2 HIV/AIDS Taschenlexikon

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M

MAC: Abk. für Mycobacterium-avium-Complex, s. atypische Mykobakteriosen.

MAI: Abk. für Mycobacterium avium/intracellulare, s. atypische Mykobakteriosen.

Major Histocompatibility Complex: (engl.) Haupthistokompatibilitätskomplex, s. MHC.

MAK: Abk. für Mycobacterium-avium-Komplex, s. atypische Mykobakteriosen.

Makrolid-Antibiotika: durch eine Laktonringstruktur charakterisierte Antibiotika mit relativ breitem Wirkspektrum; Verwendung bei bakteriellen und parasitären Erkrankungen z.B. von Azithromycin, Clindamycin, Erythromycin, Spiramycin.

Makrophagen: Zellen des Immunsystems, die zur Phagozytose und Antigenpräsentation im Rahmen einer Immunantwort fähig sind.

Malabsorptionssyndrom: Fachbez. für eine komplexe Störung der Aufnahme von Kohlenhydraten, Fetten und fettlöslichen Vitaminen aus dem Darm; Vorkommen z.B. bei entzündlichen Veränderungen der Darmschleimhaut (Enteritis, Enterokolitis), Parasitenbefall oder Pilzinfektionen, Autoimmunerkrankungen und HIV-assoziierter Enteropathie.

Malaria: Infektion mit Protozoen der Gattung Plasmodium; weltweit sind 300-500 Millionen Menschen infiziert. Vorkommen v.a. in wärmeren Gegenden mit endemischem Auftreten in bestimmten Regionen; regionale Häufung (wie auch von HIV-Infektionen) u.a. mit schwerwiegenden sozioökonomischen Folgen in der afrikanischen Subsahara-Region; bei Malaria/HIV-Koinfektionen ist eine wechselseitige Verstärkung mit schwererem Verlauf der Malaria und rascherer Progredienz einer HIV-Infektion möglich. Als Symptome können (evtl. periodisches) Fieber, Schüttelfrost, Milzvergrößerung (Splenomegalie) und hämolytische Anämie auftreten; die Therapie erfolgt unter Berücksichtigung der zu erwartenden Resistenzlage.

Malassezia furfur: Erreger der Hautpilzerkrankung Pityriasis.

maligne: bösartig.

malignes Lymphom: vom lymphatischen Gewebe von Lymphknoten, Rachenmandeln, Milz oder anderen Organen ausgehende Neubildungen (Neoplasma) mit Vermehrung von B- oder T-Lymphozyten; Vorkommen bei HIV-Infektion praktisch ausschließlich von B-Zell-Lymphomen als Hodgkin-Lymphom und Non-Hodgkin-Lymphome.

Malignom: Fachbez. für bösartige Tumoren.

Malnutrition: Mangelernährung; Fehlernährung, bei der vom Körper mehr Energie verbraucht als aufgenommen wird (negative Energiebilanz). Vorkommen u.a. bei Hungerzuständen, Verdauungs- oder Verwertungsstörungen (z.B. Darmerkrankungen, chronischer Durchfall, Stoffwechselstörungen); in der Folge können sog. Mangelkrankheiten (Vitamindefizite, Anämie, Dystrophie-Syndrome) auftreten.

Maraviroc: Abk. MVC, Handelsname Celsentri; antiretroviral wirksames Arzneimittel (CCR5-Blocker) zur Kombinationstherapie einer HIV-Infektion mit R5-Viren. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, Leberwerterhöhungen, Kopfschmerz.

Maribavir: experimentelles antivirales Medikament, das in klinischen Studien zur Therapie der Zytomegalie untersucht wird.

Marihuana: indischer Hanf mit sog. Tetrahydrocannabinol als halluzinogenem, appetitanregendem und antiemetischem Wirkstoff; vgl. Cannabis, Dronabinol.

Marker: biologische Substanzen, deren Vorkommen in Blut oder Geweben Hinweise auf eine Erkrankung geben; vgl. Surrogatmarker.

maternofetale Transmission: Übertragung während der Schwangerschaft von der Mutter auf das ungeborene Kind (Fetus); vgl. Mutter-Kind-Übertragung.

Maturationsinhibitoren: Substanzen oder Arzneimittel, die die Ausreifung (Maturation) im Replikationszyklus von HIV hemmen und die Freisetzung neuer, infektiöser Viruspartikel verhindern; in Studien werden u.a. Bevirimat und UK-201844 untersucht.

MDR-TB: Abk. für (engl.) multidrug-resistant tubcerculosis; Tuberkulose durch Mykobakterien, die gegen Isoniazid und Rifampicin und evtl. weitere Tuberkulostatika der 1. Wahl resistent sind; ursächlich ist häufig eine vorangegangene inadäquate Behandlung mit zu kurzer Therapiedauer, zu niedriger Dosierung oder Verwendung von (bei vorbestehenden Resistenzen) unwirksamen Tuberkulostatika; eine Übertragung multiresistenter Mykobakterien ist möglich. Die Zahl der MDR-TB-Fälle weltweit wird auf etwa eine halbe Million bei Vorkommen in einigen Regionen in bis zu 20% aller Tbc-Fälle geschätzt; vgl. XDR-TB.

Mediatoren: Fachbez. für körpereigene Substanzen oder Zellen, die Informationen zwischen Zellen vermitteln, z.B. Zytokine oder Lymphozyten bei der Immunantwort.

medizinische Kohle: auch (lat.) Carbo medicinalis; aus pflanzlichen Materialien gewonnene Substanz, die die Aufnahme bestimmter Substanzen im Darm hemmt (sog. Aktivkohle). Verwendung als Arzneimittel u.a. bei Durchfällen.

Megestrolacetat: synthetisch hergestelltes Hormon, das als Arzneimittel zur Behandlung von Brustkrebserkrankungen und aufgrund seiner appetitsteigernden Wirkung auch bei ausgeprägter Appetitlosigkeit verwendet wird.

Meldepflicht: in Deutschland im Infektionsschutzgesetz geregelte Verpflichtung zur Meldung bestimmter übertragbarer Erkrankungen mit dem Ziel, Krankheitsausbrüche zu erkennen und ggf. Infektionsschutzmaßnahmen einleiten zu können. Meldungen erfolgen i.d.R. durch den behandelnden Arzt oder das diagnostizierende Labor an das zuständige Gesundheitsamt; für (durch Bestätigungstests gesicherte) HIV-Infektionen besteht eine nichtnamentliche Meldepflicht an das Robert Koch-Institut; eine freiwillige, nichtnamentliche Meldung von AIDS-Fällen durch behandelnde Ärzte erfolgt an das AIDS-Fallregister.

Memory-Zellen: s. Gedächtniszellen.

Mendel-Mantoux-Test: s. Tuberkulin-Hauttest.

Meningitis: Fachbez. für Hirnhautentzündung, häufig als sog. Meningoenzephalitis mit gleichzeitiger Entzündung des Gehirns (Enzephalitis).

Menorrhagie: verlängerte und verstärkte Menstruation, s. Menstruationsstörungen.

Menstruationsstörungen: Störungen bzw. Unregelmäßigkeiten der Monatsblutung (Periode); unterschieden werden: 1. ein Ausbleiben der Blutung (Amenorrhoe); 2. Anomalien mit verkürztem oder verlängertem Abstand (Poly- bzw. Oligomenorrhoe), verlängerte und verstärkte Blutung (Menorrhagie) sowie schmerzhafte Blutungen (Dysmenorrhoe); ursächlich können chronische Erkrankungen, hormonelle Störungen oder psychische Faktoren (z.B. Streß) sein; bei HIV-Infektion werden vermehrt Menstruationsstörungen und verstärkte prämenstruelle Beschwerden beobachtet, die häufig mit dem Beginn einer antiretroviralen Kombinationstherapie assoziiert sind.

metabolisch: stoffwechselbedingt, den Stoffwechsel betreffend.

Metformin: Arzneimittel, das in der Kombinationstherapie des Diabetes mellitus verwendet wird (Insulinsensitizer). UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, Geschmacksirritationen, Leberwerterhöhungen.

Methadon: morphinartiges synthetisches Schmerz- und Betäubungsmittel (Opioid), das aus den beiden spiegelbildlichen Molekülen Dextromethadon und dem analgetisch wirksamen Levomethadon besteht; Verwendung von Levomethadon als Arzneimittel in der Schmerztherapie und der Behandlung von Opiatabhängigkeit, vgl. Substitutionstherapie.

Methämoglobinämie: Vorkommen von Methämoglobin im Blut, das z.B. nach Einwirkung von giftigen Substanzen oder (selten) Arzneimitteln aus Hämoglobin entsteht und nicht zum Sauerstofftransport geeignet ist; es entsteht ein Sauerstoffmangel. Als Symptome können u.a. Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und Atemnot auftreten.

Methotrexat: auch Amethopterin; Arzneimittel (Zytostatikum), das z.B. zur Behandlung von Leukämien, Hirntumoren und Non-Hodgkin-Lymphomen verwendet wird. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, Hepatotoxizität.

Metronidazol: Arzneimittel, das bei Protozoenerkrankungen verwendet wird. UAW: u.a. neurologische und gastrointestinale Störungen.

MHC: Abk. für (engl.) major histocompatibility complex, Haupthistokompatibilitätskomplex; Gruppe von Genen, die sog. Histokompatibilitätsantigene kodieren, Proteine für die Gewebeverträglichkeit bei Transplantationen (Histokompatibilität) und Erkennung körperfremder Substanzen; beim Menschen das HLA-System, s. HLA.

MHK: Abk. für minimale Hemmkonzentration.

Micafungin: Arzneimittel aus der Gruppe der Echinocandine, das zur systemischen Therapie von Candida-Mykosen verwendet wird (Antimykotikum). UAW: Hautreaktionen, entzündliche Reaktionen am Infusionsort, allergische Reaktionen, Kopfschmerz.

Michael-Stich-Stiftung: 1994 gegründete Stiftung mit Sitz in Hamburg; Zweck ist u.a. die Unterstützung HIV-infizierter Kinder und betroffener Familien in materiellen Notlagen (http://www.michael-stich-stiftung.de).

Mikroangiopathie: Verengung oder Verlegung kleiner und kleinster Arterien; Vorkommen bei HIV-Infektion wahrscheinlich im Rahmen von Autoimmunreaktionen.

Mikrobizide: Fachbez. für Substanzen zur topischen (lokalen) Anwendung, die Mikroorganismen und Krankheitserreger abtöten; i.e.S. werden darunter Substanzen verstanden, die bei lokaler vaginaler Anwendung (z.B. als Scheidenzäpfchen oder -ring, Kapsel oder Filmtablette) die Infektion mit Erregern sexuell übertragbarer Infektionen verhindern. In Studien befinden sich zahlreiche Substanzen mit einer Wirksamkeit gegen HIV, HPV, Herpesvirus-Infektionen oder andere (z.B. bakterielle) Erreger; als Anti-HIV-Mikrobizide werden z.B. saure (azide) Puffergele, CCR5-Blocker (u.a. M 167, M 872, SCH 351867), NNRTIs (u.a. Dapivirin), CD4-Bindungsinhibitoren und antiretroviral wirksame Substanzen (u.a. Tenofovir-Gel) untersucht; als problematisch erweisen sich dabei oft Applikationsformen, eine zu geringe Wirkungsdauer und unerwünschte Wirkungen wie Infektionen oder entzündliche Veränderungen des Genitaltrakts bei langfristiger Anwendung. In Anwendungsstudien (u.a. mit Cellulose-Sulfat, Carraguard) konnte bislang keine Verringerung von HIV-Neuinfektionen erwiesen werden.

Mikroläsion: kleinste, nur mikroskopisch erkennbare Verletzungen oder Schädigungen.

Mikronährstoffe: Sammelbezeichnung für Nährstoffe, die nur in geringen Konzentrationen benötigt werden, z.B. Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine; sie haben wichtige Funktionen im Aufbau von Körpergeweben und bei der Regulierung von Stoffwechselvorgängen.

Mikroorganismen: auch Mikroben; nur mikroskopisch sichtbare Kleinlebewesen.

Mikrosporidiose: Erkrankung durch Mikrosporidien wie z.B. Enterocytozoon bieneusi, Encephalitozoon intestinalis (Protozoen); v.a. bei ausgeprägter Immunschwäche kommt es zu chronischen Durchfällen, nach Ausbreitung über die Blutbahn auch zu Erkrankungen von inneren Organen (Niere, Gallenwege, Leber), Haut oder Augen. Therapie z.B. mit Albendazol.

Miliartuberkulose: Fachbez. für generalisierte (extrapulmonale) Tuberkulose.

Miltefosin: Arzneimittel, das zur Behandlung der Leishmaniose verwendet wird. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, Leberwerterhöhungen, Schwindel.

minimale Hemmkonzentration: Abk. MHK; Bez. für die mikrobiologisch-labormedizinisch (z.B. durch Anzüchtung) ermittelte niedrigste Konzentration einer Substanz oder eines Arzneimittels, die eine Vermehrung von Krankheitserregern noch verhindert. Vgl. Antibiogramm, Hemmkonzentration.

MIP: Abk. für (engl.) macrophage inflammatory protein; die Chemokine MIP-1 alpha (CCL3) und MIP1-beta (CCL4), die u.a. an Entzündungsreaktionen beteiligt sind, von Makrophagen produziert werden und an CCR5 binden.

mitochondriale Toxizität: Bez. für eine Schädigung von intrazellulären Organellen (Mitochondrien) mit Störung des Sauerstofftransports (Atmungskette), die als Folge einer Hemmung bestimmter Enzyme (mitochondrialer DNA-Polymerasen) auftreten kann. Bei antiretroviraler Therapie Vorkommen als unerwünschte, dosisabhängige Arzneimittelwirkung von Nukleosidanaloga, die nach mehreren Monaten (bis Jahren) auftreten und sich klinisch u.a. als Fettgewebeverlust (Fettatrophie), Muskelschädigung (Myopathie) oder Stoffwechselstörung manifestieren kann; vgl. Lipodystrophie-Syndrom. Ob eine Prophylaxe mit Uridin möglich ist, wird in Studien untersucht.

Mitochondrien: Funktionseinheiten (Organellen) von Zellen, die u.a. Enzyme für den Sauerstofftransport (Atmungskette) und den zellulären Stoffwechsel enthalten.

Mittelohrentzündung: s. Otitis media.

Molgramostim: rekombinanter humaner Granulozyten-Makrophagen-koloniestimulierender Faktor (GM-CSF), der zur Therapie von Neutropenien nach einer Chemotherapie verwendet wird. UAW: u.a. grippeähnliche Beschwerden, Knochen- und Muskelschmerzen.

Molluscum contagiosum: sog. Dellwarze; Infektion der Haut mit Molluscum contagiosum (einem Paravaccinia-Virus); häufiges Vorkommen bei HIV-Infektion mit Ansammlung runder, zentral eingedellter Knötchen von 1-5 mm Durchmesser v.a. in Gesicht, Hals- und Achselregion und Genitalbereich. Therapie durch Abtragung, evtl. medikamentöse Behandlung mit Retinoiden oder Imiquimod.

Moniliasis: frühere Bez. für Candida-Mykosen.

Monochemotherapie: Behandlung von Tumorerkrankungen mit einem Chemotherapeutikum.

monoklonal: aus einem Zellklon (Stamm).

Mononeuritis multiplex: gleichzeitig oder rasch hintereinander auftretende entzündliche Schädigungen einzelner Nerven. Vorkommen z.B. bei Zytomegalie oder Non-Hodgkin-Lymphom; vgl. Neuropathie.

Mononukleose: auch Pfeiffer-Drüsenfieber; Erkrankung durch humanes Herpesvirus 4 (HHV-4, Epstein-Barr-Virus) mit Symptomen, die denen einer akuten HIV-Infektion ähneln: Abgeschlagenheit, uncharakteristisches Fieber, Exanthem und generalisierte Lymphknotenschwellung, eine Leber- und Milzvergrößerung sind möglich; selten sind Komplikationen wie ausgeprägte Blutbildveränderungen, eine Milzruptur oder neurologische Beteiligung in Form einer Enzephalitis.

Monotherapie: Behandlung mit einem einzelnen Arzneimittel oder Verfahren; klinische Studien zur Monotherapie der HIV-Infektion zeigen uneinheitliche Ergebnisse; allgemein wird eine antiretrovirale Kombinationstherapie empfohlen.

Monozyten: im Blut zirkulierende Zellen des Immunsystems, die zur Phagozytose und Antigenpräsentation im Rahmen einer Immunantwort fähig sind.

Morbidität: epidemiologische Fachbez. für die Häufigkeit einer Erkrankung während eines bestimmten Zeitraums in der Gesamtbevölkerung oder einer bestimmten Gruppe (Erkrankungsrate).

Morbus: (lat.) Krankheit.

Morbus Castleman: s. Castleman-Syndrom.

Morbus Hodgkin: s. Hodgkin-Lymphom.

Morphin: auch Morphium; ein Alkaloid des Opiums (Opioid) mit stark schmerzlindernden, beruhigenden sowie teils euphorisierenden Eigenschaften; therapeutische Verwendung u.a. in der Behandlung starker Schmerzen. UAW: u.a. Verstopfung, Übelkeit, Verlangsamung der Atemfrequenz.

Morphium: s. Morphin.

Mortalität: epidemiologische Fachbez. für die Rate der Todesfälle in einem bestimmten Zeitraum, bezogen auf die Gesamtbevölkerung oder eine bestimmte Gruppe (Sterbeziffer).

Moxifloxacin: Antibiotikum (Chinolon), das zur Behandlung von Atemweginfektionen, Tuberkulose und atypischen Mykobakteriosen verwendet wird. UAW: u.a. neurologische Störungen.

MSD: Kurzbez. für Männer, die Sex mit Damen haben.

MSM: Kurzbez. für Männer, die Sex mit Männern haben.

mütterliche Antikörper: sog. Leihantikörper; während der Schwangerschaft oder mit der Muttermilch von der Mutter auf das Kind übergegangene mütterliche Antikörper; bei einer HIV-Infektion der Mutter gehen ihre Antikörper gegen HIV auf das Kind über und sind etwa bis zum 18. Lebensmonat nachweisbar; der Nachweis von HIV-Antikörpern bei Neugeborenen oder Säuglingen zeigt also die mütterliche HIV-Infektion an; ob bei neugeborenen Kindern HIV-infizierter Mütter eine HIV-Infektion vorliegt, muß im Rahmen der HIV-Diagnostik daher mit anderen Verfahren als einem HIV-Antikörpertest geklärt werden, z.B. durch direkten Virusnachweis.

Mukosa: Fachbez. für Schleimhaut.

multifokal: mit mehreren Herden.

multiresistente Tuberkulose: s. MDR-TB.

Multiresistenz: mehrfache Resistenz; verringerte oder gänzlich fehlende Empfindlichkeit von Krankheitserregern gegenüber mehreren verschiedenen Chemotherapeutika oder Arzneimitteln.

multizentrische Studie: Bez. für eine Studie, die unter Beteiligung mehrerer Studienzentren (Kliniken, Ambulanzen, niedergelassene Ärzte) durchgeführt wird.

Mundsoor: im Mundbereich auftretende Candida-Mykose.

Mundtrockenheit: s. Xerostomie.

Mundwinkelrhagade: sog. Angulus infectiosus mit kleinen, schmerzhaften Einrissen im Mundwinkel; Vorkommen z.B. bei Infektionen (u.a. Bakterien, Pilze, Herpesviren), Stoffwechselstörungen (u.a. Diabetes mellitus) oder Eisenmangel.

Mutation: plötzlich auftretende Veränderungen im Erbgut mit Änderung einer vorhandenen Nukleinsäuresequenz, die an Folgegenerationen weitergegeben wird; unterschieden werden spontane Mutationen ohne erkennbare Ursachen und induzierte Mutationen durch Einwirkung von sog. Mutagenen (z.B. natürliche oder chemische Substanzen, Arzneimittel, physikalische Einflüsse).

Mutter-Kind-Übertragung: die zu verschiedenen Zeitpunkten mögliche Übertragung einer Infektion von der Mutter auf das Kind; das Risiko der Mutter-Kind-Übertragung einer HIV-Infektion ist regional unterschiedlich und liegt ohne antiretrovirale Therapie in Europa bei etwa 15%, wobei in Deutschland die Mehrzahl der Infektionen (etwa 75%) unmittelbar vor oder während der Geburt erfolgt (sog. prä- oder perinatale Infektion, PPI), etwa 10% der Infektionen ereignen sich während der Schwangerschaft (maternofetale Transmission), durch Stillen etwa 10-15%. Eine Prävention ist durch antiretrovirale Kombinationstherapie während der Schwangerschaft möglich; Maßnahmen zur Verhinderung einer prä- oder perinatalen Infektionen umfassen eine antiretrovirale Therapie der Mutter, evtl. Schnittentbindung vor Einsetzen der Wehen (sog. primäre Sectio) und eine postexpositionsprophylaktische antiretrovirale Therapie des Neugeborenen; empfohlen wird ein Stillverzicht; insgesamt kann dadurch die Übertragungsrate auf weniger als 2% gesenkt werden.

Muttermilch: gelblich-weißes Sekret der weiblichen Brustdrüsen zur Ernährung des Säuglings während der Stillperiode; zunächst Sekretion von Kolostrum (sog. Vormilch, eiweißreich, v.a. durch Immunglobuline), bis etwa zum 15. Tag von Übergangsmilch, dann von reifer Muttermilch, die mehr Kohlenhydrate und weniger Eiweiß und Fett enthält als Kuhmilch; eine Übertragung von HIV mit der Muttermilch ist möglich; vgl. Mutter-Kind-Übertragung, Stillen.

MVA: Abk. für modifiziertes Vaccinia-Virus Ankara; Verwendung von attenuiertem MVA nach Integration spezifischer HIV-Gene als Vektor für experimentelle HIV-Vakzine.

MVC: Abk. für Maraviroc.

Myalgie: Fachbez. für umschriebene oder diffuse Muskelschmerzen; Vorkommen z.B. bei Überanstrengung, Verletzungen, Infektionen, Muskelerkrankungen (Myopathie), Autoimmunkrankheiten oder Stoffwechselstörungen.

Mycobacterium: Bakterium aus der Familie Mycobacteriaceae, s. Mykobakterien.

Mycobacterium avium/intracellulare: s. atypische Mykobakteriosen.

Mycophenolatmofetil: Arzneimittel, das in Kombinationstherapie zur Prophylaxe von Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantation verwendet wird (Immunmodulator); es stimuliert zugleich die Bildung neuer T-Lymphozyten und wird in klinischen Studien zur Immuntherapie der HIV-Infektion untersucht. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, Leukozytopenie, erhöhte Infektanfälligkeit.

Myelitis: Fachbez. für entzündliche Veränderungen des Rückenmarks.

Myelopathie: Fachbez. für 1. Erkrankungen des Rückenmarks, vgl. HIV-Myelopathie; 2. Erkrankungen bzw. Funktionsstörungen des Knochenmarks mit daraus resultierenden Störungen der Blutbildung.

Mykobakterien: Bakterien der Familie Mycobacteriaceae, die historisch zunächst den Pilzen zugeordnet wurden; sie sind stäbchenförmig, von einer Lipidschicht umgeben und in Untersuchungsmaterial nach entsprechender Färbung mikroskopisch als sog. säurefeste Stäbchen nachweisbar. Einteilung in typische Mykobakterien, die beim Menschen eine Tuberkulose verursachen können, z.B. Mycobacterium tuberculosis, Mycobacterium bovis; atypische Mykobakterien oder sog. nichttuberkulöse Mykobakterien, die bei Immunkompetenz i.d.R. keine Erkrankungen verursachen, bei Immunschwäche jedoch häufig zu atypischen Mykobakteriosen führen; Vorkommen zahlreicher, sehr unterschiedlicher Formen, am häufigsten Mycobacterium avium/intracellulare.

Mykoplasmen-Infektionen: sexuell übertragbare Infektionen durch Bakterien der Gattung Mycoplasma, z.B. Mycoplasma hominis als Erreger von Infektionen des kleinen Beckens.

Mykosen: Fachbez. für Pilzerkrankungen; Vorkommen als opportunistische Infektionen insbesondere bei ausgeprägter Immunschwäche oftmals lokal begrenzt (z.B. Mundsoor), nicht selten auch als sog. systemische Mykosen mit allgemeiner Ausbreitung im Körper.

Myokardinfarkt: Fachbez. für Herzinfarkt.

Myokarditis: akute oder chronische Entzündungen des Herzmuskels; Vorkommen bei HIV-Infektion v.a. als infektiöse Myokarditis mit chronischem Verlauf, verursacht durch Viren oder Bakterien, Protozoen und Parasiten; häufig zunächst ohne Beschwerden, im Verlauf mit Ausbildung einer chronischen Herzinsuffizienz und verminderter körperlicher Belastbarkeit.

Myopathie: entzündliche oder degenerative Muskelerkrankungen, die einzelne Muskelgruppen oder die gesamte Muskulatur erfassen können; Vorkommen z.B. bei Infektionen (u.a. HIV-Infektion), Stoffwechselstörungen, Gefäßerkrankungen oder als unerwünschte Arzneimittelwirkungen. Symptome können Muskelschwäche und -schmerzen, Schwund von Muskelgewebe und Lähmungen sein.

Myositis: akute oder chronische entzündliche Muskelerkrankungen; Vorkommen z.B. bei Infektionen, Autoimmunkrankheiten, als unerwünschte Arzneimittelwirkungen oder ohne eindeutige Ursache. Symptome können ein Bewegungs- und Druckschmerz der betroffenen Muskelgruppen mit Schwäche und Lähmungen sein. Vgl. Myopathie.


© Stephan Dressler, Berlin. Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Kein Teil des Werks darf ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Autors in irgendeiner Weise verwendet werden. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und Mikroverfilmungen sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie Angebote auf Internetseiten oder Onlinediensten. Zuletzt aktualisiert am: 17.03.2008