2 HIV/AIDS Taschenlexikon
| A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z |
O
Oberflächenantigene: oberflächlich gelegene Antigene, die von Antikörpern erkannt werden können.
Observed-data-Analyse: auch On-treatment-Analyse; statistisches Verfahren der Studienauswertung, bei dem nur die Daten der Studienteilnehmer berücksichtigt werden, die zum Auswertungszeitpunkt tatsächlich vorliegen; Zweck ist die Beurteilung der Wirksamkeit einer Intervention im Vergleich zu bisherigen Behandlungsverfahren.
Octreotid: Arzneimittel, das zur symptomatischen Behandlung von schweren Durchfällen verwendet wird (Somatostatin-Analogon). UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, Krämpfe.
Ödem: umschriebene oder diffuse Ansammlung und Einlagerung von Wasser in Zellen, Körpergewebe oder Organe.
Ösophagitis: Fachbez. für Entzündungen der Speiseröhrenschleimhaut.
Östrogene: Sammelbezeichnung für Sexualhormone mit feminisierender (verweiblichender) Wirkung; die wichtigsten natürlichen Östrogene sind Östradiol, Östron und Östriol; Bildung bei Frauen v.a. in den Eierstöcken und während der Schwangerschaft in der Plazenta, in geringer Menge (auch bei Männern) in der Nebennierenrinde, bei Männern ferner im Hoden; physiologische Wirkungen u.a. auf Ovulation und Zyklusverlauf, bei Männern Förderung des Prostatawachstums; bei HIV-Infektion wird ein Östrogenmangel beobachtet, der bei Frauen in Zusammenhang mit Menstruationsstörungen und sexuellen Funktionsstörungen steht; eine eventuelle Korrelation von Östrogenkonzentrationen und erhöhtem HIV-Infektionsrisiko (stärkere Anfälligkeit der Scheidenschleimhaut) wird diskutiert.
offene Studie: s. Open-Label-Studie.
Off-Label-Use: Anwendung eines zugelassenen Arzneimittels für eine Indikation, in der keine Zulassung vorliegt (sog. zulassungsüberschreitende Anwendung).
Ofloxacin: Antibiotikum (Chinolon), das z.B. bei schweren bakteriellen Infektionen und Tuberkulose verwendet wird. UAW: u.a. neurologische Störungen.
OHL: Abk. für orale Haarleukoplakie.
OI: Abk. für opportunistische Infektionen.
Oligomenorrhoe: Menstruation, die in verlängertem Abstand auftritt, s. Menstruationsstörungen.
Ondansetron: Arzneimittel, das als Begleitmedikation gegen Brechreiz und Übelkeit bei einer zytostatischen Chemotherapie oder Strahlentherapie verwendet wird (Antiemetikum). UAW: u.a. Kopfschmerz, Verstopfung.
onkogen: bezeichnet die Eigenschaft von Substanzen oder Erregern, maligne Gewebsveränderungen auszulösen.
Onkogen: Gensequenzen mit krebserzeugenden (karzinogenen) Aktivitäten; Vorkommen z.B. in bestimmten Viren (sog. Tumor- oder Onkoviren).
Onkoviren: auch Oncovirinae, onkogene Viren oder Tumorviren; DNA- oder RNA-Viren, die an der Entstehung maligner Tumoren beteiligt sind; als gesichert gilt dies u.a. für HTLV I und II (bestimmte Formen von Leukämien), als sehr wahrscheinlich u.a. für das Epstein-Barr-Virus (Burkitt-Lymphom, Tumoren des Nasen-Rachen-Raums), humane Papillomaviren (Analkarzinom, Zervixkarzinom) und Hepatitisviren (Leberzellkarzinom).
Onychodystrophie: krankhafte Veränderungen von Finger- oder Fußnägeln; ursächlich können genetische Faktoren, Traumen, Infektionen oder andere Grunderkrankungen sein; bei HIV-Infektion häufiger Vorkommen in Form von Nagelfalzentzündungen (Paronychie) oder als sog. Unguis incarnatus (eingewachsener Nagel).
Onychomykose: Pilzerkrankung von Finger- oder Fußnägeln, s. Dermatomykosen.
OPC-67683: experimentelles Medikament, das gegen Mycobacterium tuberculosis wirksam ist (sog. Mycolsäurehemmer) und in Studien untersucht wird.
Open-Label-Studie: sog. offene Studie; Form der klinischen Studie, bei der Ärzten und Studienteilnehmern bekannt ist, welches Behandlungsverfahren angewendet wird.
Ophthalmoskopie: auch Fundoskopie, Spiegelung des Augenhintergrunds.
Opioide: auch Opiate; Sammelbezeichnung für natürliche, halbsynthetische oder synthetische Substanzen und Arzneimittel, die an spezielle Rezeptoren (Opioidrezeptoren) binden und morphinartige Wirkungen aufweisen (schmerzlindernde, beruhigende sowie teils euphorisierende Eigenschaften); Verwendung z.T. in der Substitutionstherapie (z.B. Buprenorphin, Methadon), v.a. aber in der Schmerztherapie, wobei schwache Opioide wie z.B. Codein oder Tramadol und starke Opioide wie z.B. Buprenorphin, Fentanyl oder Morphin unterschieden werden; vgl. Analgetika.
Opium: getrockneter Milchsaft aus Schlafmohn mit den Inhaltsstoffen Codein, Morphin und Thebain; therapeutische Verwendung u.a. zur Behandlung von chronischem Durchfall.
opportunistische Infektionen: Abk. OI; auf der Basis einer Immunschwäche mit gestörter Immunantwort auftretende Infektionen mit Erregern, die bei Immunkompetenz nicht zu Erkrankungen führen; i.w.S. auch Bez. für die Reaktivierung früherer Infektionen im Rahmen einer Immunschwäche. Erreger sind v.a. Pilze (u.a. Pneumocystis-Pneumonie, Aspergillose, Kryptokokkose), Protozoen (u.a. Toxoplasmose) und Viren (u.a. Herpesvirus-Infektionen), aber auch Bakterien (u.a. atypische Mykobakteriosen, bazilläre Angiomatose). Seit der Einführung der antiretroviralen Kombinationstherapie sind die opportunistischen Infektionen zurückgegangen; bei Personen, die keine Kenntnis von ihrer HIV-Infektion haben, sind sie aber nach wie vor die häufigsten AIDS-definierenden Erkrankungen. Die Therapie ist oft schwierig und langwierig; wichtig ist neben der Behandlung einer opportunistischen Infektion eine wirksame antiretrovirale Therapie der HIV-Infektion, die durch Verbesserung des Immunstatus in vielen Fällen deutlich zur Abheilung beiträgt. Die medikamentöse Primärprophylaxe einiger opportunistischer Infektionen ist möglich und wird beim Unterschreiten bestimmter Helferzellzahlen empfohlen, z.B. bei weniger als 200 CD4-Zellen/µl gegen Pneumocystis-Pneumonie; eine Sekundärprophylaxe ist nach abgeheilter Infektion und bei fortbestehender Immunschwäche bei einigen Erkrankungen ebenfalls möglich; kommt es unter einer antiretroviralen Therapie zur Immunrekonstitution mit einer anhaltenden Erholung von CD4-Zellzahlen über mehr als drei Monate bei gleichzeitiger Absenkung der HIV-Viruslast unter 50 Kopien/ml, kann die Beendigung einer prophylaktischen Behandlung in Erwägung gezogen werden.
Optikusatrophie: sog. Sehnervenschwund mit Rückbildung (Atrophie) des Sehnervs (Nervus opticus); Vorkommen z.B. bei Infektionen, Tumorerkrankungen oder Augenerkrankungen; Symptome sind ein Sehverlust (bis zur Erblindung) und bei der Augenspiegelung feststellbare Abblassungen des Nervs.
oral: zu Mund oder Mundhöhle gehörend, durch den Mund.
orale Haarleukoplakie: Abk. OHL, auch orale haarförmige Leukoplakie; Mundschleimhautveränderung mit nicht abstreifbaren weißlichen Belägen v.a. an Zungenrand und Wangenschleimhaut; in verändertem Gewebe ist vermehrt humanes Herpesvirus 4 (HHV-4, Epstein-Barr-Virus) nachweisbar. Therapie evtl. mit Aciclovir, Valaciclovir.
Organtransplantation: s. Transplantation.
Orgasmusstörungen: s. sexuelle Funktionsstörungen.
Originalstoffabgabe: Kurzbez. für kontrollierte Vergabe von Heroin mit dem Ziel einer gesundheitlichen und sozialen Stabilisierung von Heroingebrauchern.
orphan drug: (engl.) auch orphan medicinal product, Orphan-Arzneimittel; Arzneimittel zur Behandlung seltener Krankheiten; der Orphan-Drug-Status wird von den Zulassungsbehörden (in Europa der EMEA) erteilt und bedeutet u.a. eine Ausweitung von Vertriebsrechten.
Osteomalazie: Verringerung der Knochendichte mit ungenügender Knochenmineralisierung als Form der Osteopenie.
Osteomyelitis: Entzündungen von Knochen und Knochenmark, meist durch Infektionen mit Bakterien (auch Mykobakterien) oder Pilzen nach einem offenen Knochenbruch; ein Auftreten ohne äußere Verletzungen ist möglich und wird häufiger bei injizierenden Drogengebrauchern und bei Immunschwäche beobachtet. Häufigste Lokalisation einer Osteomyelitis bei Erwachsenen sind die Wirbelkörper, als Symptome treten ein umschriebener Knochen- und Druckschmerz, Gewichtsverlust und Fieber auf; bei chronischem Verlauf können Allgemeinsymptome fehlen. Therapie zunächst medikamentös (z.B. mit Antibiotika), ggf. wird eine chirurgische Entfernung der Entzündungsherde erforderlich.
Osteonekrose: sog. Knochennekrose mit Absterben von Knochengewebe; Vorkommen u.a. bei Knochenentzündungen (Osteomyelitis), Stoffwechselstörungen oder ohne erkennbare Ursache (sog. idiopathische Form); bei HIV-Infektion deutlich häufigeres Vorkommen, wobei Alkoholkonsum und Einnahme von Steroiden als mögliche Risikofaktoren betrachtet werden; eine Assoziation mit antiretroviralen Arzneimitteln läßt sich bislang nicht bestätigen. Häufigste Lokalisation ist der Oberschenkelkopf (Femurkopfnekrose), ein Auftreten am Oberarmkopf (Humeruskopfnekrose) ist möglich; Symptome sind belastungsabhängige, zunehmende Schmerzen und eine eingeschränkte Beweglichkeit; Behandlung je nach Lokalisation und Ausprägung durch Entlastung (z.B. Gehstützen), ggf. orthopädisch-chirurgische Dekompression.
Osteopenie: Abnahme der Knochenmasse mit Verringerung der Knochendichte; unterschieden werden zwei Formen: Osteoporose mit einer Abnahme von Knochenmasse und Verminderung der Knochenstruktur; Vorkommen u.a. im Rahmen physiologischer Alterungsprozesse, bei hormonellen Störungen oder als unerwünschte Arzneimittelwirkungen; Symptome sind v.a. Knochenbrüche (Frakturen); Osteomalazie mit ungenügender Knochenmineralisierung bei normal gebildeter Knochenmatrix; Vorkommen v.a. infolge von Vitamin-D-Mangel oder -Verwertungsstörungen; Symptome sind Verbiegungstendenzen der Knochen infolge einer zu großer Weichheit. Diagnostisch ist eine Knochendichtebestimmung mittels DEXA oder Ultraschalluntersuchung möglich; Therapie mit Vitamin D, kalziumreiche Ernährung bzw. Kalziumzufuhr sowie bei Osteoporose physikalische Therapie, ggf. Arzneimittel (z.B. Biphosphonate) zur Hemmung des Knochenabbaus, evtl. Schmerztherapie.
Osteoporose: Verminderung der Knochensubstanz als Form der Osteopenie.
Otitis media: akute oder chronische Mittelohrentzündung; bei HIV-Infektion vermehrtes Vorkommen v.a. bei Kindern (mit häufigen Rezidiven). Ursache sind v.a. Streptokokken- oder Staphylokokken-Infektionen, aber auch opportunistische Infektionen (Pilze, Bakterien); Symptome umfassen Ohrenschmerzen, Fieber, evtl. Hörstörungen (Ohrgeräusche, Schwerhörigkeit); bei Säuglingen und Kleinkindern Erbrechen und Gedeihstörungen. Therapie mit abschwellend wirkenden Nasentropfen, evtl. Antibiotika; bei starker Trommelfellvorwölbung ggf. chirurgische Spaltung des Trommelfells (Parazentese).
oxidativer Streß: Bez. für Stoffwechselvorgänge, bei denen auf molekularer Ebene durch Abgabe von Elektronen (Oxidation) ungebundene, sog. freie Radikale gebildet werden, die erneute Reaktionen verursachen und u.a. zu Schädigungen von Mitochondrien und DNA führen können. Zu einer vermehrten Bildung freier Radikale kommt es u.a. bei Infektionskrankheiten, Alkohol- und Tabakkonsum, physikalischen oder chemischen Schädigungen; zur Vermeidung von Folgeschäden werden evtl. Antioxidativa eingesetzt.