7.1 Arbeit / Beschäftigung

7.1.1 HIV und AIDS am Arbeitsplatz

Durch die bessere Behandelbarkeit der Krankheit können Menschen mit HIV und AIDS erheblich länger am Arbeitsleben teilnehmen. Der Erhalt des Arbeitsplatzes ist für viele wegen der persönlichen und sozialen Absicherung von Bedeutung. Große Unsicherheiten bestehen allerdings beim Umgang mit der Infektion am Arbeitsplatz. Fragen, die dabei immer wieder auftauchen sind z.B. Wie verhalte ich mich bei Einstellung und betriebsärztlicher Untersuchung? Darf der Arbeitgeber nach meiner HIV-Infektion fragen? Wie verhalte ich mich, wenn meine Kollegen oder der Arbeitgeber von der Infektion erfahren? Aber auch Kündigungen, Druckkündigungen, Compliance und Nebenwirkungsmanagement am Arbeitsplatz, längere krankheitsbedingte Fehlzeiten, Mobbing oder Tätigkeiten in sogenannten sensiblen Bereichen spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle.

Die folgenden Veröffentlichungen geben nähere Informationen zu diesen und weitergehenden Fragen.

Hösl, Jacob: Soziale und rechtliche Aspekte bei HIV. Ratgeber. 3., komplett überarbeitete Auflage, Boehringer Ingelheim Pharma KG 2004. 135 Seiten

Das Buch ist nicht nur hinsichtlich der Fragestellung "HIV und AIDS am Arbeitsplatz" zu empfehlen, sondern bietet weitere wichtige Informationen zu anderen Themen der sozialen Absicherung (Wohnen, Krankenversicherung, Rehabilitation, Finanzielle Hilfen, Sozialleistungen, Prozesskosten u.a.).

Bezugsadresse:
Boehringer Ingelheim Pharma KG
Herrn Dr. A. Gaidies, AMV Klinik
Binger Str. 173
55216 Ingelheim am Rhein

Auch bei vielen AIDS-Hilfen erhältlich. Online unter http://www.virawoche.de.


Code of Practice on HIV/AIDS and the World of Work

Auf internationaler Ebene hat die International Labor Organization (IL0) mit Sitz in Genf einen Kodex zu HIV am Arbeitsplatz erarbeitet. Unter http://www.ilo.org als pdf-Datei in Englisch, Französisch und Spanisch. Neben dem Kodex selbst, der über den link ‚social protection‘ zu finden ist, gibt es diverse Publikationen zum Thema "HIV/AIDS und Arbeit", die meisten allerdings nur in englischer Sprache.


BRTA / LRTA

In den USA haben die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) zwei Programme aufgelegt, die Möglichkeiten zum Umgang mit HIV und AIDS im Arbeitsleben aufzeigen und entwickeln sollen: Business Responds to AIDS (BRTA) und Labor Responds to AIDS (LRTA). Die beiden Programme richten sich an große und kleine US-amerikanische Unternehmen sowie an Gewerkschaften. Informationen über die beiden Programme sowie verfügbare Publikationen sind unter http://www.hivatwork.org verfügbar.


7.1.2 Arbeit, Beschäftigung, Perspektiven

Auch wenn die Entwicklungsprognose der Krankheit weiterhin ungewiss ist, so ist ersichtlich, dass Arbeit und Beschäftigung bei einem Großteil der Betroffenen (wieder) eine Rolle spielt. Dabei geht es nicht nur um den finanziellen Aspekt der Erwerbstätigkeit, sondern auch um den sozialintegrativen und sinnstiftenden Charakter von Arbeit und Beschäftigung.

Neben der konjunkturellen Gesamtsituation sind es vor allem die individuellen Voraussetzungen wie Qualifikation, berufliche Vorgeschichte, Gesundheitszustand sowie die finanzielle Situation, die bei der Perspektivplanung von Bedeutung sind. Abhängig vom jeweiligen Leistungsbezug oder auch dem Status als Schwerbehinderter, werden von den sozialen Leistungsträgern unterschiedliche Möglichkeiten der Arbeitsförderung bzw. Programme angeboten, die die Integration in Arbeit unterstützen. Ebenso bestimmt der jeweilige Leistungsbezug die Möglichkeiten und Grenzen des Hinzuverdienstes.

Neben den regionalen AIDS-Hilfen, die in der Regel zu Fragen im Zusammenhang mit Arbeit und Beschäftigung beraten, gibt es einige Projekte, die konkrete Beschäftigungs-, Orientierungs- und Qualifizierungsangebote machen:

AIDS-Hilfe Bielefeld

  • "Zurück in die Zukunft": abgeschlossenes Qualifizierungsprojekt mit Ausbildung zur Bürofachkraft und Fachkraft für Textverarbeitung. Projektveröffentlichungen zu beziehen bei der AH Bielefeld.

AIDS-Hilfe Essen

  • ZIP (Zielgruppenorientiertes Integrationsprogramm für Menschen mit HIV und AIDS): Auswertung einer abgeschlossenen Umschulungsmaßnahme für Menschen mit HIV und AIDS. Abschlussbericht zu beziehen bei der AH Essen
  • Werkstattcafé: Gastronomieprojekt zur Reintegration in Arbeit

AIDS-Hilfe Köln

  • HIVISSIMO: Arbeitsprojekt im Gastronomiebereich für Sozialhilfeempfänger, Schwerpunkt: Menschen mit HIV und AIDS.
  • Zweiradwerkstatt 180°: Förderung der Arbeitsfähigkeit von akut Drogenabhängigen

"zukunft positiv" Berlin

  • Beratung und Begleitung von Menschen mit HIV und AIDS sowie schwulen Männern mit chronischen Erkrankungen, die eine "berufliche" Perspektive suchen; individuelle Beschäftigungsmöglichkeiten
  • RESTART: Qualifizierungsmaßnahmen für Menschen mit HIV und AIDS im IT-Bereich
  • Die WELTKÜCHE: Beschäftigungsprojekt für Migranten und Migrantinnen mit HIV und AIDS

Münchner AIDS-Hilfe e.V.

  • Beschäftigung für Menschen mit HIV und AIDS im Rahmen des Beschäftigungsprojektes "Café Regenbogen"

Als weiterführende Informationsquellen sind folgende Angebote zu empfehlen:


Informationen zu unterschiedlichen Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung gibt die Bundesagentur für Arbeit unter http://www.arbeitsagentur.de.


Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit bietet unter http://www.bmwa.bund.de sowohl in deutscher Sprache als auch in Englisch, Französisch und Spanisch Informationen an. Als Themen werden angesprochen: Arbeitsrecht, Arbeitsschutz, Arbeitsmarkt, Ausländerbeschäftigung und Teilzeitarbeit. Broschüren wie Arbeitsrecht - Informationen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber können, zum Teil gegen eine Schutzgebühr, bestellt werden.

Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit
Scharnhorststr. 34-37
10115 Berlin
Tel. 01888 / 615 65 74 oder 615 20 73
bmwi@gvp-bonn.de


AIDS-Hilfe Schweiz (Hrsg.): Berufliche Wiedereingliederung von Menschen mit HIV oder AIDS.

Diese Broschüre wendet sich sowohl an Beratungsstellen als auch an Betroffene.


7.1.3 Rehabilitation

Bei der Rehabilitation unterscheidet man drei Teilbereiche: die medizinische Rehabilitation, bei der Leistungen zur Erhaltung oder Besserung des Gesundheitszustandes erbracht werden, die berufliche Rehabilitation mit ihren Leistungen zur Wiedereingliederung in das Berufsleben und die soziale Rehabilitation mit den Leistungen zur Wiedereingliederung in das soziale Umfeld. Träger dieser Leistungen sind neben anderen Institutionen (z.B. Berufsgenossenschaften, Unfallversicherungen) vor allem die Rentenversicherungsträger, Krankenkassen und Arbeitsagenturen.

Im Zusammenhang mit Arbeit und Beschäftigung gilt der Grundsatz "Rehabilitation vor Rente". Das bedeutet: Die medizinische Betreuung der Versicherten sowie ihre berufliche und soziale Wiedereingliederung stehen stets im Vordergrund aller Bemühungen. Eine Rente wird daher grundsätzlich erst gezahlt, wenn alle sinnvollen und zumutbaren Rehabilitationsmöglichkeiten ausgeschöpft sind.

Seit dem 1.7.2001 ist das SGB IX "Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen" in Kraft. Es fasst die Gesetze zur Rehabilitation von behinderten und von Behinderung bedrohten Menschen, die bis dahin in verschiedenen Sozialgesetzbüchern zu finden waren, in einem SGB zusammen. Insbesondere durch die schnelle Klärung von Zuständigkeitsfragen und die trägerübergreifende Harmonisierung einzelner Leistungen soll das Rehabilitationsrecht transparenter und effizienter werden. Informationen zu Rehabilitationsmaßnahmen sind bei den zuständigen Servicestellen erhältlich.

Mit der Einführung eines "trägerübergreifenden persönlichen Budgets“ zum 1.7.2004 besteht nun die Möglichkeit für den Leistungsnehmer, eigenständig zu bestimmen, welche Rehabilitationsleistungen er in welcher Form und von welchem Anbieter in Anspruch nehmen will. Als Persönliche Budgets stellen Rehabilitationsträger Menschen mit Behinderungen statt einer Sachleistung einen Geldbetrag oder Gutscheine zur Verfügung. Näheres zum Inhalt Persönlicher Budgets sowie das Verfahren und die Zuständigkeit der beteiligten Leistungsträger regelt die gleichzeitig zum 1. 7. 2004 in Kraft getretene Budgetverordnung. Die Einführung trägerübergreifender Persönlicher Budgets soll bis zum 31.12.2007 in Modellen erprobt und wissenschaftlich begleitet werden.

Zu den Veränderungen, die mit dem Persönlichen Budget verbunden sind informiert der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung unter http://www.behindertenbeauftragter.de

Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen. Lehr - und Praxiskommentar (LPK - SGB IX) mit Anhang Verfahren und Rechtsschutz. Baden-Baden: Nomos 2002, 500 Seiten


Die Änderungen im SGB IX sind zusammenfassend dargestellt in der Broschüre "Wegweiser - Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen" (88 Seiten, 11. Auflage 2001), die herausgegeben wird von der

Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR)
Walter-Kolb-Straße 9 - 11
60594 Frankfurt am Main
Tel. 069 / 60 50 18 29
http://www.BAR-Frankfurt.de
Info@BAR-Frankfurt.de


Die Rentenversicherungsträger geben Informationsbroschüren zu verschiedenen Themenkomplexen heraus, u.a. zu Leistungen zur Rehabilitation. Sie sind in den Auskunfts- und Beratungsstellen vor Ort erhältlich oder zu bestellen bei:

Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, Vordruckversandstelle, 10704 Berlin
Tel. 0800 / 333 19 19
Fax 030 / 86 52 73 95
bfa@bfa.de
http://www.bfa.de

oder bei den Landesversicherungsanstalten unter http://www.lva.de


©1999, 2005 AIDSfinder zuletzt aktualisiert am: 27.11.2004