8.1 Bildende Kunst

8.1.1.3 Künstler N-Z

Piotr Nathan

Piotr Nathan (geb. 1955) lebt in Berlin. 1992 ließ Nathan Freunde und Bekannte in seinem Atelier allein, damit sie liegend auf einem Laken, einer Matratze, durch ihre Kleidung den Urin fließen lassen sollten. Laken und Matratzen wurden später ausgestellt. Eine Arbeit nicht in Erinnerung an Andy Warhols Pißbilder, sondern an Leben und Tod an AIDS erkrankter Freunde: Sterbende können im Moment des Todes den Urin nicht mehr halten. In den letzten Jahren realisiert Nathan mit Kohle direkt auf die Wand "gepixelte" Bilder.


Aron Neubert

Freund und Fotograf Aron Neubert fotografierte Jürgen Baldiga wärend der letzten zwei Lebensjahre. Jeden Monat entstand ein Bild. Die 23 Fotografien sind in Neuberts Buch "Wärme, die nur Feuer uns geben kann" (1995) veröffentlicht.


Nicholas Nixon

Hat sehr früh umstrittene Fotos von AIDS-Kranken gemacht, die in der Zabriskie Gallery in New York verkauft wurden. Gran Fury und Act Up gingen gegen diese Arbeiten vor, da die Kranken nicht als Opfer dargestellt werden sollten.




Elisabeth Ohlson

Elisabeth Ohlson wurde 1961 in Schweden geboren. ECCE HOMO ist ein Fotografie-Projekt in dem sie mit Lesben und Schwulen die Geschichte Jesu nachstellt. Sie hatte die Arbeit an der Serie begonnen, nachdem sie Ende der achtziger Jahre einige gute Freunde an AIDS verloren hatte. Die Ausstellung, die in Deutschland in einer Berliner Kirche gezeigt wurde, hatte sehr heftige Reaktionen in religiösen Kreisen ausgelöst.
Homepage der Künstlerin mit den umstrittenen Bilder und einer Ausstellungsgeschichte. Die dort eingerichtete Debatte zu den umstrittenen Bildern ist zur Zeit geschlossen:
www.eccehomo.nu (nicht immer gut zu erreichen – öfter versuchen)



Martin von Ostrowski

Martin von Ostrowski wurde u.a. bekannt durch seine Kunstfigur "Königin Luise" und die öffentlichen Auftritte während der Dokumenta X "Dies ist keine Kunst". Er malte Bilder zu schwulem Sex und Gewalt.


Jack Pierson

Jack Pierson (Jonathan) arbeitet vorrangig mit den Mitteln der Fotografie, die er sehr subjektiv, oft in harten Anschnitten verwendet, aber auch mit Mitteln der Malerei und der Installation. Seine "Word Pieces", die er in Ausstellungen direkt auf der Wand montiert, stellt er aus dreidimensionalen Buchstaben alter Werbeschriften zusammen.




Loel Poor und Jack M. Armitage

fotografierten und interviewten Menschen mit Aids : http://www.thebody.com/loelpoor/index.html


Hunter Reynolds

Eine der bekanntesten Arbeiten des 1959 geborenen Künstlers ist "Patina du Prey’s Memorial Dress", ein weites schwarzes Kleid, auf das mit goldenen Buchstaben die Namen an AIDS verstorbener Menschen geschrieben sind. Zu Ausstellungen liegt das Memorial Book aus, in das Besucher ihre Bemerkungen schreiben können. Reynolds trägt das Kleid in Performances. Eine zweite Werkgruppe bilden die zu großen, quiltgleichen Teppichen vernähten Fotos.




Richard Rinaldi

29-jähriger HIV-positiver Fotograf, der von 1994-1997 Orte um den legendären Pier 45 herum fotografiert hat.


Salomé

Einer der so genannten Berliner "Wilden Maler". 1954 geboren, lebt er nach Aufenthalten in den USA heute wieder in Berlin am Moritzplatz. Explizit zu AIDS schuf er 1988 die Reihe "Reflexion / Reaktion I-V", wie er schreibt als Reaktion auf den Tod seines Freundes Rolf von Bergmann.


Daniel Schäfer (1959-1995)

Das Wissen, mit großer Wahrscheinlichkeit an der Immunschwäche AIDS zu sterben, hat Daniel Schäfer nicht zu grundlegend neuen Themen und Aussagen geführt, wohl aber zu einer radikaleren Formulierung derjenigen, die schon bisher im Zentrum seines Schaffens standen. Nicht nur die individuelle Auseinandersetzung mit dem Leben als solchem, sondern auch das kollektive Erleben in der schwulen Kultur führte zu komplexen Bildfindungen existientieller Verbindlichkeiten. (Martin Kraft)




Scott Thode

fotografiert seit 12 Jahren verschiedenen Facetten der Aids-Krise in den USA. Ansonsten kommerziell für unterschiedliche Magazine, in Deutschland u.a. den Stern tätig. Thode lebt verheiratet in New York.




Tseng Kwong Chi

starb 1990 an AIDS. Er inszenierte immer wieder sich selbst vor allen möglichen, oft touristischen Hintergründen. Viele Fotografien der Arbeiten von Keith Haring stammen von Tseng Kwong Chi.




Nicolaus Utermöhlen (1958-1996)

Nicolaus Utermöhlen bildete mit Käte Kruse und Wolfgang Müller das weit über Berlins Grenzen hinaus bekannte Avantgardetrio "Die tödliche Doris". In den 90er Jahren widmet er sich vorwiegend der Malerei.


Franz Wassermann

"Barbie und Ken sind HIV-positiv" heißt eine Arbeit des Österreicher Künstlers Franz Wassermann. Wassermann hat Menschen, die mit HIV infiziert sind, gebeten, Alltagsgegenstände aller Art zur Verfügung zu stellen. Die Gegenstände, die ansonsten sehr wahrscheinlich auf dem Müll gelandet wären, wurden daraufhin zu Kunstobjekten, weiterverarbeitet, einzeln in die Folien verpackt, die Folien verschweißt, mit grünem Punkt und einer schriftlichen Aufforderung nach zwischenmenschlichem Kontakt beklebt. Dieses Projekt, das in verschiedenen Museen gezeigt wurde, heißt "Barbie und Ken sind HIV-positiv". Mattel, der Hersteller der Puppen, ging gegen Wassermann gerichtlich vor. Die Seiten des eigentlichen Projektes sind daher nur zugänglich, nachdem man ein Kennwort via e-mail von Wassermann erhalten hat. http://www.mylivingroom.org. Es ist verwirrend. Es ist Kunst. "Jedes dieser Objekte ist eine bewußt gesetzte Metapher", sagt Wassermann. Der Titel des Gesamtkunstwerks trägt zusätzlich zur anfänglichen Verwirrung bei. (Aus der Dokumentation der Ausstellung im Museum für Industrielle Arbeitswelt)




Ruedi Weber

Fotografierte zwischen 1991 und 1997 50 HIV-positive Männer in ihren alltäglichen Lebenssituationen und Befindlichkeiten. Nur selten gibt es Hinweise auf die Krankheit im Bild.


David Wojnarowicz (1954-1992)

David Wojnarowicz hat keine klassische Kunstausbildung genossen. Als von zu Hause fortgelaufenes Kind malte er auf Pappstücken und kritzelte auf Häuserwände. Die Anfang der achtziger Jahre entstehende East-Village-Galerienwelt entdeckte ihn. Seine rauhen Arbeiten paßten in die Umbrüche der Kunstszene. David wurde zu einem poltischen Künstler. Einer seiner bedeutend gewordenen Sätze lautet sinngemäß: Sage immer was Du meinst. Denn wenn Du das öfter nicht tust, kann es sein, daß Du irgendwann vergißt, was Du willst.

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©1999, 2003 AIDSfinder / zuletzt aktualisiert am: 30.01.2001