HIV/AIDS-Taschenlexikon – A –

2 HIV/AIDS Taschenlexikon

A

AaV: Abk. für Adenovirus-assoziierte Viren, die nur in Anwesenheit von Adenoviren vermehrungsfähig sind; Verwendung als Vektoren u.a. in der Gentherapie und Impfstoffentwicklung.

Abacavir: Abk. ABC, Handelsname Ziagen; antiretroviral wirksames Arzneimittel (Nukleosidanalogon) zur Kombinationstherapie einer HIV-Infektion. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, Kopfschmerz, Juckreiz, Hypersensitivitätsreaktion (v.a., aber nicht ausschließlich bei Personen mit HLA-B*5701).

abdominal: abdominell, zum Bauch (lat. abdomen) gehörend.

Ablatio retinae: (lat.) Netzhautablösung; Ablösung der inneren Schichten der Netzhaut (Retina) vom Pigmentepithel; Vorkommen u.a. bei Infektionen des Auges (z.B. Zytomegalie), Diabetes mellitus oder verletzungsbedingt.

Abstinenz: Bez. für den freiwilligen Verzicht auf Genuß, z.B. von Alkohol, Drogen oder sexuelle Aktivität (Enthaltsamkeit).

Abstrich: Entnahme einer Probe von Haut oder Schleimhäuten mit einem Tupfer, Spatel oder einer Öse zur zytodiagnostischen oder mikrobiologischen Untersuchung. Vgl. Papanicolaou-Abstrich.

Abszeß: Ansammlung und Abkapselung von Eiter in einem durch einen entzündlichen Krankheitsprozeß entstandenen Hohlraum; Vorkommen u.a. bei bakteriellen Infektionen (z.B. Staphylokokken-Infektionen) oder Protozoen-Infektionen (z.B. Amöbiasis). Therapie durch chirurgische Eröffnung (sog. Abszeßspaltung) und Ausräumung.

Abwehrschwäche: umgangssprachliche Bez. für Immunschwäche.

Acetylsalicylsäure: Abk. ASS; Arzneimittel mit fiebersenkender, entzündungshemmender, schmerzlindernder und gerinnungshemmender Wirkung; Verwendung u.a. zur Schmerztherapie, Fiebersenkung und Verhinderung von Blutgerinnselbildungen. UAW: u.a. Schädigungen der Magen-Darm-Schleimhaut, erhöhte Blutungsneigung.

Aciclovir: antiviral wirksames Arzneimittel (Nukleosidanalogon), das zur Behandlung von Herpesvirus-Infektionen verwendet wird. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, entzündliche Reaktionen an der Injektionsstelle.

Acquired Immune Deficiency Syndrome: (engl.) erworbenes Immunschwächesyndrom, s. AIDS.

ACTG: Abk. für (engl.) AIDS Clinical Trials Group; seit 1987 bestehender Zusammenschluß medizinischer Forschungszentren in den USA, in denen Studien zur Therapie von HIV-Infektion, AIDS und assoziierten Erkrankungen durchgeführt werden (http://aactg.org).

Actinomycine: Arzneimittel mit antibiotischen und zytostatischen Eigenschaften; Verwendung z.B. in der Therapie maligner Tumoren.

ACT UP: Abk. für (engl.) AIDS Coalition to Unleash Power; international gebräuchliche Bez. für politische Interessens- und Aktionsgruppen von Menschen mit HIV und AIDS; aus der 1987 in New York entstandenen ACT UP-Bewegung sind zahlreiche lokale Organisationen in verschiedenen Regionen der Welt entstanden.

ADCC: Abk. für (engl.) antibody-dependent cell-mediated cytotoxicity, antikörperabhängige, zellvermittelte Zytotoxizität; Reaktion von Zellen des Immunsystems (NK-Zellen) mit Zielzellen (z.B. Krankheitserregern, Tumorzellen), an die Antikörper gebunden haben.

Adefovir: antivirales Arzneimittel (Nukleotidanalogon), das bei chronischer Hepatitis B verwendet wird. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, Hautreaktionen, Nierenfunktionsstörungen.

Adenoviren: DNA-Viren, die beim Menschen u.a. Erkrankungen der Atemwege verursachen können; Verwendung (apathogener) Adenoviren als Vektoren in der Gentherapie und Impfstoffentwicklung.

Adhärenz: wörtlich Anhänglichkeit; Fachbez. für 1. Einhaltung therapeutischer Vorgaben durch Patienten und Ärzte mit dem Ziel, einen Behandlungserfolg zu erreichen; von besonderer Bedeutung bei der Behandlung von chronischen (psychischen) Erkrankungen und Infektionskrankheiten; im Rahmen einer antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion u.a. wichtig, um eine regelmäßige Arzneimitteleinnahme zu gewährleisten und die Entwicklung von Resistenzen zu vermeiden. Einen positiven Einfluß haben u.a. Unterstützung des sozialen Umfelds, Information und Aufklärung, negativ können sich u.a. psychische Krisen (z.B. Depressionen) oder Alkohol- und Rauschmittelkonsum auswirken. Vgl. Compliance; 2. Anhaften von Immunkomplexen an Zelloberflächen; 3. Anhaften von Mikroorganismen an Zelloberflächen.

Adjuvans: Hilfsstoff; Bez. für 1. Substanzen, die bei gemeinsamer Anwendung mit einem Antigen die Immunantwort unspezifisch verstärken; Verwendung z.B. von Aluminiumverbindungen (Alum), Mineralölen, immunstimulierenden Komplexen oder Liposomen u.a. bei Impfstoffen; 2. Substanzen, die eine Wirkung von Arzneimitteln verstärken.

adjuvant: unterstützend.

Adriamycin: s. Doxorubicin.

Ag: Abk. für Antigen.

Agenerase: Handelsname für Amprenavir.

AIDP: Abk. für akute inflammatorische demyelinisierende Polyneuroradikulitis, s. Guillain-Barré-Syndrom.

AIDS: Abk. für (engl.) Acquired Immune Deficiency Syndrome, erworbenes Immunschwächesyndrom; unbehandelt etwa 10-12(-20) Jahre nach einer Infektion mit HIV auftretende Erkrankung, die zuerst 1981 in den USA als erworbene Immunschwäche unklarer Ursache bei schwulen Männern mit starker Verminderung von CD4-Helferzellen, Pneumocystis-Pneumonie (PcP) und Kaposi-Sarkom beobachtet wurde; das Krankheitsbild trat wahrscheinlich Ende der 1950er Jahre erstmals auf und wird heute in AIDS-Falldefinitionen beschrieben. Verlauf: klinisch können mehrere Stadien der HIV-Infektion vom eigentlichen Vollbild AIDS mit ausgeprägter Immunschwäche und Auftreten von AIDS-definierenden Erkrankungen, opportunistischen Infektionen (z.B. Pneumocystis-Pneumonie, Toxoplasmose), Tumorerkrankungen (z.B. Zervixkarzinom, Kaposi-Sarkom, malignes Lymphom), schweren Allgemeinsymptomen (z.B. Wasting-Syndrom, Fieber unklarer Ursache, neurologische Erkrankungen) und hoher Sterblichkeit unterschieden werden. Diagnose: v.a. anhand von klinischem Verlauf, immunologischen und virologischen Parametern. AIDS-Fälle werden in Deutschland in nichtnamentlicher, freiwilliger Meldung an das AIDS-Fallregister erfaßt. Therapie: Mit Einführung der antiretroviralen Kombinationstherapie hat sich das klinische Spektrum der HIV-Infektion verschoben und die Zahl der AIDS-Fälle sowie die hohe Sterblichkeit ist seit 1997 in den Ländern zurückgegangen, in denen antiretrovirale Arzneimittel in ausreichendem Maß zugänglich sind.

AIDS-definierende Erkrankungen: Bez. für Krankheiten, deren Auftreten zur Diagnose AIDS entsprechend der verwendeten AIDS-Falldefinition führt; zu den häufigsten AIDS-definierenden Erkrankungen zählen verschiedene Tumorerkrankungen und opportunistische Infektionen.

AIDS-Demenz: auch HIV-Demenz; Hirnleistungsstörungen mit fortschreitendem Verlust intellektueller Fähigkeiten und begleitenden psychischen Störungen, die als sog. AIDS-Demenz-Komplex im Zusammenhang mit einer HIV-Infektion des Gehirns (Enzephalopathie) auftreten können.

AIDS-Falldefinition: Zusammenstellung verschiedener Kriterien (v.a. klinische Symptomatik, Laborparameter), anhand derer entschieden werden kann, ob eine Erkrankung der Diagnose AIDS entspricht. Unterschiedliche AIDS-Falldefinitionen umfassen regional spezifische Krankheitsbilder (z.B. Caracas-Falldefinition, CDC-Klassifikation, Europäische Falldefinition), berücksichtigen andere Aspekte wie evtl. fehlenden Zugang zu labordiagnostischen Verfahren (z.B. Bangui-Definition) oder beziehen sich auf bestimmte Altersgruppen (z.B. pädiatrische CDC-Klassifikation); die WHO-Falldefinition soll v.a. eine epidemiologische Überwachung erleichtern.

AIDS-Fallregister: Erfassungssystem für AIDS-Fälle in Deutschland beim Robert Koch-Institut, das auf freiwilligen, nichtnamentlichen Berichten der behandelnden Ärzte beruht. Seit Erfassungsbeginn 1982 wurden etwa 25.500 AIDS-Fälle registriert, davon 13.600 als verstorben; die Gesamtzahl der AIDS-Fälle in Deutschland wird auf 33.800 geschätzt, davon sind etwa 27.000 verstorben (Stand 12/2007).

AIDS-Hilfe: Bez. für lokale oder regionale Selbsthilfeorganisationen, die Informationen, Beratung und Betreuung zu HIV und AIDS anbieten; vgl. Deutsche AIDS-Hilfe.

AIDS-Impfstoff: s. HIV-Vakzine.

AIDS-Phobie: psychiatrisches Krankheitsbild, das durch stark ausgeprägte Angst (Phobie) und die unkorrigierbare Auffassung einer HIV-negativen Person gekennzeichnet ist, mit HIV infiziert oder an AIDS erkrankt zu sein; auch wiederholt negative Testergebnisse können diese Auffassung i.d.R. nicht korrigieren, so daß häufig eine psychotherapeutische Intervention erforderlich wird.

AIDS-related complex: s. ARC.

AIDS-Test: umgangssprachliche Bez. für HIV-Antikörpertest.

AIN: Abk. für anale intraepitheliale Neoplasie; Fachbez. für Gewebeveränderungen (Neoplasie) an Haut- und Schleimhäuten im Analbereich. Ursache sind Papillomavirus-Infektionen (v.a. HPV 16, 18); je nach Ausprägung ist der Übergang in ein Analkarzinom möglich. Vgl. CIN, VIN.

Ak: Abk. für Antikörper.

Akne: Erkrankungen von Hauttalgdrüsen und Haarfollikeln, die mit einer Knötchenbildung einhergehen; nach Zeitpunkt des Auftretens, Lokalisation oder Ursache können zahlreiche unterschiedliche Formen unterschieden werden, häufigste Form ist die v.a. bei Jugendlichen auftretende Acne vulgaris. Bei HIV-Infektion werden vermehrt akneähnliche Entzündungen des Haarbalgs beobachtet, s. Follikulitis.

Aktionsbündnis gegen AIDS: 2002 gegründete, auf eine internationale ökomenische Initiative zurückgehende Plattform von Nichtregierungsorganisationen mit Sitz in Tübingen; Ziele sind u.a. die Bereitstellung zusätzlicher Mittel für AIDS-Prävention und Therapie im Rahmen internationaler Zusammenarbeit und ein Schuldenerlaß für ärmere Länder durch die Bundesregierung (http://www.aids-kampagne.de).

Aktivitätsindex: s. Karnofsky-Index.

akute HIV-Infektion: mehrere Tage bis wenige Wochen nach einer Infektion mit HIV während der Ausbildung einer Immunantwort auftretende, vorübergehende Symptomatik; als akutes retrovirales Syndrom wird die früheste klinische Phase einer HIV-Infektion mit Fieber, Exanthem, Abgeschlagenheit, Lymphknotenschwellungen, Gelenkschmerzen und unspezifischen Allgemeinbeschwerden bezeichnet. Es findet eine starke Virusvermehrung mit einer Viruslast von (vorübergehend) mehr als 100 Millionen Kopien/ml statt bei gleichzeitig deutlichem (vorübergehendem) Abfall der CD4-Zellzahl. Diagnose durch Nachweis von HIV-RNA (z.B. bDNA, Polymerasekettenreaktion), da Antikörper noch nicht vorhanden sind. Ob eine antiretrovirale Therapie der akuten HIV-Infektion längerfristige Vorteile bringt, wird in Studien untersucht.

akute Retinanekrose: Abk. ARN; akute entzündliche Veränderungen von Augennetzhaut und Pigmentepithel mit Entzündungen des Glaskörpers und evtl. Netzhautablösung. Vorkommen u.a. bei Herpesvirus-Infektionen, v.a. Herpes-simplex-Virus, Varicella-Zoster-Virus (HHV-3) und Zytomegalievirus (HHV-5); Symptome sind Sehstörungen. Therapie z.B. mit Aciclovir oder Ganciclovir.

akutes retrovirales Syndrom: s. akute HIV-Infektion.

akzessorisches Gen: Bez. für Gene, die nicht zur Vermehrung erforderlich sind; bei HIV vif, vpu, vpr und nef.

Alanin-Amino-Transferase: Abk. ALT, frühere Bez. Glutamat-Pyruvat-Transaminase, GPT; Enzym, dessen meßbare Konzentration im Blut u.a. bei akuter Hepatitis oder Leberschädigung erhöht ist.

Albendazol: Arzneimittel, das bei Wurm- und Protozoenerkrankungen verwendet wird. UAW: u.a. Leberwerterhöhungen, Übelkeit, Blutbildveränderungen.

Aldesleukin: rekombinantes Interleukin-2 (rIL-2), das als Arzneimittel zur Behandlung des Nierenzellkarzinoms verwendet und in klinischen Studien zur Behandlung einer HIV-Infektion untersucht wird. UAW: u.a. Reizungen an der Injektionsstelle, Fieber, Schüttelfrost, Gelenk- und Muskelschmerzen, neurologische Störungen.

alkalische Phosphatase: Abk. AP; Enzym, dessen meßbare Konzentration im Blut u.a. bei Gallen-, Leber-, Nieren- oder Knochenerkrankungen erhöht ist.

allergen: bezeichnet die Eigenschaft von Substanzen oder Krankheitserregern, Allergien auslösen zu können.

Allergie: übersteigerte Immunreaktion des Organismus auf körperfremde Substanzen (sog. Allergene), die nach ihrem Eindringen in den Körper Veränderungen von kurzer Dauer z.B. an Haut und Schleimhäuten hervorrufen, jedoch bei wiederholter Einwirkung zur Entstehung allergischer Krankheiten (z.B. Asthma) führen können; schwere allergische Reaktionen werden als Anaphylaxie bezeichnet.

allergische Reaktion: das auch als Überempfindlichkeitsreaktion oder Hypersensitivitätsreaktion bezeichnete Auftreten entzündlicher Reaktionen bei wiederholtem Kontakt mit einer allergieauslösenden Substanz (Allergen). Unterschieden werden Reaktionen vom Frühtyp (humorale Allergie) innerhalb von Sekunden bis 12 Stunden (Soforttyp, zytotoxischer Typ, Immunkomplex- oder Arthus-Typ) und Reaktionen vom Spättyp (zellvermittelte Allergie) nach 12 bis 72 Stunden; Symptome können u.a. allergisches Asthma, Urtikaria, hämolytische Anämie, Hautausschläge und Arzneimittelexantheme sein; schwere Verläufe werden als Hypersensitivitätsreaktion abgegrenzt. Als ursächlich für allergische Reaktionen wird u.a. eine genetische Disposition (z.B. bestimmte HLA-Merkmale) diskutiert.

all-trans-Retinsäure: chemisches Derivat der Vitamin-A-Säure; lokale Anwendung z.B. bei Kaposi-Sarkom. UAW: u.a. Hautreaktionen.

Alopezie: Fachbez. für Haarausfall; Vorkommen z.B. als postinfektiöse Alopezie mit umschriebenem Haarausfall im Stadium II der Syphilis oder arzneimittelinduzierte Alopezie mit Ausfall der Kopf-, seltener auch der Körperhaare bei längerer Einnahme von Zytostatika oder bestimmten Lipidsenkern.

alpha-Amylase: Enzym, das u.a. in der Bauchspeicheldrüse vorkommt und dessen meßbare Konzentration im Blut u.a. bei bei Bauchspeicheldrüsenentzündungen (Pankreatitis) erhöht ist.

alpha-Liponsäure: Arzneimittel, das in der Behandlung von Neuropathien verwendet wird. UAW: evtl. Atembeklemmungen, Senkung des Blutzuckerspiegels.

ALT: Abk. für Alanin-Amino-Transferase.

ALVAC: gentechnologisch modifiziertes (rekombinantes) Canarypox-Virus, das als Vektor in der HIV-Impfstoffentwicklung verwendet wird; klinische Studien von ALVAC vCP1452 als experimentelle HIV-Vakzine konnten keine Verstärkung der Immunantwort erweisen.

Amenorrhoe: Ausbleiben der Menstruation, s. Menstruationsstörungen.

Amethopterin: s. Methotrexat.

Amikacin: Aminoglykosid-Antibiotikum, das zur Behandlung von Tuberkulose, schweren bakteriellen Infektionen und bei Resistenzen gegen andere Antibiotika verwendet wird. UAW: u.a. Hör- und Gleichgewichtsstörungen, Nierenfunktionsstörungen.

Aminoglykosid-Antibiotika: Aminozucker und sog. glykosidische chemische Bindungen enthaltende Antibiotika mit meist breitem Wirkspektrum, z.B. Amikacin, Kanamycin, Streptomycin.

Aminosäuren: organische Säuren, die eine oder mehrere Aminogruppen enthalten, Grundbausteine von Peptiden und Proteinen; beim Menschen kann ein Mangel zu schweren Stoffwechselschäden führen.

Amitriptylin: Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen (Antidepressivum) und chronischen Schmerzzuständen; Verwendung u.a. in der Behandlung von HIV-assoziierten Neuropathien und bei postherpetischer Neuralgie. UAW: u.a. Herzrhythmusstörungen, Herzbeklemmung.

Amöbiasis: Erkrankung durch das Protozoon Entamoeba histolytica; vermehrtes Vorkommen in wärmeren Regionen. Ein asymptomatischer Verlauf ist möglich, häufig kommt es jedoch zu Durchfällen und evtl. zur Amöbenruhr, einer schweren Dysenterie mit flüssigen, schleimig-blutigen Durchfällen; nach Ausbreitung über die Blutbahn sind Erkrankungen innerer Organe (Leberabszesse) oder von Hirnhäuten und Gehirn (Amöben-Meningoenzephalitis) möglich. Therapie z.B. mit Metronidazol, Tinidazol oder Paromomycin.

Amoxicillin: Breitband-Antibiotikum, das bei zahlreichen bakteriellen Infektionen verwendet wird. UAW: u.a. allergische Reaktionen, Hautreaktionen, gastrointestinale Störungen.

Amphotericin B: Arzneimittel, das bei verschiedenen Pilzerkrankungen verwendet wird (Antimykotikum); die mit einem Lipidkomplex versehenen Formulierungen wie Amphotericin B Colloidal Dispersion, Amphotericin B Lipid Complex oder liposomales Amphotericin B weisen bei oftmals besserer Wirksamkeit weniger Nebenwirkungen auf. Verwendung z.B. bei Kryptokokkose, Aspergillose, Blastomykose, Penicillose und Candida-Mykose. UAW: u.a. Reaktionen am Infusionsort, gastrointestinale Störungen, Nieren-, Hör- und Sehstörungen.

Ampicillin: Breitband-Antibiotikum, das bei zahlreichen bakteriellen Erkrankungen verwendet wird. UAW: u.a. allergische Reaktionen, Hautausschlag, gastrointestinale Störungen.

Amprenavir: Abk. APV, Handelsname Agenerase; antiretroviral wirksames Arzneimittel (Proteaseinhibitor) zur Kombinationstherapie einer HIV-Infektion. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, Arzneimittelexanthem, Kopfschmerz, Fettstoffwechselstörungen.

Anabolika: Kurzbez. für aufbauende (anabole) Steroide.

Anämie: sog. Blutarmut; Verminderung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) infolge von Blutverlusten, verringerter Bildung oder vermehrtem Abbau; bei HIV-Infektionen sehr häufig u.a. als Folge einer HIV-induzierten Unterdrückung der Blutbildung (Knochenmarksuppression), bei chronischen Erkrankungen (u.a. Infektionen, Tumorerkrankungen), vermehrtem Abbau (u.a. bei Splenomegalie), Autoimmunreaktionen oder als unerwünschte Arzneimittelwirkung (u.a. von Zidovudin, Ribavirin, Sulfonamiden). Bei chronischer Anämie kann evtl. ein Behandlungsversuch mit Erythropoetin angezeigt sein.

anale intraepitheliale Neoplasie: s. AIN.

Analgetika: schmerzstillende bzw. -lindernde Arzneimittel; nach Art und Wirkmechanismus werden zentrale und periphere, schwache, mittelstarke und starke Analgetika, Nicht-Opioide und Opioide unterschieden. Wann immer möglich, sollten oral einnehmbare Analgetika verwendet werden; bei Dauerschmerzen ist eine regelmäßige Einnahme zu festen Zeitpunkten sinnvoll. Die Verordnung orientiert sich am Stufenschema der Analgetika der Weltgesundheitsorganisation (WHO), das die Behandlung mit einem Nicht-Opioid (Stufe 1), einem schwach wirksamem Opioid plus einem Nicht-Opioid (Stufe 2) oder einem stark wirksamem Opioid plus einem Nicht-Opioid (Stufe 3), jeweils ggf. mit begleitenden Mitteln, vorsieht. Zeigt ein Analgetikum keine Wirkung, sollte kein anderes Mittel der gleichen Stufe angewendet, sondern sofort zur nächsten Stufe gewechselt werden.

Analkarzinom: maligner Tumor im Analbereich, dem meist symptomlose Vorstadien (anale intraepitheliale Neoplasie, AIN) vorausgehen; es sind fast immer humane Papillomaviren (v.a. HPV 16, 18, 45) nachweisbar. Bei HIV-Infektion werden ein wesentlich häufigeres Vorkommen und bei ausgeprägter Immunschwäche ein rascherer Verlauf beobachtet. Als Symptome können u.a. rektale Blutungen, Schmerzen oder ein Fremdkörpergefühl auftreten. Therapie in Stadien mit geringer Ausbreitung durch chirurgische Exzision, in allen übrigen Stadien Strahlentherapie und Chemotherapie.

Anaphylaxie: schwere allergische Reaktion (Überempfindlichkeitsreaktion) des gesamten Organismus, hervorgerufen durch wiederholten Kontakt mit einem Allergen und durch IgE-Antikörper vermittelt; massive Antigen-Antikörper-Reaktionen in Blut und Gewebe führen zu Gefäßerweiterung, Blutdruckabfall, Kreislaufversagen und evtl. (lebensbedrohlichem) anaphylaktischem Schock.

Angiogenese: Neubildung von Blutgefäßen durch Einfluß körpereigener Faktoren wie Zytokinen, z.B. Fibroblastenwachstumsfaktor alpha und beta oder Oncostatin M. Als Angiogeneseinhibitoren werden Substanzen bezeichnet, die eine Neubildung von Blutgefäßen verhindern; Verwendung u.a. in der Therapie verschiedener maligner Tumoren sowie des Kaposi-Sarkoms, z.B. von all-trans-Retinsäure.

Angstzustände: psychische Störungen, bei denen Angst als Symptom im Vordergrund steht; begleitend können körperliche Symptome wie Schweißausbrüche, Herzrasen, Nervosität oder Kopfschmerz u.a. auftreten. Behandlung durch kognitive und verhaltenstherapeutische Verfahren, evtl. begleitende medikamentöse Therapie mit Anxiolytika oder Antidepressiva.

Anidulafungin: Arzneimittel aus der Gruppe der Echinocandine, das zur systemischen Therapie von Candida-Mykosen verwendet wird (Antimykotikum). UAW: u.a. Herz-Kreislauf-Störungen, entzündliche Reaktionen am Infusionsort, Laborwertveränderungen.

anonymes unverknüpftes Testen: Abk. AUT; Untersuchungsverfahren, die keine namentliche oder individuelle Zuordnung von Untersuchungsmaterialien und -ergebnissen zu einzelnen Personen ermöglichen. Anwendung im Rahmen epidemiologischer Untersuchungen, z.B. Sentinel-Erhebungen.

antagonistisch: gegensätzlich, gegensinnig.

anti-B4-blocked Ricin: gegen das Oberflächenantigen B4 von malignen B-Zellen gerichteter Antikörper, der mit einem chemisch modifizierten Ricin verbunden ist; Untersuchung in Studien zur Therapie von Lymphomen und Leukämie (Blutkrebs).

Antibiogramm: Befund einer labormedizinischen Empfindlichkeitsprüfung (Resistenztestung) von Bakterien gegenüber Antibiotika oder Chemotherapeutika, deren minimale Hemmkonzentration in Verdünnungsreihen oder sog. Hemmhoftests bestimmt wird.

Antibiotika: ursprünglich aus Pilzen, heute überwiegend synthetisch gewonnene Substanzen und Arzneimittel, die aufgrund ihrer Eingreifmechanismen (v.a. Stoffwechseleffekte) wachstumshemmend oder abtötend auf bestimmte Krankheitserreger (v.a. Bakterien, einige Pilze und Protozoen) wirken. Anwendung v.a. bei bakteriellen Infektionen, ggf. nach vorheriger Resistenztestung (Antibiogramm).

Antidepressiva: stimmungsaufhellende, anxiolytische bzw. antriebssteigernde Arzneimittel unterschiedlicher chemischer Substanzklassen, die begleitend zu einer Psychotherapie in der Behandlung von Depressionen verwendet werden. Einteilung nach chemischer Grundstruktur in trizyklische Antidepressiva (u.a. Amitriptylin, Imipramin, Nortriptylin) und nicht-trizyklische Antidepressiva (u.a. selektive Serotoninwiederaufnahme-Hemmer wie Fluoxetin, tetrazyklische Antidepressiva, bestimmte Monoaminoxidasehemmer).

Antiemetika: Arzneimittel, die zur Behandlung von Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen verwendet werden.

Antigen: Abk. Ag; Bez. für Krankheitserreger oder Substanzen, die vom Immunsystem als körperfremd erkannt werden und die Bildung von Antikörpern auslösen (sog. Antikörper-Generator); der Bereich eines Antigens, der Immunreaktionen auslöst, wird als Antigendeterminante oder Epitop bezeichnet. HIV weist verschiedene Antigene auf, u.a. das Oberflächenantigen gp120.

Antigen-Antikörper-Reaktion: Bindung eines Antigens an spezifische, gegen dieses Antigen gerichtete Antikörper; biologisches Vorkommen bei der Immunantwort, labormedizinische Verwendung in der Diagnostik z.B. bei Antikörpertests.

Antigenbindungsstelle: s. Paratop.

Antigendeterminante: s. Epitop.

Antigenpräsentation: Vorgang im Rahmen der Immunantwort, bei dem nach Aufnahme (Phagozytose) von Antigenen durch Zellen bestimmte Bereiche dieser Antigene (Epitope) an der Oberfläche der Zellen von HLA-Molekülen der Klasse 1 oder 2 präsentiert und damit für T-Lymphozyten erkennbar werden; sog. antigenpräsentierende Zellen sind v.a. dendritische Zellen, Makrophagen und B-Lymphozyten. Bei HIV-Infektion ist die Antigenpräsentation mit HLA-Molekülen der Klasse 1 assoziiert und führt zur Stimulation von CD8-Zellen und Ausbildung zytotoxischer T-Lymphozyten.

Antigenvariabilität: Veränderlichkeit eines Antigens.

Antikörper: Abk. Ak; in Blut und Körperflüssigkeiten vorkommende Immunglobuline, die bei einer Immunantwort von B-Lymphozyten als Reaktion auf ein Antigen gebildet werden und an dieses Antigen spezifisch binden; der Bereich eines Antikörpers, der an Antigendeterminanten (Epitope) bindet, wird als Antigenbindungsstelle (Paratop) bezeichnet. Bei einer HIV-Infektion werden Antikörper gegen verschiedene Bestandteile von HIV gebildet (u.a. gp120, p24-Antigen); sie verstärken Immunantworten und lösen weitere Reaktionen aus (z.B. Aktivierung von zytotoxischen T-Lymphozyten und Komplement); sog. neutralisierende Antikörper können zunächst ein Eindringen von HIV in Zellen verhindern, werden aber mit fortschreitender Infektion aus noch ungeklärten Gründen immer weniger gebildet. Therapeutisch werden (rekombinante) Antikörper u.a. zur Behandlung von Tumorerkrankungen verwendet, diagnostisch bei Antikörpertests.

Antikörpertest: allgemeine Bez. für Untersuchungsverfahren, mit denen Antikörper gegen bestimmte Substanzen oder Krankheitserreger im Blut oder anderem Untersuchungsmaterial nachgewiesen werden; auch Kurzbez. für HIV-Antikörpertest.

Antikonzeptiva: empfängnis- und zeugungsverhütende Mittel, s. Kontrazeptiva.

Antimykotika: Mittel zur Behandlung lokaler oder systemischer Pilzerkrankungen; Fungistatika hemmen die Vermehrung von Pilzen, Fungizide töten sie ab. Viele Antimykotika sind wegen hoher Toxizität nur lokal anwendbar, als Arzneimittel zur systemischen Therapie schwerer Pilzerkrankungen werden v.a. Amphotericin B, bestimmte Azolderivate, Echinocandine und Flucytosin verwendet; Resistenzentwicklungen sind möglich.

Antioxidativa: auch Antioxidanzien; Substanzen, die durch Abfangen freier Radikale einen oxidativen Streß verringern, z.B. Vitamin C und E, Flavonoide und beta-Karotin.

anti-p24-Antigen: gegen p24-Antigen von HIV gerichtete Antikörper.

Antiphlogistika: entzündungshemmende Arzneimittel, z.T. auch mit schmerzlinderndenden und fiebersenkenden Eigenschaften. Verwendung zur systemischen oder lokalen Therapie entzündlicher und schmerzhafter Veränderungen.

Antipyretika: fiebersenkende Arzneimittel.

antiretroviral: gegen Retroviren gerichtet.

antiretrovirale Kombinationstherapie: antiretrovirale (i.e.S. gegen HIV gerichtete) Behandlung mit mehreren (meist drei) virostatischen Arzneimitteln, die unterschiedliche Wirkmechanismen oder Angriffsorte haben und die Virusvermehrung hemmen; verwendet werden Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI, Nukleosidanaloga, Nukleotidanaloga), Proteaseinhibitoren, Fusionsinhibitoren, Integraseinhibitoren und Chemokinrezeptorenblocker; Therapieziel ist eine Senkung der Viruslast unter die Nachweisgrenze; vgl. Therapie, Therapiebeginn.

antisense-RNA: (engl.) gegensinnige RNA; synthetische RNA, die sich spiegelbildlich an die HIV-RNA anlagert und die Virusvermehrung unmöglich macht; vgl. Gentherapie.

Antiseptika: Bez. für Substanzen oder Wirkstoffe, mit denen eine bedingte Keimfreiheit (Antisepsis) erzielt werden kann; lokale Anwendung z.B. bei infektiösen Haut- und Schleimhauterkrankungen und in der Wundbehandlung.

Antituberkulotika: s. Tuberkulostatika.

antiviral: gegen Viren gerichtet.

Anus: auch After; Fachbez. für Darmausgang.

Anwendungsbeobachtung: Bez. für nichtinterventionelle klinische Studie nach Zulassung eines Arzneimittels u.a. mit dem Zweck, seltene unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu erfassen.

AP: Abk. für alkalische Phosphatase.

Aphthen: geschwürige Veränderungen an Mund- und Wangenschleimhäuten mit schmerzhaften, geröteten Rundherden; bei HIV-Infektion häufig als chronisch-rezidivierende Aphthen, bei Immunschwäche auch große (>1 cm), ulzerierende Läsionen.

Apoptose: Form des programmierten Zelltods mit Absterben einzelner Zellen nach Stimulation bestimmter Rezeptoren an der Zelloberfläche und Aktivierung von zellulären Enzymen; bei HIV-Infektion wird eine durch Immunzellen (z.B. zytotoxische T-Lymphozyten) angeregte Apoptose von CD4-Zellen angenommen.

Appetitlosigkeit: herabgesetztes Verlangen nach Nahrungsaufnahme, oft verbunden mit einem Sättigungsgefühl; auslösend sind neben körperlichen und psychischen Faktoren v.a. Arzneimittel; auch im Rahmen von Schmerzsyndromen besteht häufig eine ausgeprägte Appetitlosigkeit. Zur Behandlung werden appetitanregende Mittel (z.B. Gewürze, bittere Pflanzenauszüge) und die Einnahme vieler kleiner Mahlzeiten empfohlen.

Apricitabin: auch AVX754; experimentelles antiretrovirales Medikament (Nukleosidanalogon), das in klinischen Studien zur Kombinationstherapie der HIV-Infektion untersucht wird. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen.

Aptivus: Handelsname für Tipranavir.

APV: Abk. für Amprenavir.

ARC: Abk. für (engl.) AIDS-related complex, AIDS-related Komplex. Kaum mehr verwendete Bez. für ein Stadium der HIV-Infektion, das durch mindestens zwei Laborveränderungen (z.B. verminderte CD4-Zellzahl und fehlende Reaktion im Hauttest) sowie zwei oder mehr klinische Symptome (z.B. hohes, anhaltendes Fieber, starker Gewichtsverlust von mehr als 10%) charakterisiert ist, die aber noch keine AIDS-definierende Erkrankung darstellen.

ARN: Abk. für akute Retinanekrose.

ART: Abk. für antiretrovirale Therapie, s. antiretrovirale Kombinationstherapie.

Arthralgie: Schmerzen in Gelenken; Vorkommen u.a. bei Infektionskrankheiten (Hepatitis, akute HIV-Infektion) wahrscheinlich aufgrund von Autoimmunreaktionen, bei entzündlichen oder degenerativen Gelenkveränderungen (z.B. Autoimmunkrankheiten) und verletzungsbedingt.

Arthritis: mit Schmerzen, Schwellung, Überwärmung und Bewegungseinschränkungen einhergehende Gelenkentzündungen; Ursachen können bakterielle oder virale Infektionskrankheiten, seltener auch Infektionen durch Pilze oder Parasiten sein; ein Auftreten im Zusammenhang mit Autoimmunkrankheiten, Stoffwechselstörungen oder Tumorerkrankungen ist möglich; als eigene Form abgegrenzt wird die rheumatoide Arthritis.

Arthropathie: Gelenkerkrankungen mit entzündlichen und destruktiven Komponenten; zum vorwiegend nichtentzündlichen Typ mit Knorpel- und Knochenzerstörung werden Arthropathien u.a. bei Tabes dorsalis (s. Syphilis) und Diabetes mellitus gezählt; zum vorwiegend entzündlichen Typ Formen mit chronischer Entzündung der Gelenkkapselmembran, z.B. das sog. Blutergelenk infolge von Gelenkeinblutungen bei Hämophilie.

Arzneimittelallergie: allergische Reaktionen auf ein Medikament, sog. Typ B der unerwünschten Arzneimittelwirkungen; in 80% mit Manifestationen an Haut und Schleimhäuten (s. Arzneimittelexantheme); Kreislaufreaktionen, Bronchospasmen, Ödembildungen (Urtikaria), ausgeprägte Durchfälle (Diarrhöen) oder weitere Symptome sind möglich.

Arzneimittelexantheme: bei einer Arzneimittelallergie oder -unverträglichkeit an Haut und Schleimhäuten auftretende Veränderungen (Exantheme); in leichteren Fällen als (vielgestaltige) Hautausschläge evtl. mit Juckreiz, Bläschen- oder Knötchenbildung, die meist mehrere Tage nach Einnahmebeginn auftreten; schwere Verlaufsformen sind v.a. im Rahmen einer längeren Einnahme z.B. als Hypersensitivitätsreaktion, Stevens-Johnson-Syndrom oder toxische epidermale Nekrolyse möglich.

Aspartat-Amino-Transferase: Abk. AST, frühere Bez. Glutamat-Oxalacetat-Transaminase, GOT; Enzym, dessen meßbare Konzentration im Blut u.a. bei Herzinfarkt, Leber- und Skeletterkrankungen erhöht ist.

Aspergillose: Pilzerkrankung durch Arten des Schimmelpilzes Aspergillus (v.a. Aspergillus fumigatus); Vorkommen als opportunistische Infektion v.a. bei ausgeprägter Immunschwäche. Am häufigsten ist ein Befall der Atmungsorgane (Lunge, Bronchien, Luftröhre), gelegentlich mit Ausbildung eines abgekapselten Aspergilloms in bereits bestehenden, krankhaften Lungenaussackungen; Infektionen von Nasennebenhöhlen und Gehörgängen sind möglich. Symptome sind Fieber, Husten, Atemnot und Brustschmerzen, evtl. Bluthusten (Hämoptyse). Therapie mit Amphotericin B, Voriconazol oder Itraconazol, evtl. Caspofungin.

ASS: Abk. für Acetylsalicylsäure.

assay: (engl.) Test, Probe; Bez. für labormedizinische Nachweisverfahren.

AST: Abk. für Aspartat-Amino-Transferase.

asymptomatisch: bezeichnet das Fehlen von Krankheitszeichen oder Beschwerden.

Atazanavir: Abk. ATV, AZV, Handelsname Reyataz; antiretroviral wirksames Arzneimittel (Proteaseinhibitor) zur Kombinationstherapie einer HIV-Infektion. UAW: u.a. Leberwerterhöhungen, gastrointestinale Störungen, Hyperbilirubinämie, Kopfschmerz.

Atemnot: umgangssprachliche Bez. für Dyspnoe.

atopisches Ekzem: auch endogenes Ekzem, Neurodermitis; s. Ekzem.

Atorvastatin: Arzneimittel zur Senkung erhöhter Blutfette (Lipidsenker). UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, allergische Reaktionen, Kopfschmerz, Arzneimittelwechselwirkungen.

Atovaquon: Arzneimittel, das bei verschiedenen Infektionskrankheiten verwendet wird (Antiprotozoenmittel), z.B. bei Pneumocystis-Pneumonie und Toxoplasmose. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, Hautreaktionen, Erhöhung von Leberwerten und Amylase.

Atripla: Handelsname für Kombinationspräparat mit Efavirenz, Emtricitabin und Tenofovir.

Atrophie: Fachbez. für Schrumpfung von Geweben oder Organen; unterschieden werden eine physiologische Atrophie im Rahmen normaler Entwicklungs- oder Alterungsprozesse und eine pathologische Atrophie infolge von Erkrankungen.

Attenuierung: Abschwächung der Virulenz von Krankheitserregern unter Erhaltung ihrer immunologischen Eigenschaften und Vermehrungsfähigkeit; Verwendung attenuierter Krankheitserreger z.B. bei Lebendimpfstoffen.

ATV: Abk. für Atazanavir.

atypisch: bezeichnet eine Abweichung von charakteristischen Eigenschaften oder Merkmalen; vgl. Zellatypie.

atypische Mykobakteriosen: Erkrankungen durch atypische Mykobakterien; Vorkommen bei HIV-Infektion als schwere opportunistische Infektionen; häufigste Erreger sind (in bis zu 90%) Mycobacterium avium und Mycobacterium intracellulare (die nur labormedizinisch unterscheidbar sind, daher zusammenfassende Bez. Mycobacterium avium/intracellulare, MAI oder Mycobacterium-avium-Komplex, MAK); es wurden zahlreiche andere Formen nachgewiesen, u.a. Mycobacterium xenopii und Mycobacterium kansasii. Symptome treten meist erst bei ausgeprägter Immunschwäche (<50 CD4-Zellen/µl) auf, u.a. Temperaturerhöhungen, Fieber, Nachtschweiß, starker Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, Durchfälle oder Bauchschmerzen; es können zahlreiche Organe beteiligt sein, u.a. lymphatisches System (Lymphnotenvergrößerung), Knochenmark (Störungen der Blutbildung, Anämie), Leber und Milz (Hepatosplenomegalie). Zur Diagnose sind neben Erregernachweis und mikrobiologischen Untersuchungen (Anzüchtung, Resistenzbestimmung) ggf. bildgebende Verfahren zum Nachweis von Lymphknoten- und Organbeteiligungen erforderlich. Die Therapie erfolgt über mindestens sechs Monate als Kombinationstherapie mit i.d.R. drei Tuberkulostatika; als problematisch erweisen sich dabei die sehr oft vorhandenen Resistenzen; eine Sekundärprophylaxe wird empfohlen; wichtig ist ebenfalls eine wirksame antiretrovirale Therapie zur Verbesserung des Immunstatus.

Auffrischungsimpfung: auch Booster-Impfung; im Anschluß an eine Basisimpfung durchgeführte Wiederholungsimpfung zur Erzielung einer Immunität.

Ausbreitungsmuster: charakteristische Ausbreitungsweise einer übertragbaren Krankheit; vgl. Pattern.

Ausknospung: auch (engl.) budding; Fachbez. für die Freisetzung von neu gebildeten Viren aus einer infizierten Zelle im Replikationszyklus von HIV.

AUT: Abk. für anonymes unverknüpftes Testen.

Autoimmunkrankheit: durch eine Immunreaktion gegen körpereigene Substanzen oder Zellen ausgelöste Erkrankung.

Azidothymidin: Abk. AZT, frühere Bez. für Zidovudin.

Azithromycin: Arzneimittel, das z.B. bei Infektionen mit atypischen Mykobakterien, Kryptosporidiose und Toxoplasmose verwendet wird (Makrolid-Antibiotikum). UAW: u.a. gastrointestinale Störungen.

Azodicarbonamid: Abk. ADA; experimentelles Medikament (Zinkfingerinhibitor), das in klinischen Studien zur Kombinationstherapie der HIV-Infektion untersucht wird. UAW: u.a. Nierensteinbildung (Nephrolithiasis), Glukoseintoleranz.

Azolderivate: Substanzen, die in ihrer chemischen Struktur einen Azolring enthalten; Verwendung als Arzneimittel zur lokalen Therapie von Pilzerkrankungen z.B. von Ciclopirox, Clotrimazol; systemische Anwendung z.B. von Fluconazol, Itraconazol, Posaconazol, Voriconazol.

AZT: Abk. für Azidothymidin, frühere Bez. für Zidovudin.

AZV: Abk. für Atazanavir.


© Stephan Dressler, Berlin. Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Kein Teil des Werks darf ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Autors in irgendeiner Weise verwendet werden. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und Mikroverfilmungen sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie Angebote auf Internetseiten oder Onlinediensten. Zuletzt aktualisiert am: 17.03.2008 https://www.aidsfinder.org/