkrankungen der Haut bzw. ihrer Anhangsgebilde durch Trichophyten, Epidermophyten oder Microsporum-Arten; häufig sind oberflächlich-schuppende Hautherde; bei einer Onychomykose (Nagelpilzerkrankung) kommt es zu Verfärbungen, Verdickungen und Wachstumsstörungen der Nägel und Entzündungen (Paronychie). Therapie je nach Ausbreitung lokal oder systemisch mit Antimykotika; Rezidive sind häufig.

Dermatose: Fachbez. für Hauterkrankung.

Desinfektion: sog. Entkeimung; Abtötung, Inaktivierung oder Entfernung von Mikroorganismen durch chemische Substanzen (Desinfektionsmittel) oder physikalische Methoden (Erhitzen, Pasteurisieren u.a.), mit dem Ziel, daß von dem desinfizierten Material keine Infektion mehr ausgeht.

Desoxyribonukleinsäure: Abk. DNS, DNA.

Deutsche AIDS-Gesellschaft: DAIG; Fachgesellschaft mit Sitz in Bonn; Ziele sind u.a. Prävention von HIV-Infektion, Forschungsförderung sowie die Erstellung von Therapieleitlinien bei HIV-Infektion und AIDS; Sektionen der DAIG sind die KAAD (Klinische Arbeitsgemeinschaft AIDS Deutschland), PsySoz (Psychologie und Sozialwissenschaft) und AAWS (All around Women Special); (http://www.daignet.de).

Deutsche AIDS-Hilfe: DAH; 1983 gegründeter Bundesverband der AIDS-Hilfen mit mehr als 120 regionalen Mitgliedsorganisationen und Sitz in Berlin; Aufgaben sind u.a. die Entwicklung von Präventionsmaßnahmen und Angeboten für die von HIV/AIDS am meisten betroffenen Gruppen (http://www.aidshilfe.de).

Deutsche AIDS-Stiftung: DAS; 1987 gegründete Stiftung mit Sitz in Bonn; Zweck sind u.a. die Unterstützung von Menschen mit HIV und AIDS in materiellen Notlagen und die Förderung (internationaler) Projekte für Betroffene (http://www.aids-stiftung.de).

Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter: DAGNÄ; 1990 gegründeter Verein mit Sitz in Aachen; Ziele sind u.a. die Unterstützung von ärztlichen HIV-Therapeuten und eine Verbesserung der Versorgung von Personen mit HIV und AIDS (http://www.dagnae.de).

DEXA: Abk. für (engl.) dual energy X-ray absorptiometry; Zwei-Spektren-Absorptiometrie zur Dichtebestimmung in unterschiedlichen Körperregionen oder Kompartimenten unter Verwendung einer speziellen DEXA-Röntgenanlage; Anwendung z.B. zur Knochendichtemessung (Knochendensitometrie) bei Osteopenie und in der Diagnostik einer Fettatrophie.

DHC: Abk. für Dihydrocodein.

Diabetes mellitus: sog. Zuckerkrankheit; Störungen des Glukosestoffwechsels verschiedenster Ursache; gemeinsames Merkmal unterschiedlicher Formen sind ein Mangel an Insulin und starke Schwankungen des Blutzuckerspiegels, meist als Blutzuckererhöhung (Hyperglykämie). Im Zusammenhang mit der antiretroviralen Therapie einer HIV-Infektion (u.a. mit Proteaseinhibitoren) wird ein vermehrtes Vorkommen beschrieben; vgl. Glukosetoleranzstörung, Insulinresistenz.

Diacetylmorphin: s. Heroin.

Diät: in der Ernährungsmedizin Fachbez. für eine Kost mit definierter Zusammensetzung ihrer einzelnen Bestandteile, z.B. nährstoffdefinierte Diäten.

diagnostisches Fenster: Bez. für eine Phase, in der Untersuchungsmethoden eine Erkrankung (noch) nicht nachweisen. Bei einer HIV-Infektion beträgt die Fensterperiode zwischen Infektion und Nachweis beim HIV-Antikörpertest mehrere Wochen, während ein HIV-Antigennachweis oder ein direkter Virusnachweis (z.B. mit Polymerasekettenreaktion oder bDNA) z.T. bereits nach etwa 2-3 Wochen möglich sein kann.

Diamorphin: s. Heroin.

Diarrhoe: s. Durchfall.

Diclofenac: entzündungshemmendes Arzneimittel (nichtsteroidales Antiphlogistikum), das u.a. in der Therapie rheumatischer Erkrankungen und bei Neuropathien verwendet wird. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, Schädigungen der Magen-Darm-Schleimhaut.

Didanosin: Abk. ddI, Handelsname Videx; antiretroviral wirksames Arzneimittel (Nukleosidanalogon) zur Kombinationstherapie einer HIV-Infektion. UAW: u.a. Neuropathie, Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), mitochondriale Toxizität, gastrointestinale Störungen, Leberwerterhöhungen, selten Laktatazidose.

diffus: zerstreut, ohne scharfe Abgrenzung.

Dihydrocodein: Abk. DHC; morphinartiges, hustendämpfendes und schmerzstillendes Mittel (Opioid), das als Arzneimittel zur Behandlung von Reizhusten, Schmerzen und (selten) in der Substitutionstherapie verwendet wird. UAW: u.a. Verlangsamung der Atemfrequenz, Sedierung, Übelkeit, Kontraktion der glatten Muskulatur mit Verstopfung und Störungen des Wasserlassens.

Diphenylhydantoin: s. Phenytoin.

directly observed therapy under supervision: s. DOTS.

Dissemination: Aussaat oder Ausbreitung von Krankheitserregern oder einer zunächst lokal begrenzten Krankheit innerhalb des Körpers.

DLV: Abk. für Delavirdin.

DNA: Abk. für (engl.) deoxyribonucleic acid; die aus zwei spiralförmig angeordneten Ketten (Doppelhelix) von Nukleotiden bestehende Desoxyribonukleinsäure ist Träger der genetischen Information.

DNA-Vakzine: experimentelle Impfstoffe, bei denen außerhalb des Chromosoms gelegene, meist ringförmige DNA-Abschnitte (sog. nackte DNA) nach intramuskulärer Injektion u.a. von dendritischen Zellen aufgenommen werden, die dann entsprechende Genprodukte produzieren, sie als Antigene freisetzen und damit eine Immunreaktion auslösen oder verstärken; Untersuchung u.a. als experimentelle HIV-Vakzine in klinischen Studien.

DNS: Abk. für Desoxyribonukleinsäure, DNA.

Docetaxel: Arzneimittel (Zytostatikum), das zur Behandlung von Mamma- und Bronchialkarzinomen verwendet wird und in Studien eine Wirksamkeit bei Kaposi-Sarkom gezeigt hat. UAW: u.a. allergische Reaktionen, Anämie, Haarausfall.

dolent: schmerzhaft, schmerzempfindlich.

Doppelblindstudie: Form der klinischen Studie, bei der weder Ärzten, noch Studienteilnehmern bekannt ist, welches Behandlungsverfahren angewendet wird; Durchführung z.B. als placebokontrollierte Studie zur Bestimmung der Wirksamkeit des zu prüfenden Arzneimittels oder bei Dosisfindungsstudien.

Doppelinfektion: s. Koinfektion.

Dosisfindungsstudie: Form der klinischen Studie oder Impfstoffstudie mit dem Zweck, die Dosierung eines Arzneimittels oder Impfstoffs zu ermitteln.

DOTS: Abk. für (engl.) directly observed therapy under supervision; Bez. für direkt unter Beobachtung und Anleitung (durch Ärzte, medizinisches Personal, Patiententrainer, Mitarbeiter von Gesundheitsämtern, Hilfsorganisationen u.a.) durchgeführte Therapien mit dem Ziel, deren regelmäßige Durchführung sicherzustellen; z.B. im Rahmen von Tuberkulose-Bekämpfungsprogrammen die Einnahme von Tuberkulostatika.

Doxorubicin: auch Adriamycin; Arzneimittel (Zytostatikum), das u.a. zur Behandlung von malignen Lymphomen und Kaposi-Sarkom verwendet wird; liposomales Doxorubicin weist bei oftmals besserer Wirksamkeit weniger Nebenwirkungen auf. UAW: u.a. Kardiotoxizität, Fieber, gastrointestinale Störungen.

Doxycyclin: Antibiotikum aus der Gruppe der Tetracycline, das z.B. bei Staphylokokken-, Escherichia-coli- und Mykoplasmen-Infektionen verwendet wird. UAW: u.a. Photosensitivitätsreaktionen, gastrointestinale Störungen, Blutbildveränderungen.

Drogenersatztherapie: s. Substitutionstherapie.

Drogenkonsumräume: sog. Druckräume; Bez. für Einrichtungen, in denen Gelegenheit zum Verbrauch nicht ärztlich verschriebener Betäubungsmittel besteht; Ziele dieser im Rahmen akzeptierender Drogenarbeit in den 1990er Jahren entstandenen Einrichtungen sind u.a. die Schaffung hygienischer Bedingungen für Injektionen (Vermeidung von Infektionen, z.B. durch Nadel- und Spritzenaustauschprogramme), Soforthilfe bei lebensgefährlicher Überdosis sowie die Bereitstellung weiterführender Hilfsangebote; ungeachtet der Tatsache, daß sich im Umfeld von Drogenkonsumräumen ein Rückgang der sog. Drogenszene beobachten läßt und die Zahl der Todesfälle durch Überdosierungen zurückgeht, bleiben Drogenkonsumräume politisch weiterhin umstritten und existieren z.Z. nicht in allen Bundesländern.

Dronabinol: Wirkstoff von Marihuana (THC), der als synthetisch hergestelltes Arzneimittel u.a. als Antiemetikum zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen nach einer Chemotherapie und als appetitanregendes Mittel bei ausgeprägtem, HIV-assoziierten Gewichtsverlust verwendet wird. UAW: u.a. Tachykardie, Blutdruckabfall, psychische Reaktionen.

Druckraum: umgangssprachliche Bez. für Drogenkonsumräume.

DRV: Abk. für Darunavir.

D4T: s. Stavudin.

Dunkelziffer: epidemiologische Bez. für die geschätzte Zahl statistisch nicht erfaßter Erkrankungen; sie wird für HIV-Infektionen in Deutschland auf weniger als 10.000 geschätzt.

Durchfall: Diarrhoe mit mehr als drei dünnflüssigen Stühlen pro Tag; Ursache können u.a. entzündliche und infektiöse Darmerkrankungen, Schädigungen der Darmschleimhäute durch reizauslösende Substanzen oder Arzneimittel sowie Stoffwechselstörungen sein; bei HIV-Infektion sehr häufiges Vorkommen, oft ohne eindeutig feststellbare Ursache, evtl. bei Infektionen, oft als Nebenwirkung von Arzneimitteln. Falls keine ursächliche Therapie möglich ist, Behandlung z.B. durch Ernährungsanpassung (fettarme Kost, viele kleine Mahlzeiten), evtl. medikamentöse Hemmung der Darmperistaltik (z.B. mit medizinischer Kohle, Loperamid).

Durchseuchungsrate: epidemiologische Fachbez. für die Zahl von Infektionen in der Gesamtbevölkerung oder einer bestimmte Gruppe.

DXA: Abk. für (engl.) dual energy X-ray absorptiometry, DEXA.

Dysenterie: Fachbez. für schwere, bakteriell bedingte entzündliche Erkrankungen des (Dick-)Darms; Vorkommen z.B. bei Amöbiasis.

Dyslipoproteinämie: Fachbez. für Fettstoffwechselstörungen.

Dysmenorrhoe: schmerzhafte Menstruation, s. Menstruationsstörungen.

Dysphagie: Fachbez. für alle Formen von Schluckbeschwerden.

Dysplasie: Fachbez. für 1. Fehlbildungen infolge gestörter Gewebe- und Organentwicklung; 2. pathologische Veränderungen von Zellen, vgl. Zellatypie.

Dyspnoe: Kurzatmigkeit als Ruhedyspnoe mit Atemnot auch ohne körperliche Betätigung oder als Belastungsdyspnoe bei (auch leichter) körperlicher Anstrengung, die auf eine Lungenerkrankung oder Anämie hinweisen kann.


© Stephan Dressler, Berlin. Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Kein Teil des Werks darf ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Autors in irgendeiner Weise verwendet werden. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und Mikroverfilmungen sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie Angebote auf Internetseiten oder Onlinediensten. Zuletzt aktualisiert am: 17.03.2008 https://www.aidsfinder.org/