7.3 Medizinisch-pflegerische Versorgung

7.3.1 Krankenversicherung

Die Leistungen der gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen spielen für Menschen mit HIV und AIDS eine zentrale Rolle. Die Inanspruchnahme von Leistungen der Krankenversicherung ist im Alltag mit einer Vielzahl von Fragen verbunden, z.B. wenn es um den Umfang der Leistungsgewährung oder um die Eigenbeteiligung des Versicherten geht.
Der weitaus größte Teil der Menschen in Deutschland ist in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert. Mit dem Gesetz zur Modernisierung der GKV, das seit dem 1.1.2004 in Kraft ist und besser als Gesundheitsreform bekannt ist, sind erhebliche Veränderungen im Rahmen des SGB V verbunden. So sind die Versicherten hinsichtlich der Leistungserbringung durch die Krankenkassen in höherem Maße von Zuzahlungen betroffen. Hier seien die quartalsweise zu entrichtende Praxisgebühr beim ersten Arzt- sowie Zahnarztbesuch, aber auch Zuzahlungen zu Arznei-, Verband-, Heil- und Hilfsmitteln oder die Zuzahlungen bei der stationären Versorgung und bei der Rehabilitation genannt. Bei den Zuzahlungen gibt es eine Belastungsgrenze: Diese entspricht 2 % der jährlichen Bruttoeinnahmen des Versicherten bzw. 1 % bei chronisch Kranken, zu denen Menschen mit HIV und AIDS in der Regel zählen, wenn sie behandelt werden.

Der Gesetzgeber regelt durch das SGB V, welche Leistungen durch die Krankenkassen zu erbringen sind. Da sich diese Regelungen häufig ändern und mit der Umsetzung der Gesundheitsreform größere Umgestaltungen zu erwarten sind, ist es sinnvoll, sich über den aktuellen Stand der gesetzlichen Leistungen zu informieren: Fast alle Krankenkassen sind im Internet mit einer eigenen Homepage vertreten. Darüber hinaus stehen in der Regel sowohl allgemeine als auch spezielle Service Hotlines zur Verfügung, die zu individuellen Fragestellungen Antworten geben können.

Als Beispiel seien hier die Internetadressen der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK), der Barmer Ersatzkasse (BEK), der Techniker Krankenkasse (TK) und der Deutschen Angestellten Krankenkasse angegeben:

http://www.aok.de

http://www.barmer.de

http://www.tk-online.de

http://www.dak.de

Das Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung steht für Fragen zur gesetzlichen Krankenversicherung mit dem Bürgertelefon unter 0800-15 15 15 9 zur Verfügung und informiert unter http://www.die-gesundheitsreform.de/index.4ml

Empfehlenswert ist auch der Reader „Gesundheitsreform“ 2004, der bei der Deutschen AIDS-Hilfe bezogen werden kann und Zuzahlungs- und Finanzierungsregelungen, Chronikerregelung, Krankentransportrichtlinien und Verordnungsfähigkeit rezeptfreier Arzneimittel erläutert.

Informationen zu Zuzahlungen und Zuzahlungsrechner stehen unter http://www.zuzahlung.de zur Verfügung.

Informationen zur Verordnungsfähigkeit nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel im Ausnahmefall und zur Medikamenten-Ausschlussliste gibt es auf der website des Gemeinsamen Bundesausschuss unter http://www.gemeinsamer-bundesausschuss.de/.


Für Menschen, die mit ihrem Einkommen die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze überschreiten, kann eine private Krankenversicherung eine sinnvolle Alternative zur freiwilligen Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung darstellen. Vorsicht ist jedoch bei chronischen Erkrankungen geboten, da diese mit Risikozuschlägen belegt werden oder den Abschluss eines Versicherungsvertrages ausschließen. So gut wie alle privaten Krankenversicherungen sind im Internet vertreten.


Exner-Freisfeld, Helga: Soziale Absicherung chronisch Kranker insbesondere bei Patienten mit HIV und AIDS. Sozialmedizinische und -rechtliche Grundlagen der Versorgung. Frankfurt am Main: VAS, 3. aktualisierte und ergänzte Auflage 2004

Bietet einen umfassenden Überblick über die Leistungen der Krankenversicherung bei HIV und AIDS. Die Autorin geht neben den Leistungen zur Krankenversicherung auf nahezu alle Fragen der sozialen Absicherung ein. Das Buch ist damit ein hilfreiches Instrument für Profis und Laien.


J. Kruse/A.Hänlein (Hrsg.): Das neue Krankenversicherungsrecht. Baden-Baden: Nomos 2004, 196 Seiten.


Betafon

Der telefonische Informationsdienst Betafon steht bei Sozialfragen im Gesundheitswesen (von Erstattung von Fahrtkosten bis Begleitung) für Fachleute und Betroffene zur Verfügung.

01805 / 238 23 66 (Ortstarif) Mo, Mi, Fr 9-12, Di, Do 16-18 Uhr

7.3.2 Pflegeversicherung

Mit Hilfe der Pflegeversicherung (SGB XI) soll die Pflege in der häuslichen Umgebung gefördert werden. Es gilt der Grundsatz: ambulant vor stationär. Auch wenn dieser Grundsatz in Bezug auf die Organisation der Pflege in der Praxis häufig Probleme bereitet, so lässt sich die häusliche Pflege doch etwas leichter als vor der Gesetzesänderung durchführen. Pflegebedürftig ist, wer aufgrund körperlicher, geistiger oder seelischer Krankheiten oder Behinderungen bei den Aufgaben des täglichen Lebens der Hilfe bedarf. Je nach Umfang der Pflegebedürftigkeit wird der Pflegebedürftige in eine der drei Pflegestufen eingeordnet. Diese bestimmen die Höhe der jeweiligen Leistung. Es wird unterschieden zwischen Geldleistung (Pflegegeld) und Sachleistung (Einsatz eines ambulanten pflegerischen Dienstes). Es gibt aber auch Kombinationsleistungen (begrenzter Einsatz eines Dienstes/teilweiser Bezug von Pflegegeld). Außerdem können ergänzende Leistungen wie Kurzzeitpflege, Stellung einer Ersatzpflegekraft oder Leistungen zur sozialen Absicherung der Pflegeperson erbracht werden. Organisation und Verwaltung der Pflegeversicherung übernehmen die Krankenkassen.

Nähere Informationen zur Pflegeversicherung:

Das Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung informiert unter http://www.bmgs.bund.de umfassend über die Pflegeversicherung. Hier können auch die folgenden Broschüren angefordert werden:

Pflegeversicherung: Dritter Bericht über die Entwicklung der Pflegeversicherung U.a. mit Fragen und Antworten zu den häufigsten Problemen der Pflegeversicherung

Pflegen zuhause - Ratgeber für die häusliche Pflege


Deutsche AIDS-Hilfe (Hrsg.): pflegen und pflegen lassen für Menschen mit HIV und AIDS, ihre Partner, Partnerinnen und ihre Angehörigen. 3. überarbeitete Auflage Berlin 2003, 192 Seiten

Enthält u.a. ausführliche Kapitel zu Pflegeversicherung, Krankenversicherung, Bundessozialhilfegesetz, Pflegeorganisation, Pflegemitteln, Häuslicher Pflege, Sterben zu Hause sowie zahlreiche Checklisten, Anschriften und Literaturhinweise.


Pflegetagebuch

Grundlage für die Inanspruchnahme von Leistungen der Pflegeversicherung ist die Einstufung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) in eine der drei Pflegestufen, die im Pflegeversicherungsgesetz vorgesehen sind. Dabei scheint die Entscheidung des MDKs die tatsächliche Lebenssituation der Pflegebedürftigen nicht ausreichend zu berücksichtigen. Für viele Betroffene ist eine solche Überprüfung ihrer Pflegebedürftigkeit nicht nur ungewohnt, sondern sie stellt auch einen massiven Eingriff in ihre Privatsphäre dar. Das Pflegetagebuch wurde herausgegeben, um über einen längeren Zeitraum den Unterstützungsbedarf strukturiert festzuhalten und in der konkreten Begutachtungssituation Angaben machen zu können, die zu einer realistischen Einstufung beitragen. Zu beziehen sind solche Pflegetagebücher bei den jeweiligen Pflegekassen . Ein sehr empfehlenswertes Pflegetagebuch wurde herausgegeben von der Hans-Weinberger Akademie, Industriestr. 31 in 81245 München und ist unter diese Adresse oder auf der Homepage http://www.hwa-online.de unter "Verlag" zu beziehen.


7.3.3 AIDS-Spezialpflegedienste

Unter dem Dach der Deutschen AIDS Hilfe haben sich die sogenannten AIDS-Spezialpflegedienste zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist es, Menschen mit HIV und AIDS darin zu unterstützen, ihr Leben und Sterben trotz krankheitsbedingter Einschränkungen selbstbestimmt und weitestgehend autonom zu gestalten. Neben der Erbringung von Grund- und Behandlungspflege sowie hauswirtschaftlicher Versorgung halten diese Dienste ein Leistungsangebot vor, welches sich an den spezifischen Erfordernissen des Krankheitsbildes AIDS und den Bedürfnissen der Hauptbetroffenengruppen von AIDS orientiert. Dieses reicht von der 24-Stunden-Krankenpflegerufbereitschaft über Infusionstherapien und parenterale Ernährung bis hin zur Substitutionsbegleitung und Schmerztherapie.

Vielfach gilt es vor Ort pflegende Angehörige, Freunde, Freundinnen und ehrenamtliche Betreuerinnen. In Zusammenarbeit mit dem Referat "Pflege" der Deutschen AIDS-Hilfe und dem Verband der Angestellten Krankenkassen bieten die Dienste Individual- und Gruppenschulungen für den o.a. Personenkreis an und geben Betroffenen im Krankenhaus bei anstehender Entlassung eine umfassende Pflegeberatung.


Deutsche AIDS-Hilfe (Hrsg.): pflegen und pflegen lassen für Menschen mit HIV und AIDS, ihre Partner, Partnerinnen und ihre Angehörigen. 3. überarbeitete Auflage Berlin 2003, 192 Seiten

Enthält u.a. ausführliche Kapitel zu Pflegeversicherung, Krankenversicherung, Bundessozialhilfegesetz, Pflegeorganisation, Pflegemitteln, Häuslicher Pflege, Sterben zu Hause sowie zahlreiche Checklisten, Anschriften und Literaturhinweise.


Deutsche AIDS-Hilfe (Hrsg.): Adressbuch Wohnen-Pflege-Betreuung für Menschen mit HIV und AIDS. 3., vollständig neubearbeitete Auflage, Berlin 2002

Einen Überblick über die Projekte in Deutschland, die Angebote im Bereich Wohnen, Pflege und Betreuung machen. Auch unter http://www.aidshilfe.de einzusehen.

Bei weitergehenden Fragen stehen die Dienste selbst oder das Referat Pflege der Deutschen AIDS-Hilfe zur Verfügung.


7.3.4 Hospize

Unter dem Begriff Hospiz wird heute ein umfassendes Konzept für sterbenskranke Menschen verstanden. Sie sollen auch in ihrer letzten Lebensphase daheim sein können, ambulant versorgt in der eigenen Wohnung mit Unterstützung von Besuchsdiensten oder im stationären Hospiz. Unter http://www.hospiz.net stellt sich die Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz mit Verweisen auf Landesarbeitsgemeinschaften, Organisationen und Initiativen sowie einem überregionalen Terminkalender vor.


In einigen Bundesländern wurden von den jeweiligen Landesministerien Leitlinien zur Hospizarbeit herausgegeben, so z.B. vom Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Broschüre Hospizbewegung und Sterbebegleitung, Konzepte und Leitlinien des Landes, welche eine Übersicht der Hospizinitiativen und Ansprechstellen beinhaltet, kann bei der Pressestelle des Ministeriums, 40190 Düsseldorf, angefordert werden. Zu bestellen unter http://www.mfjfg.nrw.de unter der Rubrik "Service".


©1999, 2005 AIDSfinder zuletzt aktualisiert am: 27.11.2004