2 HIV/AIDS Taschenlexikon
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I
IAS: Abk. für International AIDS Society.
iatrogen: durch ärztliche Einwirkung (z.B. infolge diagnostischer oder therapeutischer Eingriffe) entstanden.
Ibuprofen: entzündungshemmendes Arzneimittel (Antiphlogistikum) mit schmerzlindernder Wirkung; Verwendung u.a. in der Schmerztherapie. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, Schädigungen der Magen-Darm-Schleimhaut.
IC: Abk. für (engl.) inhibitory concentration, Hemmkonzentration.
ICASO: Abk. für International Council of AIDS Service Organizations.
ICW: Abk. für International Community of Women living with HIV/AIDS.
idiopathische thrombozytopenische Purpura: Abk. ITP; durch eine starke Verminderung der Blutplättchen (Thrombozyten) und Blutungsneigung charakterisierte chronische Erkrankung unklarer Ursache, die von der HIV-assoziierten Thrombozytopenie abzugrenzen ist.
Idoxuridin: antiviral wirksames Arzneimittel (Nukleosidanalogon), das bei Herpesvirus-Infektionen verwendet wird. UAW: u.a. lokale Überempfindlichkeitsreaktionen.
IDU: Abk. für (engl.) injecting drug user, injizierender Drogengebraucher.
IFN: Abk. für Interferone.
IfSG: Abk. für Infektionsschutzgesetz.
Ig: Abk. für Immunglobuline.
Ikterus: sog. Gelbsucht; Gelbverfärbung von Haut und Schleimhäuten infolge einer vermehrten Bildung, Abbau- oder Ausscheidungsstörung von Bilirubin, z.B. bei hämolytischer Anämie, Gallen- oder Lebererkrankungen oder als unerwünschte Wirkung von Arzneimitteln.
IL: Abk. für Interleukine.
i.m.: Abk. für intramuskulär.
Imipenem: Antibiotikum, das bei schweren bakteriellen Infektionen verwendet wird. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, allergische Reaktionen.
Imiquimod: virostatisch und immunmodulatorisch wirkendes Arzneimittel; lokale Anwendung z.B. bei Condylomata acuminata. UAW: u.a. Juckreiz, Schmerzen, lokale Reaktionen, gastrointestinale Störungen.
Immunantwort: zusammenfassende Bez. für Reaktionen des Immunsystems auf körperfremde, immunogene Substanzen, Krankheitserreger oder Antigene, die sich aus einer unspezifischen, angeborenen Immunantwort und einer spezifischen, adaptiven Immunantwort zusammensetzen; beteiligt sind neben allgemeinen Schutzmechanismen des Organismus in unterschiedlichen Stadien verschiedene Zellen des Immunsystems (sog. zelluläre Immunantwort) sowie von diesen Zellen gebildete und sezernierte Zytokine und Antikörper (sog. humorale Immunantwort). Bei einer HIV-Infektion wird HIV in der akuten Phase durch dendritische Zellen abgefangen; nach Phagozytose und Antigenpräsentation kommt es zu einer Stimulation von CD4-Zellen mit nachfolgender Aktivierung von CD8-Zellen und Ausbildung zytotoxischer T-Lymphozyten; von CD4-Zellen sezernierte Zytokine aktivieren B-Lymphozyten, die wiederum neutralisierende Antikörper gegen HIV bilden; einige dieser aktivierten B-Lymphozyten (sog. Plasmazellen) differenzieren zu Gedächtniszellen; im Übergang zur chronischen HIV-Infektion entstehen erste Escape-Mutanten von HIV, die durch neutralisierende Antikörper und zytotoxische T-Lymphozyten nicht mehr erreicht werden können; in der chronischen Phase kommt es zu einem langsamen Abfall von CD4-Zellen und nachfolgend auch von CD8-Zellen als Resultat der allgemeinen Immunaktivierung.
Immundefekt: auch Immundefizienz, s. Immunschwäche.
Immunfluoreszenztest: labormedizinischer Nachweis von Antigenen oder Antikörpern, die mit einem Farbstoff markiert werden und in einem bestimmten Licht aufleuchten (fluoreszieren); Verwendung z.B. in der HIV-Diagnostik oder Tumordiagnostik.
Immunglobuline: Abk. Ig; im Rahmen einer Immunantwort von B-Lymphozyten als Reaktion auf Antigene gebildete Antikörper, die Komplement und Effektorzellen aktivieren; Einteilung in fünf Klassen mit unterschiedlichen Entstehungszeitpunkten und Funktionen: IgA: Vorkommen v.a. an Schleimhäuten mit Schutzfunktion gegen Krankheitserreger; IgD: Vorkommen z.B. in geringen Mengen an B-Lymphozyten als Antigenrezeptor; IgE: Vorkommen u.a. an basophilen Granulozyten, Mastzellen; u.a. an der Immunantwort auf Parasiten und allergischen Reaktionen vom Frühtyp beteiligt; IgG: bei einem Antigenkontakt mit zeitlicher Verzögerung gebildete Antikörper in Serum oder Muttermilch; spezifisches IgG ist oft noch Jahre nach einer Immunreaktion als Zeichen einer durchgemachten Infektion oder nach einer Schutzimpfung nachweisbar; IgM: bei einem Antigenkontakt zuerst gebildete Antikörper, hohe Konzentrationen von spezifischem IgM weisen auf akute Infektionen hin. Therapeutisch werden Immunglobuline u.a. zur Behandlung von Immunschwächen (z.B. Agammaglobulinämie) und als Hyperimmunserum verwendet.
Immunisierung: Herbeiführung einer Immunität gegenüber Krankheitserregern oder Toxinen; unterschieden werden aktive Immunisierung durch eine Immunantwort mit Bildung von Antikörpern z.B. im Anschluß an eine Impfung und passive Immunisierung zum Schutz vor Infektionen z.B. durch Immunglobuline (Antikörper) oder Immunseren; es werden keine körpereigenen Antikörper gebildet, die Wirksamkeit ist kurzfristig.
Immunität: bezeichnet die (vorübergehende oder dauerhafte) Unempfänglichkeit gegenüber Krankheitserregern, Antigenen oder körperfremden Substanzen (Toxinen); eine natürliche Immunität wird durch angeborene Faktoren oder die unspezifische Abwehr von Antigenen ohne vorherigen Antigenkontakt vermittelt; die erworbene Immunität beruht v.a. auf der Bildung von Antikörpern und Gedächtniszellen im Rahmen einer Immunantwort.
Immunkompetenz: bezeichnet die Fähigkeit des Immunsystems zur Abwehr von Krankheitserregern oder körperfremden Substanzen durch eine wirksame Immunantwort.
Immunkomplexe: bei Antigen-Antikörper-Reaktionen im Rahmen der Immunantwort entstehende Komplexe; unterschieden werden: nichtlösliche Immunkomplexe, die im Körper binden, u.a. Komplement aktivieren und durch Phagozytose beseitigt werden können; lösliche Immunkomplexe, die sich über den Blutkreislauf im Körper verbreiten (sog. zirkulierende Immunkomplexe) und in Gewebe eindringen und dort entzündliche Reaktionen (z.B. Vaskulitis, Glomerulonephritis) auslösen können; bei einer HIV-Infektion sind vermehrt zirkulierende Immunkomplexe nachweisbar.
Immunmodulatoren: Substanzen, pflanzliche Stoffe oder Arzneimittel, die Reaktionen des Immunsystems verstärkend oder hemmend beeinflussen (sog. biological response modifiers).
Immunogen: Fachbez. für Antigene, Krankheitserreger oder Substanzen, die eine Immunantwort auslösen.
Immunogenität: Fachbez. für 1. die Fähigkeit eines Impfstoffs, eine Immunität gegen Krankheitserreger oder Toxine herbeizuführen; 2. die Fähigkeit von Immunogenen, eine Immunreaktion auszulösen.
Immunreaktion: s. Immunantwort.
Immunrekonstitutionssyndrom: Abk. IRIS; Bez. für verschiedene Symptome, die bei einer HIV-Infektion unter antiretroviraler Kombinationstherapie nach Normalisierung (Rekonstituierung) der Immunfunktion mit Anstieg der CD4-Zellzahl beobachtet werden; Auftreten meist innerhalb von Wochen bis (wenigen) Monaten nach Therapiebeginn mit vermehrtem Vorkommen bei CD4-Zellzahlen von weniger als 100 Zellen/µl bei Therapiebeginn; ursächlich sind wahrscheinlich Immunantworten auf latent vorhandene Infektionen. Es werden z.T. schwere und häufig atypische Verläufe von Zytomegalie, atypischen Mykobakteriosen, Tuberkulose, progressiver multifokaler Leukoenzephalopathie, Kryptokokkose und anderen opportunistischen Infektionen sowie ein vermehrtes Auftreten von Autoimmunkrankheiten beschrieben; charakteristisch sind ausgeprägte entzündliche (inflammatorische) Begleitreaktionen.
Immunschwäche: auch Immundefekt, Abwehrschwäche; Fachbez. für angeborene oder erworbene Störungen des Immunsystems, die mit einem Verlust der Fähigkeit einhergehen, auf Krankheitserreger oder körperfremde Substanzen mit einer wirksamen Immunantwort zu reagieren.
Immunstatus: zusammenfassende Bez. für den funktionellen Zustand des Immunsystems mit der Fähigkeit zu Immunreaktion und Immunantwort; eine orientierende Beurteilung ist u.a. anhand des Blutbilds, CD4-Zellzahl, CD4/CD8-Ratio oder eines Hauttests möglich; bei HIV-Infektion werden regelmäßige Kontrollen empfohlen, um ein Monitoring des Verlaufs zu ermöglichen.
Immunsuppression: Unterdrückung der Immunantwort im Rahmen einer Immuntherapie durch Arzneimittel (sog. Immunsuppressiva) oder Strahlentherapie; im Frühstadium einer HIV-Infektion finden sich Zeichen einer chronischen Aktivierung des Immunsystems, daher werden immunsuppressive Therapien (u.a. Cyclosporin A, Cyclophosphamid, Glukokortikoide) in Studien untersucht.
Immunsystem: Abwehrsystem des Organismus zur Immunantwort gegen körperfremde Substanzen, Krankheitserreger und Antigene; es umfaßt: 1. unspezifische (mechanische, physikalische und chemische) Schutzmechanismen wie z.B. Haut und Schleimhäute, bestimmte Körperflüssigkeiten; 2. primäre Immunorgane wie Thymus und lymphatisches Gewebe des Darms, in denen Immunzellen differenziert werden; 3. sekundäre Immunorgane wie u.a. Milz, Lymphknoten und Rachenmandeln, in denen Immunreaktionen stattfinden; 4. zelluläre Bestandteile wie u.a. Granulozyten, Makrophagen, Lymphozyten und 5. humorale, in Körperflüssigkeiten vorkommende Bestandteile wie u.a. Antikörper (Immunglobuline), Komplement oder Zytokine, die an der Immunantwort mitwirken.
Immuntherapie: Behandlung von Erkrankungen durch Beeinflussung des Immunsystems oder immunologischer Funktionen; bei HIV-Infektion werden derzeit u.a. verschiedene Zytokine in Studien untersucht; durch HIV-spezifisches oder polyvalentes Immunglobulin oder monoklonale Antikörpern gegen gp120 konnten bislang keine langfristig positiven Effekte auf den Verlauf einer HIV-Infektion erwiesen werden.
Impetigo contagiosa: sog. Eiterflechte; mit Blasen- und Krustenbildung einhergehende eitrige Hautinfektion, meist durch Staphylokokken und Streptokokken verursacht.
Impfschutz: durch Impfung erzielte Immunität gegenüber Krankheitserregern oder Toxinen.
Impfstoffe: auch Vakzine; antigen wirksame Substanzen, die bei einer Impfung zur Erzielung einer spezifischen Immunantwort und Immunität gegen bestimmte Krankheitserreger verwendet werden; sie bestehen u.a. aus attenuierten (abgeschwächten) oder inaktivierten (abgetöteten) Krankheitserregern (Lebend- bzw. Totimpfstoff), inaktivierten Toxinen oder Teilstücken von Krankheitserregern (Subunit-Impfstoff). Vgl. HIV-Vakzine.
Impfstoffstudien: Studien zur Entwicklung von Impfstoffen; i.e.S. die in mehreren Phasen erfolgende Durchführung von Impfstoffstudien mit Menschen: Phase I mit einer kleinen (20-100) Zahl gesunder Studienteilnehmer zur Dosisfindung und Beurteilung von Impfstoffsicherheit, Verträglichkeit und Pharmakokinetik; Phase IIa mit mehreren hundert Studienteilnehmern zur Erfassung häufigerer unerwünschter Wirkungen und Beurteilung der Immunogenität, i.d.R. mit Beteiligung einer kleineren Gruppe von Personen mit einem Infektions- oder Erkrankungsrisiko; Phase IIb als sog. Proof-of-concept-Studie zur Gewinnung von Informationen zur Impfstoffsicherheit und potentiellen Wirksamkeit; Phase III als große kontrollierte Studie mit bis zu mehreren tausend Studienteilnehmern zur Wirksamkeitsprüfung des Impfschutzes (z.B. Schutz vor einer Infektion oder Erkrankung), Bestimmung von optimaler Dosis und Anwendungsschema sowie Nutzen-Risiko-Abwägung. Vgl. HIV-Vakzine, klinische Studien.
Impfung: auch Vakzination; Anwendung von Impfstoffen zum Zweck der Immunisierung gegenüber Krankheitserregern oder Toxinen. Unterschieden werden: 1. prophylaktische Impfungen mit Impfstoffen, die eine Bildung spezifischer Antikörper auslösen und damit zu einer Immunität führen, bevor es zu einem Kontakt mit Krankheitserregern oder Toxinen gekommen ist (sog. Schutzimpfungen); 2. therapeutische Impfungen als passive Immunisierung oder Immunstimulation nach Infektion oder Toxinkontakt. Aktuelle Impfempfehlungen werden in Deutschland von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) herausgegeben; bei HIV-Infektionen sollten Lebendimpfstoffe nur bei asymptomatischer Infektion verwendet werden, eine BCG-Impfung (Tuberkulose) ist in jedem Fall kontraindiziert; die Verwendung von Subunit-, Tot- oder Toxoidimpfstoffen ist i.d.R. möglich. Bei Immunschwäche kann das Ansprechen auf Schutzimpfungen schlechter und eine (mehrfache) Wiederholung der Impfung sinnvoll sein, um einen Impferfolg zu erzielen.
IND: Abk. für (engl.) investigational new drug.
Index-Fall: epidemiologische Fachbez. für den ersten aufgetretenen Fall einer Erkrankung oder Infektion bzw. für die Person, von der eine übertragbare Krankheit ausgegangen ist (sog. Index-Patient).
Indikatorerkrankung: Bez. für eine Krankheit, die das Vorliegen einer Störung oder anderweitigen, noch nicht klinisch manifesten (asymptomatischen) Erkrankung anzeigt.
Indinavir: Abk. IDV, Handelsname Crixivan; antiretroviral wirksames Arzneimittel (Proteaseinhibitor) zur Kombinationstherapie einer HIV-Infektion. UAW: u.a. Leberfunktionsstörungen, Hyperbilirubinämie, Fettstoffwechselstörungen, Nierensteinbildung (Nephrolithiasis), eingewachsene Nägel, Paronychie, selten hämolytische Anämie, bei Patienten mit Hämophilie evtl. Spontanblutungen.
indolent: schmerzlos, nicht schmerzempfindlich.
Infarkt: Verschluß eines arteriellen Blutgefäßes mit Gewebe- und Organschädigung (Nekrose) in dessen Versorgungsbereich als Folge eines Sauerstoffmangels; Vorkommen z.B. als Herzinfarkt oder Netzhautinfarkt mit akuter Retinanekrose.
infektiös: ansteckend, übertragbar.
Infektionen: Ansteckung mit Krankheitserregern, die oft, aber nicht in jedem Fall zu Beschwerden, Symptomen oder Erkrankungen führen, sog. stumme Infektionen sind möglich. Unterschieden werden nach Art der Erreger u.a. Infektionen durch Bakterien, Viren, Pilze, Protozoen oder Parasiten unterschieden; nach Herkunft der Erreger exogene Infektionen durch aus der Umgebung stammende Erreger, die über jeweils charakteristische Übertragungswege erfolgen; endogene Infektionen durch körpereigene, normalerweise harmlose Erreger, die z.B. bei Immunschwäche zu klinisch manifesten Erkrankungen führen können; vgl. opportunistische Infektionen.
Infektionsepidemiologie: s. Epidemiologie.
Infektionsschutzgesetz: Abk. IfSG; Kurzbez. für Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen; seit dem 1.1.2001 löst es Laborberichtsverordnung, Bundesseuchengesetz und das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten ab mit dem Ziel, übertragbaren Krankheiten beim Menschen vorzubeugen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und deren Weiterverbreitung zu verhindern; geregelt werden u.a. Maßnahmen zur Verhütung, Diagnostik und Meldepflicht von Infektionskrankheiten sowie Sentinel-Erhebungen.
Infektionswege: s. Übertragungswege.
Infektiosität: Bez. für die Übertragbarkeit und Fähigkeit von Mikroorganismen, in Wirte einzudringen und eine Infektion (und evtl. nachfolgende Erkrankungen) zu verursachen.
Infiltrat: Eindringen bzw. Einlagerung körpereigener oder fremder Substanzen in normales Gewebe, z.B. als entzündliche Infiltrate mit Gewebeveränderungen durch ein (meist örtlich begrenztes) Einwandern pathologischer Zellen.
INH: Abk. für Isonicotinsäurehydrazid, Isoniazid.
Inhibitoren: Hemmstoffe; Substanzen und Arzneimittel, die biologische oder chemische Vorgänge einschränken oder verhindern.
Inkubationszeit: auch Latenzzeit; Zeit zwischen dem Eindringen eines Krankheitserregers (Infektion) und Ausbruch einer Erkrankung.
Inokulation: in der mikrobiologischen Labordiagnostik Bez. für Beschickung eines Kulturmediums mit Krankheitserregern zur Anzüchtung; auch (kaum gebräuchliche) Bez. für Impfung.
Insulin: von der Bauchspeicheldrüse gebildetes Hormon; wichtigste biochemische Funktionen sind die Regulierung des Blutzuckergehalts, eine Steigerung des Kohlenhydratabbaus und (in Leber und Fettgewebe) eine Steigerung der Fettsynthese. Durch Insulinresistenz oder -mangel entsteht ein Diabetes mellitus.
Insulinresistenz: stark abgeschwächtes oder fehlendes Ansprechen auf (körpereigenes) Insulin. Auslösend kann eine Antikörperbildung sein; die Ursache der im Verlauf einer HIV-Infektion vermehrt beobachteten Insulinresistenz ist noch ungeklärt; ein Zusammenhang mit einer antiretroviralen Kombinationstherapie (v.a. mit Proteaseinhibitoren) wird diskutiert. Behandlung ggf. mit Insulinsensitizern wie Metformin oder oralen Antidiabetika wie Thiazolidindionen (z.B. Rosiglitazon, Pioglitazon).
Integrase: Enzym von Retroviren, das die provirale DNA in den Kern von Wirtszellen integriert; vgl. Replikationszyklus von HIV.
Integraseinhibitoren: Substanzen und Arzneimittel, die die Integrase von HIV hemmen und zur antiretroviralen Kombinationstherapie verwendet werden.
Intention-to-treat-Analyse: statistisches Verfahren der Studienauswertung, bei dem die Daten aller Studienteilnehmer nach ihrer ursprünglichen Gruppenzuteilung analysiert werden, unabhängig davon, ob die zugeordnete (intendierte) Therapie vollständig, teilweise oder gar nicht durchgeführt wurde; Zweck ist es, die Wirksamkeit einer Therapie unter möglichst realitätsnahen Bedingungen zu bewerten.
Interaktion: Wechselwirkung, z.B. Arzneimittelwechselwirkungen.
Interferone: Abk. IFN; von kernhaltigen Körperzellen (v.a. Leukozyten, Lymphozyten) auf Fremdreize wie eine Infektion mit Viren oder Bakterien oder Tumorzellen gebildete Proteine (Zytokine), die nach Bindung an spezifische Rezeptoren indirekt Virusvermehrung und Zellwachstum hemmen; Einteilung anhand des verwendeten Rezeptors in: IFN alpha: therapeutische Verwendung von (pegyliertem) IFN alpha in Kombination mit Ribavirin bei Hepatitis C und chronischer Hepatitis B sowie verschiedenen Formen von Leukämie (Blutkrebs) und Tumorerkrankungen; IFN beta: therapeutische Verwendung u.a. bei multipler Sklerose; IFN gamma: Verwendung als Zusatztherapie bei granulomatösen Erkrankungen. UAW: u.a. grippeähnliche Symptome mit Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, psychische Veränderungen, Leberwerterhöhungen, Blutbildveränderungen.
Interferon-gamma-Release-Assays: Testverfahren in der Tuberkulose-Diagnostik, bei denen die Produktion von Interferon-gamma durch T-Zellen nachgewiesen wird, die mit spezifischen Antigenen von Mycobacterium tuberculosis und bovis stimuliert werden; falsch-positive Reaktionen durch die für BCG-Impfstoffe verwendeten Mycobacterium-Stämme sind nicht möglich (hohe Spezifität), auch bei Immunschwäche anwendbar; nachteilig ist eine relativ geringe Sensitivität; Verwendung als ergänzendes Verfahren zur Diagnose einer latenten Tuberkulose oder Bestätigung eines positiven Tuberkulin-Hauttests.
Interleukine: Abk. IL; zu den körpereigenen Botenstoffen zählende Zytokine, die im Rahmen einer Immunantwort Informationen zwischen beteiligten Zellen vermitteln; u.a. werden unterschieden: IL-1: in der Frühphase einer Infektion u.a. von Makrophagen freigesetzt, aktiviert u.a. T-Lymphozyten; IL-2: von T-Helferzellen freigesetzt, bewirkt u.a. eine vorübergehende Vermehrung von zytotoxischen T-Lymphozyten und T-Helferzellen; therapeutische Verwendung von Aldesleukin; IL-3: stimuliert Vermehrung und Differenzierung von blutbildenden und lymphatischen Stammzellen, verstärkt die Wirkung von Erythropoetin, G-CSF und GM-CSF; IL-4: wird u.a. von T-Helferzellen freigesetzt, stimuliert B-Lymphozyten zur Produktion von Antikörpern; IL-6: wird u.a. von Makrophagen und T-Helferzellen gebildet, verstärkt die Vermehrung von HIV; IL-7: wird u.a. von Zellen lymphatischer Gewebe gebildet und stimuliert das Wachstum von Vorläuferzellen der B- und T-Lymphozyten; IL-10: wird u.a. von T-Helferzellen gebildet und verstärkt Entzündungsreaktionen; es reduziert erhöhte Konzentrationen von Zytokinen und wird u.a. in der Behandlung chronisch-entzündlicher Gelenkerkrankungen untersucht; IL-12: wird von Makrophagen freigesetzt und bewirkt eine Ausreifung von T-Helferzellen des TH1-Typs, aktiviert zytotoxische T-Lymphozyten und NK-Zellen; rekombinantes IL-12 (rhIL-12) wird in Studien zur Immuntherapie der HIV-Infektion untersucht; IL-15: wird nach Virusinfektionen u.a. von Makrophagen gebildet und aktiviert NK-Zellen; IL-16: wird u.a. von Lymphozyten gebildet; rekombinantes IL-16 (rhIL-16) hemmt in Laboruntersuchungen die Vermehrung von HIV.
intermittierend: zeitweise auftretend, zeitweilig aussetzend.
International AIDS Society: IAS; 1988 gegründete Internationale AIDS-Gesellschaft mit Sitz in Genf; Ziele sind u.a. die Förderung von Informationsaustausch und Fortbildung (u.a. durch Organisation internationaler Konferenzen) sowie von Netzwerken (http://www.iasociety.org).
International Community of Women living with HIV/AIDS: ICW; 1992 gegründetes Netzwerk mit Sitz in London; Ziele sind u.a. die internationale Information und Unterstützung von Frauen mit HIV oder AIDS (http://www.icw.org).
International Council of AIDS Service Organizations: ICASO; 1991 gegründetes Netzwerk mit Sitz in Toronto; Ziele sind u.a. Aktivierung, Koordination und Unterstützung verschiedenster Community-Organisationen und die allgemeine Verfügbarkeit von HIV/AIDS-Therapien (http://www.icaso.org).
interstitielle Pneumonie: Lungenentzündung mit Infiltraten des Lungenzwischengewebes, s. Pneumonie.
Intervalltherapie: in zeitlichen Abständen durchgeführte, von Pausen unterbrochene Behandlung, z.B. in der Behandlung maligner Tumoren (Intervallchemotherapie); vgl. Therapiepausen.
Intervention: Eingriff; i.e.S. Fachbez. für eine therapeutische Maßnahme.
intra-: Wortteil mit der Bedeutung innerhalb, innen.
Intrakutantest: Fachbez. für Hauttest.
intramuskulär: Abk. i.m.; in den Muskel.
intraokulär: im Auge, in das Auge.
Intrauterinpessar: Abk. IUP, sog. Spirale; zur Schwangerschaftsverhütung in die Gebärmutter eingelegte T- oder spiralförmige Gebilde, die auf nicht gänzlich geklärte Weise die Einnistung befruchteter Eizellen in die Gebärmutter verhindern; Vorteile sind u.a. eine relativ hohe Zuverlässigkeit, Nachteile u.a. Entzündungen und Infektionen des oberen Genitaltrakts (daher wird die Verwendung bei HIV-Infektion nicht empfohlen), Blutungen.
intravenös: Abk. i.v.; in die Vene.
intrazellulär: in der Zelle.
intrazerebral: im Gehirn.
invasiv: eindringend; bezeichnet 1. die Fähigkeit von Krankheitserregern, körpereigenen (normalen oder pathologischen) Zellen oder chemischen Substanzen und Arzneimitteln, in ein Gewebe einzudringen; 2. diagnostische Methoden, bei denen Instrumente in den Körper eingeführt werden.
investigational new drug: (engl.) Abk. IND; durch die US-Food and Drug Administration (FDA) gewährter Status für ein experimentelles Medikament, der die Untersuchung in klinischen Studien am Menschen erlaubt; in besonderen Fällen kann eine sog. Treatment IND erteilt werden, die vor einer eventuellen Zulassung die Behandlung außerhalb klinischer Studien ermöglicht; vgl. Zugang zu experimentellen Medikamenten.
Invirase: Handelsname für Saquinavir.
Inzidenz: epidemiologische Fachbez. für die Anzahl von Neuerkrankungen in einem Zeitraum, Gebiet oder einer bestimmten Bevölkerungsgruppe.
Iridozyklitis: Entzündung der Regenbogenhaut (Iris) und des Ziliarkörpers des Auges; Vorkommen z.B. bei Zytomegalie.
IRIS: Abk. für (engl.) immune reconstitution inflammatory syndrome, Immunrekonstitutionssyndrom.
Iritis: Entzündung der Regenbogenhaut (Iris) des Auges; Vorkommen z.B. bei Zytomegalie.
Isentress: Handelsname für Raltegravir.
Isolierung: Absonderung; Fachbez. für 1. Abtrennung von Personen mit übertragbaren Krankheiten zur Vermeidung weiterer Infektionen durch Unterbringung in abgetrennten Räumen; vgl. Quarantäne; 2. labormedizinische Gewinnung von Krankheitserregern aus Untersuchungsmaterial.
Isoniazid: auch Isonicotinsäurehydrazid, Abk. INH; Arzneimittel zur Kombinationstherapie (und ggf. Primärprophylaxe) der Tuberkulose (Tuberkulostatikum). UAW: u.a. neurologische Störungen, Leberfunktionsstörungen bis zu Leberversagen, Vitamin-B6-Mangel.
Isonicotinsäurehydrazid: Abk. INH, Isoniazid.
Isosporiasis: Erkrankung durch das Protozoon Isospora belli mit Fieber, wäßrigen Durchfällen und Bauchschmerzen; ein chronischer Verlauf bei HIV-Infektion stellt eine AIDS-definierende Erkrankung dar. Therapie z.B. mit Cotrimoxazol.
ITP: Abk. für idiopathische thrombozytopenische Purpura.
Itraconazol: Arzneimittel, das bei verschiedenen Pilzerkrankungen verwendet wird (Antimykotikum), v.a. bei schweren systemischen Mykosen und Hautpilzerkrankungen. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, Hautreaktionen, Leberschädigungen.
IUP: Abk. für Intrauterinpessar.
i.v.: Abk. für intravenös.
IVDA: Abk. für intravenös Drogenabhängiger.
IVDU: Abk. für (engl.) intravenous drug user, intravenös Drogengebrauchender.
Ivermectin: Arzneimittel, das v.a. bei Wurmerkrankungen verwendet wird (Anthelminthikum). UAW: u.a. Schwindel, Juckreiz.