2 HIV/AIDS Taschenlexikon

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V

Vaccinia-Virus: auch Vakzinevirus, früher zur Impfung gegen Pocken verwendetes Virus; Verwendung nach Rekombination mit Eingliederung fremder Gene u.a. als Vektor für experimentelle HIV-Vakzine.

vaginale intraepitheliale Neoplasie: s. VAIN.

Vaginitis: auch Kolpitis, Scheidenentzündung; akute oder chronische Entzündung der Vagina, oft mit Entzündung der Vulva (sog. Vulvovaginitis); vermehrtes Vorkommen bei HIV-Infektion; Ursachen sind bakterielle Infektionen (Gardnerella vaginalis, seltener Escherichia coli, Neisseria gonorrhoeae u.a.), Viren, Trichomonaden, Candida albicans (sog. Scheidenpilz, s. Candida-Mykosen); Symptome sind Rötung, Juckreiz, Brennen, Ausfluß, evtl. Blutbeimengungen; Therapie je nach Ausprägung der Symptome und Ursache evtl. mit Antibiotika, Antimykotika oder lokale Anwendung von naturheilkundlichen Zubereitungen zur Normalisierung der Scheidenflora.

VAIN: Abk. für vaginale intraepitheliale Neoplasie; Fachbez. für Gewebeveränderungen (Neoplasie) des Scheidenepithels. Vgl. CIN, VIN.

Vakzination: s. Impfung.

Vakzine: Impfstoffe; auch Kurzbez. für HIV-Vakzine.

Valaciclovir: antiviral wirksames Arzneimittel, das zur Behandlung von Herpesvirus-Infektionen verwendet wird. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen.

Valganciclovir: antiviral wirksames Arzneimittel (Nukleosidanalogon, sog. Prodrug von Ganciclovir), das bei Zytomegalie verwendet wird. UAW: u.a. Störungen der Blutbildung, gastrointestinale Störungen, Bauchschmerzen, Fieber, Verwirrtheit.

Vancomycin: Antibiotikum, das z.B. bei (schweren) Staphylokokken-Infektionen verwendet wird. UAW: u.a. Nieren- und Ohrenschädigungen.

Vardenafil: Arzneimittel, das zur Behandlung von Erektionsstörungen verwendet wird (Phosphodiesterasehemmer). UAW: u.a. Arzneimittelwechselwirkungen (z.B. mit Proteaseinhibitoren), Blutdruckabfall, Kopfschmerz, Herz-Kreislauf-Störungen, Leberwerterhöhungen.

Varicella-Zoster-Immunglobulin: Hyperimmunserum mit Antikörpern (Immunglobulinen) gegen Varicella-Zoster-Virus, das zur Postexpositionsprophylaxe bei möglicher Infektion v.a. bei Schwangeren und Personen mit Immunschwäche verwendet wird.

Varicella-Zoster-Virus: humanes Herpesvirus Typ 3 (HHV-3); Erreger von Windpocken (Varizellen) und Gürtelrose (Zoster).

Varizellen: Infektion mit humanem Herpesvirus Typ 3 (HHV-3, Varicella-zoster-Virus), die durch Tröpfchen- und Schmierinfektion übertragen wird; nach etwa 2 Wochen kommt es zum Auftreten von Windpocken mit stark juckenden Ausschlägen an Haut und Schleimhäuten, Bläschen- und Krustenbildung; als Komplikationen können Mittelohrentzündungen und die Beteiligung von inneren Organen (Nieren- und Lungenentzündungen) und Zentralnervensystem (Meningoenzephalitis, Myelitis) auftreten; bei Immunschwäche sind schwere, generalisierte Verläufe häufiger. Therapie des Juckreizes mit Zinkschüttelmixtur, ferner evtl. Virostatika, z.B. Famciclovir, Aciclovir. Prophylaxe durch Schutzimpfung; bei Schwangeren und Menschen mit Immunschwäche Gabe von Varicella-Zoster-Immunglobulin als Postexpositionsprophylaxe. Nach Abheilung kommt es zu einer Latenzphase; nach Jahren kann (bei älteren und immungeschwächten Menschen häufiger) ein Zoster (Gürtelrose) als Sekundärkrankheit auftreten.

Vaskulitis: Fachbez. für entzündliche Gefäßerkrankungen; Vorkommen bei HIV-Infektion als sog. nekrotisierende Vaskulitis kleiner und mittelgroßer Gefäße, die zu Infarkten (Absterben) von Geweben führen können; ursächlich sind möglicherweise Autoimmunreaktionen oder Ablagerungen von Immunkomplexen.

VCV: Abk. für Vicriviroc.

Vektor: Fachbez. für 1. Überträger von Krankheitserregern; 2. gentechnologische Bez. für Transportsysteme von Genen in der Gentherapie oder Impfstoffentwicklung; verwendet werden u.a. (apathogene) Bakterien oder Viren als sog. Lebendvektoren, die nach gentechnischer Modifikation immunogen wirksame Bestandteile von Impfstoffen kodieren. Vektor-basierte Vakzine werden u.a. in der Entwicklung von HIV-Vakzinen untersucht.

venerische Krankheiten: veraltete Fachbez. für Geschlechtskrankheiten, s. sexuell übertragbare Infektionen.

Verhältnisprävention: Bez. für eine Strategie zur Vermeidung von Krankheiten, die auf die Schaffung eines präventionsfreundlichen Klimas mit flächendeckendem, niedrigschwelligem Zugang zu Informations- und Präventionsangeboten zielt, um so die Nutzung individueller Schutz- und Präventionsmaßnahmen zu erleichtern.

Verhaltensprävention: Bez. für präventive Strategien mit dem Ziel, individuelles Risikoverhalten durch Veränderungen bestimmter Verhaltensweisen zu reduzieren.

vertikale Übertragung: Übertragung einer Infektion von einer Generation auf die nachfolgende; vgl. Mutter-Kind-Übertragung.

Verum: wörtlich (lat.) das Wahre; in klinischen Studien zur Unterscheidung gegenüber Placebos verwendete Bez. für wirkstoffhaltige Arzneimittel.

Vicriviroc: auch SCH-D, Abk. VCV; experimentelles antiretrovirales Medikament (CCR5-Blocker), das in klinischen Studien zur Kombinationstherapie der HIV-Infektion untersucht wird. UAW: u.a. Erhöhung der Körpertemperatur.

Vidarabin: antiviral wirksames Arzneimittel (Nukleosidanalogon), das lokal bei Herpesvirus-Infektionen angewendet wird. UAW: u.a. Überempfindlichkeitsreaktionen.

Videx: Handelsname für Didanosin.

vif: viraler Infektionsfaktor; Regulatorgen von Retroviren, das bei HIV für die Virusvermehrung erforderlich ist; vgl. Replikationszyklus von HIV.

VIN: Abk. für vulväre intraepitheliale Neoplasie; Gewebeveränderungen (Neoplasie) im Plattenepithel der Vulva. Ursache: Papillomavirus-Infektionen (v.a. HPV 16, 18) mit wesentlich häufigerem Vorkommen bei HIV-Infektion. Einteilung: nach Schweregrad (VIN I-III); Vorstadien maligner Tumoren (Carcinoma in situ) und besondere Verlaufsformen sind möglich. Therapie: abhängig vom Stadium chirurgische Exzision bzw. Strahlentherapie.

Vinblastin: Arzneimittel (Zytostatikum), das u.a. zur Behandlung von Hodgkin-Lymphom und Kaposi-Sarkom verwendet wird. UAW: u.a. Neurotoxizität, Leukozytopenie.

Vincristin: Arzneimittel (Zytostatikum), das u.a. zur Behandlung von Kaposi-Sarkom und Lymphomen verwendet wird. UAW: u.a. Neurotoxizität, Polyneuropathie.

Viracept: Handelsname für Nelfinavir.

Virämie: Vorkommen von Viren im Blut, evtl. begleitet von Fieber oder Allgemeinreaktionen, häufig aber ohne klinische Symptome; vgl. Viruslast.

viral load: (engl.) Virusbeladung, Viruslast.

Viramidin: auch Taribavirin; ein Prodrug von Ribavirin; experimentelles antivirales Medikament (Nukleosidanalogon), das in klinischen Studien zur Kombinationstherapie der Hepatitis C untersucht wird.

Viramune: Handelsname für Nevirapin.

Viread: Handelsname für Tenofovir.

Viren: sehr kleine biologische Partikel, die als genetisches Material entweder DNA oder RNA enthalten (sog. DNA-Viren oder RNA-Viren) und keinen eigenen Stoffwechsel haben; sie können sich nur in Zellen eines Wirtsorganismus vermehren. Fast alle Arten können (wirtsspezifische) Erkrankungen verursachen; medizinisch sind Viren bedeutsam, da sie beim Menschen zahlreiche Infektionskrankheiten verursachen. Vgl. Retroviren.

Virion: extrazelluläre, infektiöse Viruspartikel, die sich in der Ruhephase befinden.

virostatisch: bezeichnet die Eigenschaften von Substanzen oder Arzneimittel, die Vermehrung von Viren zu hemmen.

Virulenz: Infektionskraft eines Krankheitserregers, die charakterisiert ist durch seine Fähigkeit, in den Körper, Organe oder Gewebestrukturen einzudringen, sich dort zu vermehren und Schädigungen herbeizuführen.

Virus: s. Viren.

Virushepatitis: durch Viren verursachte, übertragbare entzündliche Lebererkrankungen; s. Hepatitis.

Viruslast: auch (engl.) viral load; Virusmenge im Blut, angegeben als natürliche oder logarithmische Zahl der Viruskopien/ml (sog. Genomäquivalente); Veränderungen um eine oder mehrere Zehnerpotenzen werden in log-Stufen beschrieben. Bei einer akuten HIV-Infektion kommt es anfänglich zu einer sehr hohen Viruslast, die sich im Verlauf zurückbildet, aber bei zunehmender Immunschwäche und stärkerer Virusvermehrung wieder ansteigt; individuelle Schwankungen und vorübergehende Anstiege (z.B. bei Infekten, nach Schutzimpfungen) sind möglich; bei hoher Viruslast ist das Risiko einer Krankheitsprogression erhöht. Klinisch werden Bestimmungen der HIV-Viruslast (meist durch Polymerasekettenreaktion mit einer Nachweisgrenze von 50 Kopien/ml, bDNA oder seltener NASBA) als Surrogatmarker zur Beurteilung des Infektionsverlaufs und Entscheidung über einen Therapiebeginn sowie zum Monitoring einer antiretroviralen Therapie genutzt.

Virusreservoir: Bez. für Zellen, Gewebe oder Körperstrukturen, in denen latente Viren nachweisbar sind; vgl. Kompartiment.

viruzid: bezeichnet die Eigenschaft von Substanzen oder Arzneimitteln, Viren zu zerstören oder dauerhaft zu inaktivieren.

viszeral: die Eingeweide betreffend.

Vitamine: lebenswichtige (essentielle) Nährstoffe, die vom menschlichen Körper nicht selbst gebildet werden können; Vorkommen in pflanzlichen bzw. tierischen Nahrungsmitteln. Biochemisch wichtig v.a. bei der Regulierung bei Stoffwechselvorgängen, der Infektionsabwehr und Immunregulation; durch einen Mangel bestimmter Vitamine (A, beta-Karotin, C, E, B, Folsäure) werden immunologische Funktionen beeinträchtigt.

Vitritis: Entzündung des Augenglaskörpers.

VLDL: Abk. für (engl.) very low density lipoproteins, Lipoproteine sehr geringer Dichte.

V3-Loop: (engl.) V3-Schleife; ein Abschnitt des Oberflächenproteins gp120 von HIV mit starken antigenen Eigenschaften; seine Konformation ist mitentscheidend dafür, ob HIV an CCR5 bzw. CXCR4-Korezeptoren von Wirtszellen bindet; vgl. Tropismus.

VLP: Abk. für (engl.) virus-like particle, virusähnliche Partikel; Pseudovirion.

Vollbild: kaum mehr verwendete, umschreibende Bez. für AIDS.

vorbehandelt: auch therapieerfahren; bezeichnet HIV-infizierte Menschen, die bereits mit antiretroviralen Arzneimitteln behandelt wurden.

Voriconazol: Arzneimittel, das bei verschiedenen Pilzerkrankungen verwendet wird (Antimykotikum), z.B. bei Candida-Mykosen, Aspergillose, Kryptokokkose und Histoplasmose. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, Leberwerterhöhungen, Hautreaktionen, vorübergehende Sehstörungen.

vpr: regulatorisches Protein von HIV, das u.a. den Transport viraler Komponent zum Zellkern fördert.

vpu: regulatorisches Protein von HIV, das u.a. am Abbau von gp160-Komplexen beteiligt ist.

vulväre intraepitheliale Neoplasie: s. VIN.

Vulvovaginitis: akute oder chronische Entzündung von äußeren weiblichen Genitalorganen (Vulva) und Scheide (Vagina); Vorkommen z.B. als Vulvovaginitis herpetica bei Infektion durch Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV-2), s. Herpes genitalis; oder Vulvovaginitis gonorrhoica bei Infektionen mit Neisseria gonorrhoeae, s. Gonorrhoe.

VZV: Abk. für Varicella-Zoster-Virus, das humane Herpesvirus Typ 3 (HHV-3); Erreger von Windpocken (Varizellen) und Gürtelrose (Zoster).


© Stephan Dressler, Berlin. Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Kein Teil des Werks darf ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Autors in irgendeiner Weise verwendet werden. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und Mikroverfilmungen sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie Angebote auf Internetseiten oder Onlinediensten. Zuletzt aktualisiert am: 17.03.2008