2 HIV/AIDS Taschenlexikon

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J

JCV: Abk. für JC-Virus, s. progressive multifokale Leukoenzephalopathie.

JES: Abk. für Junkies, Ex-User, Substituierte; bundesweites Netzwerk von und für Menschen, die Drogen nehmen oder genommen haben; Ziele sind u.a. eine Neuorientierung der Drogenpolitik, Erweiterung der Substitutionsmöglichkeiten und soziale Rehabilitation von Drogengebrauchern (http://www.jes.aidshilfe.de).

Johanniskraut: s. Hypericin.

Juckreiz: Fachbez. Pruritus; Hautjucken und intensiver Juckreiz, der eine Abwehrbewegung (z.B. Kratzen) auslöst; bei HIV-Infektion in etwa einem Drittel aller Fälle zu beobachten, häufig ohne eindeutige Ursache, gelegentlich infolge von (bakteriellen, viralen, parasitären) Infektionen, bei Hautpilzerkrankungen, auf der Grundlage von Stoffwechselstörungen oder nicht selten als unerwünschte Arzneimittelwirkung. Falls keine ursächliche Therapie möglich ist, Behandlung z.B. mit Antihistaminika, evtl. Phototherapie.

Junkie: (engl.) umgangssprachliche Bez. für Drogengebraucher.

K

Kachexie: starke Auszehrung des Körpers mit deutlicher Abnahme des Körpergewichts (Abmagerung) und allgemeinem Kräfteverfall. Vorkommen u.a. bei Tumorerkrankungen, (chronischen) Infektionskrankheiten (z.B. bei Tuberkulose, als Wasting-Syndrom bei AIDS), schweren Stoffwechselstörungen oder durch Mangelernährung und Hunger bedingt.

Kaiserschnitt: s. Schnittentbindung.

Kaletra: Handelsname für Kombinationspräparat mit Lopinavir und Ritonavir.

Kalzium-Hydroxylapatit: zur Behandlung der Fettatrophie im Gesichtsbereich als injizierbares Implantat verwendete Substanz.

Kanamycin: Aminoglykosid-Antibiotikum, das z.B. zur Behandlung der Tuberkulose verwendet wird. UAW: u.a. Ototoxizität.

Kandidosen: s. Candida-Mykosen.

Kaposi-Sarkom: Abk. KS; Tumor der Blutgefäße mit Gefäßneubildungen und rötlich-bläulichen bis lividen, knötchenförmigen Veränderungen v.a. an Haut und Schleimhäuten. Unterschieden werden: Klassisches KS: bei älteren Männern vorkommende Form mit i.d.R. nur einzelnen Läsionen, überwiegend an den Beinen. Afrikanisches KS: auch endemisches KS; v.a. in Zentralafrika vermehrt vorkommende Form bei Männern im Alter von 25-40 Jahren mit knötchenförmigen Läsionen und langsamem Verlauf, sowie bei Kindern mit generalisierten Lymphomen und rascher Progredienz. Iatrogenes KS: bei immunsuppressiver Behandlung (z.B. nach Organtransplantation) lokalisiert oder generalisiert (mit Beteiligung innerer Organe) auftretende Formen. Epidemisches KS: auch AIDS-assoziiertes KS; bei HIV-Infektion auftretende Form, häufigster HIV-assoziierter Tumor; betroffen sind v.a. Sexualpartner und -partnerinnen von Männern mit KS. Ursache: Ein Zusammenhang mit einer Infektion durch humanes Herpesvirus 8 (HHV-8) und eine direkte Beteiligung der HIV-Infektion durch Auslösung regulatorischer Störungen der Immunantwort werden diskutiert. Verlauf: Eine Erkrankung kann unabhängig vom Immunstatus auftreten; häufig zunächst an Haut, Lymphknoten oder Mundschleimhaut, eine Ausbreitung auf innere Organe (v.a. Magen-Darm-Trakt, Luftröhre und Lunge) ist möglich und kann zu Komplikationen mit lebensbedrohlichen Funktionsstörungen führen. Die Diagnose wird bei Hautmanifestationen häufig klinisch gestellt und durch Biopsie und histologische Untersuchung bestätigt; je nach Lokalisation können eine bildgebende Diagnostik oder endoskopische Untersuchungen erforderlich sein. Therapie: Eine Behandlung ist v.a. bei kleineren Hautläsionen nicht erforderlich, jedoch muß bei Läsionen, die psychisch (als Stigma empfunden oder kosmetisch störend) oder physisch belasten, bei Funktionsstörungen innerer Organe und lebensbedrohlichen Komplikationen eine Behandlung eingeleitet werden; sie erfolgt unter Berücksichtigung von Ausdehnung und Lokalisation und des Immunstatus individuell unterschiedlich z.B. als kosmetische Abdeckung (Camouflage), evtl. chirurgische Entfernung (Exzision), Strahlentherapie, Kryotherapie, immunmodulatorische Therapie oder medikamentös (Angiogeneseinhibitoren, Zytostatika); wichtig ist ebenfalls eine wirksame antiretrovirale Therapie zur Verbesserung des Immunstatus, die oft zu einer Rückbildung beiträgt.

Kapsid: Eiweißstrukturen, die das virale Genom umgeben; bei Viren ohne Hülle zugleich die äußere Struktur. Vgl. Nukleokapsid.

Kardiomyopathie: Fachbez. für alle Formen von Herzmuskelerkrankungen, die mit Funktionsstörungen des Herzens einhergehen; Einteilung nach Ursache und Ausmaß der Funktionsstörungen; bei HIV-Infektion Vorkommen v.a. bei Infektionskrankheiten als Entzündung des Herzmuskels, s. Myokarditis.

kardiovaskulär: Herz und Gefäße, das Herz-Kreislauf-System betreffend.

Karnofsky-Index: sog. Aktivitätsindex zur Beurteilung des Allgemeinzustands erkrankter Menschen. 100% entsprechen einer normalen Aktivität ohne Beschwerden, 50% einem Zustand, in dem ständige Unterstützung und Pflege erforderlich sind, 10% einem moribunden, dem Sterben nahen Zustand.

Karzinom: Fachbez. für bösartige Tumoren und Krebs.

kausal: ursächlich; als kausale Therapie wird eine auf die Beseitigung der Krankheitsursache ausgerichtete Behandlung bezeichnet.

Keratitis: Entzündung der Augenhornhaut; Vorkommen u.a. bei Benetzungsstörungen (Keratoconjunctivitis sicca), Infektionen (z.B. Herpesvirus-Infektionen), Einwirkung von Arzneimitteln oder chemischen Substanzen.

Keratoconjunctivitis sicca: sog. Syndrom des trockenen Auges; mangelhafte Benetzung von Bindehaut (Konjunktiven) und Hornhaut (Cornea) mit Tränenflüssigkeit; Vorkommen u.a. bei Autoimmunkrankheiten, Non-Hodgkin-Lymphomen oder HIV-Infektion; als Symptome können Brennen, Tränenträufeln und Fremdkörpergefühle auftreten. Behandlung mit Tränenersatzmitteln (sog. künstliche Tränen).

Kernprotein: das den Kern mit dem Genom von HIV umgebende Eiweiß.

Ketoconazol: Arzneimittel, das bei verschiedenen Pilzerkrankungen verwendet wird (Antimykotikum), v.a. bei schweren systemischen Mykosen. UAW: u.a. Leberschädigungen, gastrointestinale Störungen, Hämolyse.

KHK: Abk. für koronare Herzkrankheit.

Killerzellen: Sammelbezeichnung für zytotoxische T-Lymphozyten und natürliche Killerzellen (NK-Zellen), die veränderte Körperzellen (z.B. Tumorzellen, infizierte Zellen) zerstören.

Kinderwunsch: Bez. für den individuellen Wunsch (bzw. den Wunsch eines Paares) nach einem oder mehreren Kindern; in der Behandlung HIV-serodiskordanter Paare werden verschiedene Wege zur Vermeidung einer HIV-Infektion empfohlen: Bei HIV-Infektion der Frau künstliche Befruchtung oder Selbstinsemination, bei HIV-Infektion des Mannes assistierte Reproduktion nach Spermienaufbereitung durch intrauterine Insemination oder extrakorporale Befruchtung; eine medikamentöse Präexpositionsprophylaxe bei HIV-Infektion des Mannes wird in Studien untersucht.

Kivexa: Handelsname für Kombinationspräparat mit Abacavir und Lamivudin.

Klassifikation: Einordnung, Einteilung.

klassische Hämophilie: s. Hämophilie A.

klinische Endpunkte: Bez. für klinische Ereignisse wie das Auftreten von Symptomen oder Erkrankungen (sog. Zielgrößen), bei deren Auftreten die Teilnahme an einer klinischen Studie für die jeweiligen Studienteilnehmer beendet wird; bei HIV-Infektion wurden historisch u.a. opportunistische Infektionen, AIDS-definierende Erkrankungen oder der Eintritt des Todes als klinische Endpunkte zur Beurteilung der Wirksamkeit einer antiretroviralen Therapie verwendet; sog. klinische Endpunktstudien werden in der Prüfung neuer antiretroviraler Arzneimittel heute nicht mehr durchgeführt, verwendet werden stattdessen Surrogatmarker.

klinische Studien: allgemeine Bez. für wissenschaftliche medizinische Untersuchungen mit Menschen im Unterschied zu sog. präklinischen Studien mit Laboruntersuchungen oder Tierversuchen; Gegenstand der Untersuchung können u.a. physiologische oder pathologische Vorgänge, diagnostische oder therapeutische Verfahren sein; je nach Fragestellung können verschiedene Studiendesigns verwendet werden, die sich hinsichtlich der Zahl der Studienteilnehmer, ihrer Auswahl und Zuordnung zu einzelnen Studiengruppen, der Länge des Beobachtungszeitraums sowie in Bezug auf die gewählte Intervention und statistische Auswertungsmethoden unterscheiden und vor Beginn der Studie in einem Studienprotokoll zu beschreiben sind; rechtliche Voraussetzung für die Durchführung klinischer Studien sind eine behördliche Genehmigung und eine zustimmende Bewertung der zuständigen Ethikkommission, die u.a. im Arzneimittel- und Medizinproduktegesetz und einschlägigen Landesgesetzen geregelt sind. Als klinische Prüfung von Arzneimitteln werden am Menschen durchgeführte Untersuchungen bezeichnet, die laut Arzneimittelgesetz dazu bestimmt sind, klinische oder pharmakologische Wirkungen von Arzneimitteln zu erforschen oder nachzuweisen und unerwünschte Arzneimittelwirkungen festzustellen; eine Prüfung erfolgt in mehreren Phasen: Phase I: Dosisfindung und pharmakokinetische Studien, Verträglichkeits- und Sicherheitsprüfung, i.d.R. über einen kurzen Zeitraum mit wenigen Studienteilnehmern; Phase IIa: Überprüfung des Therapiekonzepts; Phase IIb: Bestimmung der therapeutisch angewendeten Dosis und Erhebung von Daten zu Wirksamkeit und Verträglichkeit, i.d.R. über mehrere Wochen mit etwa 50-200 Studienteilnehmern; Phase III: Wirksamkeitsnachweis durch Vergleich mit einer Standardtherapie, i.d.R. über mehrere Monate bis zwei Jahre mit mehreren hundert Studienteilnehmern; Phase IV: langfristige Anwendungsbeobachtung und Charakterisierung eines Arzneimittels nach der Zulassung u.a. mit dem Ziel, seltene unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu erfassen. In den Phasen II und III erfolgt die Durchführung der klinischen Prüfung typischerweise als randomisierte kontrollierte Studie. Vgl. Impfstoffstudien, Zugang zu experimentellen Medikamenten.

Knochendichteabnahme: s. Osteopenie.

Knochenmarktransplantation: Übertragung von Blutstammzellen aus dem Knochenmark, s. Stammzelltransplantation.

Knochennekrose: s. Osteonekrose.

Körpergewicht: tatsächliches Gewicht des Körpers; das Ideal- oder Sollgewicht in Kilogramm kann u.a. nach der sog. Broca-Formel bestimmt werden als Körpergröße (in cm) minus 100 minus 10%. Vgl. Body-Mass-Index.

Kofaktoren: Faktoren, die zu einer besonderen Gesundheitsgefährdung oder zu einem erhöhten Risiko für eine Erkrankung beitragen; vgl. Risikofaktoren.

Kofferdamgummi: s. Latexfolie.

Kohlenhydrate: sog. Saccharide; wichtige Naturstoffe, zu denen z.B. alle Zucker-, Stärke- und Zellulosearten gehören; nach ihrer Größe werden Mono-, Oligo- und Polysaccharide unterschieden. Biochemisch wichtig u.a. als Energielieferanten des menschlichen Organismus.

Kohortenstudie: Bez. für vergleichende Studien, in denen eine große Zahl von Personen (Kohorte) über einen längeren Zeitraum beobachtet wird, um Unterschiede im Auftreten bestimmter Ereignisse, einer Erkrankung oder von Symptomen festzustellen.

Koinfektion: gleichzeitige Infektion mit zwei Krankheitserregern; i.w.S. auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten erworbene, aber gleichzeitig bestehende Infektionen, bei HIV-Infektion (mit unterschiedlicher regionaler Häufung) v.a. als HIV/HCV-Koinfektion oder HIV/Tbc-Koinfektion.

Kokzidioidomykose: auch Coccidioides-Mykose, valley fever; Pilzerkrankung durch Coccidioides immitis; Vorkommen als AIDS-definierende opportunistische Infektion v.a. im Südwesten der USA; am häufigsten sind eine Lungenerkrankung mit Fieber, Husten, Atemnot und Brustschmerzen und (nach Ausbreitung über die Blutbahn) eine Hirnhautentzündung mit Gehirnbeteiligung (Meningoenzephalitis). Therapie mit Fluconazol, Itraconazol oder Amphotericin B.

Kokzidiosen: Erkrankungen durch Kokzidien (Protozoen), zu denen u.a. die Erreger von Toxoplasmose, Kryptosporidiose und Isosporiasis zählen.

Kolitis: entzündliche Erkrankungen der Dickdarmschleimhaut.

koloniestimulierender Faktor: s. CSF.

Kolpitis: s. Vaginitis.

Kombinationstherapie: gleichzeitige Gabe von zwei oder mehr Arzneimitteln bzw. Anwendung verschiedener (medikamentöser und nicht-medikamentöser, z.B. chirurgischer) Behandlungsmethoden mit dem Ziel einer Steigerung erwünschter Wirkungen und evtl. Reduzierung unerwünschter Wirkungen. Bei einer antiretroviralen Kombinationstherapie werden mehrere Virostatika mit unterschiedlichen Wirkmechanismen oder Angriffsorten verwendet.

Kompartiment: Abschnitt, Abteil; Fachbez. für Gewebe oder Organsysteme, die anatomisch bzw. funktionell vom übrigen Körper abgeteilt sind (z.B. Gehirn durch Blut-Hirn-Schranke); die Konzentrationen von Substanzen (z.B Arzneimittel) oder Krankheitserregern (z.B. Viren) können sich innerhalb verschiedener Kompartimente oder Verteilungsräume erheblich vom übrigen Gewebe oder dem Blut unterscheiden.

Kompetenznetz HIV/AIDS: seit 2002 bestehender, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderter Zusammenschluß von Forschungseinrichtungen; Ziele sind u.a. die Koordination epidemiologischer, grundlagen- und therapiebezogener Forschungsaktivitäten (http://www.kompetenznetz-hiv.de).

Komplement: im Blut in unterschiedlichen Konzentrationen vorhandene Proteine, die als funktionelles System im Zusammenwirken mit Antikörpern körperfremde Substanzen oder Krankheitserreger (Antigene) inaktivieren. Bei einer HIV-Infektion kann Komplement einerseits an einer Neutralisation von HIV durch Bindung von Komplement-Fragmenten und Maskierung von Epitopen (Antigendeterminanten) von HIV mitwirken, die dann für eine Interaktion mit Zellen nicht mehr zur Verfügung stehen; andererseits kann Komplement HIV-Infektionen verstärken, da sich HIV an Komplementrezeptoren von B-Lymphozyten bindet und von dort auf T-Lymphozyten übertragen wird.

Komplementärmedizin: auch Alternativmedizin; Sammelbezeichnung für verschiedene therapeutische und diagnostische Konzepte, die sich als Ergänzung bzw. Alternative zur evidenzbasierten wissenschaftlichen Medizin (sog. Schulmedizin) darstellen; eine wirksame Behandlung der HIV-Infektion ist mit komplementären Therapien nicht möglich, der Einsatz alternativer Behandlungsformen kann jedoch in der Vorbeugung oder Therapie von unspezifischen Beschwerden und Allgemeinsymptomen sinnvoll sein. Empfehlenswert ist vor Verwendung alternativer Behandlungsformen in jedem Fall eine Information zu dem Therapieverfahren durch ein Gespräch mit dem Arzt, Apotheker oder einer Beratungsstelle sowie anhand herstellerunabhängiger Quellen; zu beachten sind mögliche unerwünschte Wirkungen und Wechselwirkungen mit Arzneimitteln oder anderen Substanzen.

Kondome: auch Präservative, sog. Gummi; ursprünglich als Penisüberzug zur mechanischen Empfängnis- und Infektionsverhütung verwendet, sind heute Kondome für Männer und Frauen aus verschiedenen Materialien (Latex, verschiedene Kunststoffe wie Polyurethan, Polyethylen) erhältlich. Kondome für Männer: anatomisch geformte Penisüberzüge aus unterschiedlichen Materialien; Vorteile: bei Latex- oder Polyurethankondomen guter Schutz vor zahlreichen sexuell übertragbaren Infektionen und HIV-Infektion sowie relativ zuverlässige Kontrazeption; Nachteile: u.a. Beeinträchtigung der intimen Kommunikation; Kondome für Frauen: seit Anfang der 1990er Jahre erhältliches Frauenkondom zur Einlage in die Scheide, bestehend aus einem inneren Ring, der vor die Portio geschoben wird, einem tütenartigen Polyurethanschlauch und einem äußeren Ring, der außerhalb der Scheide vor den großen Schamlippen liegt; Vorteile: relativ zuverlässige Kontrazeption, Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen, auch bei Latexallergie anwendbar, kein Eingriff in den Hormonstoffwechsel; Nachteile: Beeinträchtigung der intimen Kommunikation.

Konjunktivitis: entzündliche Veränderungen der Augenbindehaut (Conjunctiva); Vorkommen u.a. bei physikalischen Irritationen oder Reizungen, Infektionen (z.B. Bakterien, Viren) oder im Rahmen allergischer Reaktionen.

kontagiös: ansteckend, übertragbar.

Kontagiosität: Bez. für die Ansteckungsfähigkeit einer übertragbaren Krankheit.

Kontaktpersonenermittlung: epidemiologische Fachbez. für die Rekonstruktion und (nachträgliche) Aufzeichnung von Kontakten einer infizierten bzw. erkrankten Person durch Gesundheitsbehörden mit dem Ziel, eine Infektionsquelle und mögliche Infektionsrisiken für weitere Personen festzustellen, Infektionen zu vermeiden und bereits Infizierte ggf. zu behandeln. Kontaktpersonenermittlungen sind nur in gesetzlich geregelten Fällen zulässig; da sie weitreichende persönliche und juristische Konsequenzen haben können, ist die sorgfältige Abwägung eines eventuellen Nutzens gegenüber möglichen Nachteilen erforderlich.

Kontamination: Verschmutzung, Verunreinigung, z.B. von Blutprodukten mit HIV.

Kontrazeption: Fachbez. für Empfängnisverhütung, i.w.S. für alle Formen der Schwangerschaftsverhütung; je nach sozialen, kulturellen und anderen Gegebenheiten werden verschiedene Methoden in weltweit verschiedenem Umfang angewendet; in Deutschland v.a. hormonelle Kontrazeptiva (etwa 70%) und Kondome (etwa 30%), evtl. in Kombination mit anderen Methoden.

Kontrazeptiva: Sammelbezeichnung für empfängnis- und zeugungsverhütende Mittel; unterschieden werden: chemische Kontrazeptiva wie Spermizide in unterschiedlichen Zubereitungsformen (Scheidenzäpfchen, Vaginalschaum); Vorteile sind u.a. eine einfache Handhabung; Nachteile die geringe kontrazeptive Sicherheit und kein Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen, evtl. allergische Reaktionen; hormonelle Kontrazeptiva (sog. Pille oder Antibabypille) als hormonhaltige Arzneimittel; Vorteile sind die einfache Handhabung und die hohe kontrazeptive Sicherheit; Nachteile sind unerwünschte Arzneimittelwirkungen (u.a. endokrine Störungen, Menstruationsstörungen), Wechselwirkungen mit Arzneimitteln (u.a. Proteaseinhibitoren, NNRTI) und kein Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen; mechanische Kontrazeptiva, die eine Barriere zwischen Samenzellen und Eizelle darstellen (sog. Barrierekontrazeptiva), z.B. Kondome, Scheidendiaphragma, Portiokappe; Vorteil von Kondomen ist u.a., daß sie einen Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen und HIV-Infektion bieten (Scheidendiaphragma und Portiokappe schützen nicht) und eine relativ hohe kontrazeptive Sicherheit haben; Nachteil sind u.a. Beeinträchtigungen der intimen Kommunikation.

Kontrollgruppe: in klinischen Studien Bez. für die Studienteilnehmer, bei denen die untersuchte Behandlung oder Intervention nicht angewendet wird.

kontrollierte Studie: sog. Vergleichsstudie; Form der klinischen Studie, bei der Wirkung und Verträglichkeit eines zu prüfenden Arzneimittels direkt mit einem zugelassenen Arzneimittel in verschiedenen Studienarmen verglichen werden.

Kopfschmerz: akute oder chronische Schmerzen im Kopfbereich; bei HIV-Infektion häufiges Vorkommen (in bis zu 50%), u.a. unterschieden werden: idiopathische Kopfschmerzen, meist chronisch oder rezidivierend, z.B. als sog. Spannungskopfschmerz ohne direkten Nachweis ursächlicher Faktoren, der i.d.R. durch körperliche Aktivitäten nicht verstärkt wird, Migräne oder Cluster-Kopfschmerz; symptomatische Kopfschmerzen, häufig akut auftretend, z.B. bei opportunistischen Infektionen (u.a. Toxoplasmose), anderen Infektionen (u.a. Sinusitis), Erkrankungen des Zentralnervensystems (u.a. Hirnhautentzündungen, Tumoren) oder als unerwünschte Wirkung von Arzneimitteln. Bei der Behandlung steht die Therapie evtl. zugrundeliegender Erkrankungen im Vordergrund, begleitet von einer ausreichenden Schmerztherapie und ggf. Entspannungsverfahren.

Korezeptoren: Strukturen an der Oberfläche von Zellen, die zusammen mit Rezeptoren an der Erkennung, Bindung oder Aufnahme bestimmter Reize oder Substanzen beteiligt sind, dazu allein aber nicht in der Lage sind; vgl. Chemokinrezeptoren.

koronare Herzkrankheit: Abk. KHK; infolge arteriosklerotischer Veränderungen der Herzkranzgefäße und Gefäßverengungen auftretende Beschwerden oder Krankheitsbilder wie Angina pectoris oder Herzinfarkt; ein häufigeres Vorkommen bei HIV-Infektion ist beschrieben; als Risikofaktoren gelten u.a. Fettstoffwechselstörungen mit Hypercholesterinämie und Hypertriglyzeridämien.

Kortison: s. Cortison.

Krätze: umgangssprachliche Bez. für Skabies.

Krankheitserreger: Mikroorganismen wie Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten, die bei Menschen, Tieren oder Pflanzen Erkrankungen verursachen können.

Kreatinin: auch Creatinin; in der Muskulatur gebildetes Stoffwechselprodukt, das über die Nieren ausgeschieden wird und dessen meßbare Konzentration im Blut u.a. bei Nierenerkrankungen erhöht ist; die Bestimmung der Kreatinin-Clearance ermöglicht eine Beurteilung von glomerulärer Filtrationsrate und Ausscheidungsfunktion der Nieren.

Kreuzreaktion: Reaktion eines Antikörpers mit einem Antigen, das dem die Antikörperbildung ursprünglich auslösenden Antigen ähnlich, aber nicht mit ihm identisch ist. Klinisch relevant z.B. bei Allergien, labormedizinisch (selten) als Ursache für einen falsch-positiven HIV-Antikörpertest.

Kreuzresistenz: sog. Parallelresistenz; Resistenz von Krankheitserregern gegen ein bestimmtes Chemotherapeutikum oder Arzneimittel, die zur Unempfindlichkeit gegen andere (noch nicht verwendete) Substanzen und Arzneimittel führt, deren Wirksamkeit dann ebenfalls eingeschränkt oder aufgehoben ist.

Kristallurie: Ausscheidung von Harnkristallen oder steinähnlichen Gebilden mit dem Urin; Vorkommen z.B. als Nebenwirkung bestimmter Arzneimittel (u.a. Indinavir, Sulfadiazin).

Kryotherapie: lokale Anwendung von extrem kühlenden Substanzen (z.B. flüssigem Stickstoff), z.B. in der Behandlung von Kaposi-Sarkom oder Feigwarzen (Condylomata acuminata).

Kryptokokkose: Pilzerkrankung durch den Hefepilz Cryptococcus neoformans; Vorkommen als opportunistische Infektion v.a. in den USA und Südostasien; am häufigsten sind eine Lungeninfektion und (nach Ausbreitung über die Blutbahn) Hirnhautentzündung mit Gehirnbeteiligung (Meningoenzephalitis) und meist schweren Allgemeinsymptomen, Fieber, Kopfschmerzen und Bewußtseinsstörungen; eine extrapulmonale Kryptokokkose ist eine AIDS-definierende Erkrankung. Therapie z.B. mit Amphotericin B, Fluconazol, Flucytosin; Sekundärprophylaxe mit Fluconazol, ggf. Itraconazol.

Kryptosporidiose: Erkrankung durch das Protozoon Cryptosporidium; typisch sind wäßrige Durchfälle und abdominelle Krämpfe, nach etwa 1-2 Wochen kommt es i.d.R. auch ohne Therapie zur Abheilung, bei Immunschwäche ist jedoch ein chronischer Verlauf häufig, der eine AIDS-definierende Erkrankung darstellt und eine Therapie erforderlich macht, z.B. mit Nitazoxanid, Paromomycin, Spiramycin, Azithromycin und Octreotid.

KS: Abk. für Kaposi-Sarkom.

KSHV: Abk. für Kaposi-Sarkom assoziiertes Herpesvirus, das humane Herpesvirus 8 (HHV 8); s. Herpesvirus-Infektionen.

Kumulation: Anhäufung.

kumulative Inzidenz: epidemiologische Fachbez. für die Gesamtzahl aufgetretener bzw. bekannter Erkrankungen in einem definierten Zeitabschnitt und in einer bestimmten Gruppe.

kurativ: heilend, auf Heilung ausgerichtet.

kutan: die Haut betreffend.


© Stephan Dressler, Berlin. Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Kein Teil des Werks darf ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Autors in irgendeiner Weise verwendet werden. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und Mikroverfilmungen sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie Angebote auf Internetseiten oder Onlinediensten. Zuletzt aktualisiert am: 17.03.2008