2 HIV/AIDS Taschenlexikon

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G

Gabapentin: Arzneimittel, das zur Behandlung zerebraler Krampfanfälle verwendet wird (Antiepileptikum); Verwendung auch als Schmerzmodulator z.B. bei Neuropathie. UAW: u.a. Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerz.

gag: Abk. für (engl.) group antigen; Strukturgen von Retroviren, das bei HIV u.a. Nukleokapsid- und Matrixproteine kodiert.

gamma-Glutamyltransferase: Abk. gGT; Enzym, dessen meßbare Konzentration im Blut u.a. bei Lebererkrankungen erhöht ist.

Ganciclovir: antiviral wirksames Arzneimittel, das bei Zytomegalie intravenös, oral oder intraokulär (Arzneimitteldepots mit sog. Pellets im Auge) verwendet wird. UAW: u.a. Störungen der Blutbildung, Leberwerterhöhungen, gastrointestinale Störungen, Fieber, Verwirrtheit; bei intraokulären Pellets u.a. Sehstörungen, Entzündungen, Netzhautablösungen.

Gastrointestinaltrakt: Fachbez. für die Gesamtheit des Magen-Darm-Bereichs mit Mund-Rachen-Raum (Oropharynx), Speiseröhre (Ösophagus), Magen, Dünn- und Dickdarm und Anus.

Gatifloxacin: Antibiotikum (Chinolon), das zur Behandlung von bakteriellen Infektionen, Tuberkulose und atypischen Mykobakteriosen verwendet wird. UAW: u.a. neurologische Störungen.

GB Virus C: auch GBV-C; zunächst als Hepatitis-G-Virus (HGV) beschriebenes Virus (ein Flavivirus), das nach heutigem Wissensstand beim Menschen keine Erkrankungen verursacht; kontroverse Berichte liegen darüber vor, ob eine GBV-C/HIV-Koinfektion mit einer langsameren Progression der HIV-Infektion oder einem besseren Ansprechen auf eine antiretrovirale Therapie assoziiert ist.

G-CSF: Abk. für (engl.) granulocyte colony-stimulating factor; Granulozyten-koloniestimulierender Faktor; körpereigener Wachstumsfaktor (Zytokin), der die Bildung weißer Blutkörperchen (Granulozyten) stimuliert. Gentechnisch hergestelltes G-CSF (rhG-CSF, z.B. Filgrastim, Lenograstim, Pegfilgrastim) werden in der Behandlung von Neutropenien verwendet.

Gebärmutterhalskrebs: umgangssprachliche Bez. für Zervixkarzinom.

Gedächtniszellen: auch Memory-Zellen; aus aktivierten B- oder T-Lymphozyten entstehende Zellen, die Informationen über körperfremde Antigene speichern und bei erneutem Kontakt im Rahmen der spezifischen Immunantwort aktiviert werden.

Gedeihstörung: Entwicklungsverlangsamung oder -stillstand bei Säuglingen oder Kleinkindern, evtl. begleitet vom Verlust bereits erlernter Fähigkeiten (z.B. freies Sitzen); Vorkommen meist im Rahmen schwerer Allgemeinerkrankungen.

Gelbsucht: umgangssprachliche Bez. für Ikterus.

Gelenkschmerz: s. Arthralgie.

Gemfibrozil: Arzneimittel zur Senkung erhöhter Blutfette (Lipidsenker). UAW: u.a. Mundtrockenheit, Leberwerterhöhungen.

Generalisierung: allgemeine Ausbreitung einer Erkrankung über ein einzelnes Organ hinaus im ganzen Körper.

Genitalwarzen: umgangssprachliche Bez. für Condylomata acuminata.

Genotyp: Fachbez. für die Gesamtheit der genetischen Informationen eines Lebewesens.

genotypischer Resistenztest: labormedizinisches Verfahren zum Nachweis von Mutationen im Erbgut von HIV, die typischerweise mit einer verringerten Empfindlichkeit gegen antiretrovirale Arzneimittel assoziiert sind, s. Resistenztestung.

Gentherapie: zusammenfassende Bez. für Behandlungsverfahren, mit denen die genetische Information von Zellen verändert wird; für die somatische Gentherapie mit Veränderungen von Körperzellen des Menschen gelten besondere Richtlinien. I.w.S. können zur Gentherapie auch Versuche gezählt werden, bei einer HIV-Infektion Zellen des Immunsystems so zu verändern, daß sie nicht mehr mit HIV infiziert werden können; ferner Versuche, die Erbsubstanz von HIV mit gentechnologischen Methoden zu modifizieren (etwa durch den Einbau künstlicher Moleküle in die RNA bzw. Zerteilung der RNA durch Ribozyme), so daß eine Virusvermehrung unmöglich wird oder einzelne Gene gezielt ausgeschaltet werden; ob sich aus den in kleineren Studien durchgeführten Behandlungsversuchen eine therapeutische Option ergibt, ist derzeit offen.

Geschlechtskrankheiten: umgangssprachliche Bez. für sexuell übertragbare Infektionen, die zu einer manifesten Erkrankung führen.

Geschmacksveränderungen: meist vorübergehende Störungen der Geschmackswahrnehmung, die v.a. die Qualitäten süß und bitter betrifft, die oft verstärkt wahrgenommen werden; ursächlich können u.a. Infektionen des Mundraums (z.B. Candida-Mykose), Tumorerkrankungen des Nasen-Rachen-Raums, neurologische Erkrankungen oder Arzneimittel sein. Neben einer ursächlichen Therapie wird ein milderes Würzen von Speisen empfohlen.

Gesichtsfeldausfälle: Sehstörungen mit Einschränkung des Gesichtsfelds, z.B. als Verkleinerung des wahrgenommenen Bereichs (Gesichtsfeldeinengung), Störung innerhalb bestimmter Netzhautbereiche (Skotom) oder Halbseitenblindheit mit Ausfall einer Hälfte des Gesichtsfeldes (Hemianopsie). Vorkommen u.a. bei Erkrankungen des Auges (z.B. Retinopathie) oder neurologischen Erkrankungen.

GFATM: Abk. für Global Fund to fight AIDS, Tuberculosis and Malaria.

GFR: Abk. für glomeruläre Filtrationsrate.

gGT: Abk. für gamma-Glutamyltransferase.

Giardiasis: auch Lambliasis; Erkrankung durch das Protozoon Giardia lamblia, häufig asymptomatisch, aber auch mit (chronischen) Durchfällen. Therapie z.B. mit Metronidazol, Tinidazol oder Albendazol.

Glandula parotis: Fachbez. für Ohrspeicheldrüse.

Gleitmittel: auch Lubrikanzien; Bez. für verschiedene Hilfsstoffe und Schmiermittel, die eine leichtere vaginale oder anale Penetration ermöglichen; Anwendung finden v.a. wasserlösliche Gleitmittel, die auch mit Latexkondomen verwendbar sind. Öl- oder fetthaltige Gleitmittel (z.B. Vaseline, Massageöl, Margarine) zerstören Latexkondome innerhalb kürzester Zeit; mit Zusätzen versehene Gleitmittel können zu Schleimhautreizungen und allergischen Reaktionen führen.

Global Fund to fight AIDS, Tuberculosis and Malaria: GFATM; 2000 gegründete Organisation mit der Aufgabe, die Finanzierung der Behandlung von AIDS, Tuberkulose und Malaria in einkommensschwachen Ländern zu ermöglichen; derzeit werden für mehr als 1 Million Menschen weltweit antiretrovirale Kombinationstherapien zur Verfügung gestellt (http://www. theglobalfund.org).

Global Network of People living with HIV/AIDS: GNP+; internationales Netzwerk von Menschen mit HIV/AIDS mit Sitz in Amsterdam und weltweiten regionalen Partnerorganisationen; Ziele sind u.a. die Verbesserung der Lebensqualität und die Respektierung der Menschenrechte aller Menschen mit HIV oder AIDS (http://www.gnpplus.net).

glomeruläre Filtrationsrate: Abk. GFR; das Flüssigkeitsvolumen, das von den Nierenglomeruli in einem bestimmten Zeitraum filtriert wird; Verwendung als Maß für die Beurteilung der Ausscheidungsfunktion der Nieren; eine Schätzung der GFR ist anhand der Konzentrationen von Kreatinin, Harnstoff und Albumin im Blut möglich.

Glomerulonephritis: entzündliche Erkrankung der kleinen Nierengefäße (Glomeruli); Vorkommen häufig ohne erkennbare Ursache, evtl. als sog. postinfektiöse Glomerulonephritis im Anschluß an Infektionen (z.B. Streptokokken-Infektionen), als Immunkomplex-vermittelte Glomerulonephritis mit Ablagerung von zirkulierenden Immunkomplexen im Rahmen von Autoimmun- und Infektionskrankheiten (z.B. Hepatitis B und C) oder in Verbindung mit einem nephrotischen Syndrom bei HIV-assoziierter Nephropathie; toxisch bedingte Formen (u.a. durch Heroin, Arzneimittel) sind möglich.

Glukose: zu den sog. Aldohexosen gehörender Zucker; biologisches Vorkommen in zahlreichen Pflanzensäften, Früchten und Honig. Im menschlichen Organismus wichtiger biochemischer Energielieferant und Zwischenprodukt im Kohlenhydratstoffwechsel; Blutspiegel werden i.d.R. sehr konstant gehalten; zu einem Anstieg des sog. Blutzuckers (Hyperglykämie) kann es u.a. bei Diabetes mellitus, Glukosetoleranzstörungen oder Insulinresistenz kommen.

Glukosetoleranzstörung: Stoffwechselstörung mit Auftreten krankhafter Blutzuckerwerte und Zucker im Urin nach Aufnahme von Glukose; Vorkommen ohne klinische Zeichen z.B. bei einer noch asymptomatischen Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

Glutamat-Oxalacetat-Transaminase: frühere Bez. für Aspartat-Amino-Transferase.

Glutamat-Pyruvat-Transaminase: frühere Bez. für Alanin-Amino-Transferase.

Glykoproteine: Eiweisse mit einem Kohlenhydratanteil, Beschreibung als gp und Angabe des Molekulargewichts in Kilodalton; sie haben zahlreiche biologische und biochemische Funktionen und sind auch wesentlich am Aufbau von HIV beteiligt: gp24 liegt im Nukleokapsid von HIV; gp41 ist in der Virushülle lokalisiert und an der Bindung von HIV an CD4-Rezeptoren beteiligt; gp120 ragt aus der äußeren Hülle heraus und ist für die Bindung von HIV an CD4-Rezeptoren und Chemokinrezeptoren erforderlich; gp160 ist ein von dem Strukturgen env kodiertes Glykoprotein, das durch das Enzym Protease in gp120 und gp41 aufgespalten wird.

GM-CSF: Abk. für (engl.) granulocyte macrophage colony-stimulating factor, Granulozyten-Makrophagen-koloniestimulierender Faktor; körpereigener Wachstumsfaktor (Zytokin), der die Bildung von Granulozyten und Makrophagen stimuliert. Gentechnisch hergestelltes GM-CSF (Molgramostim, Sargramostim) wird in der Behandlung von Neutropenien verwendet.

GNP+: Abk. für Global Network of People living with HIV/AIDS.

Gonokokken: Kurzbez. für Bakterien der Familie Neisseriaceae; Neisseria gonorrhoeae ist Erreger der Gonorrhoe.

Gonorrhoe: umgangssprachliche Bez. Tripper; sexuell übertragbare Erkrankung durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae (sog. Gonokokken); Übertragung durch Geschlechtsverkehr, orogenitale Sexualkontakte, selten Schmierinfektionen. Symptome: Nach 2-7 Tagen kommt es bei Männern in etwa 70% zu Harnröhrenentzündung (Urethritis) mit Schmerzen beim Wasserlassen, eitrigem Ausfluß, Rötung der Eichel; bei Frauen in etwa 60% symptomarmer Verlauf: Entzündung von Muttermund (Zervizitis) und Harnröhre (Urethritis) mit Ausfluß und Brennen beim Wasserlassen, eher selten Scheidenentzündung (Vaginitis). Als extragenitale Infektionen können eine Gonorrhoe des Anorektalbereichs (Proktitis) und des Kehlkopfs (pharyngeale Gonorrhoe) vorkommen; eine Gonoblennorrhoe mit Augenbindehautentzündung tritt v.a. bei Neugeborenen erkrankter Mütter nach der Geburt auf. Als Komplikationen können bei Männern Prostatitis, Nebenhodenentzündungen (Epididymitis), bei chronischem Verlauf eine Harnröhrenverengung (Uretherstriktur), bei Frauen aufsteigende Infektion des Genitaltrakts mit Endometritis, Entzündungen von Eileitern (Salpingitis) oder Ovar (Perioophoritis, Tuboovarialabszeß), chronische Adnexitis (Spätfolgen evtl. Sterilität, Eileiterschwangerschaft). Therapie: Antibiotika (unter Berücksichtigung evtl. vorhandener Resistenzen); eine Partnermitbehandlung wird empfohlen.

GOT: Abk. für Glutamat-Oxalacetat-Transaminase, s. Aspartat-Amino-Transferase.

gp: Abk. für Glykoproteine.

GPT: Abk. für Glutamat-Pyruvat-Transaminase, s. Alanin-Amino-Transferase.

Gravidität: Fachbez. für Schwangerschaft.

Griseofulvin: Arzneimittel, das bei verschiedenen Hautpilzerkrankungen angewendet wird (Antimykotikum). UAW: u.a. Photosensitivitätsreaktion, Hautreaktionen, Kopfschmerz, gastrointestinale Störungen.

Gürtelrose: umgangssprachliche Bez. für Zoster.

Guillain-Barré-Syndrom: entzündliche Erkrankung der Nervenwurzeln (Polyradikuloneuritis); ursächlich sind wahrscheinlich virale Infektionen und Störungen des Immunsystems. Vermehrtes Vorkommen bei HIV-Infektion als: 1. Akute inflammatorische demyelinisierende Polyneuroradikulitis (AIDP) v.a. während der akuten HIV-Infektion (Phase der Serokonversion) mit symmetrischen Lähmungen von Beinen und Armen, beginnend an den Füßen und Händen und zum Rumpf aufsteigend (aszendierend), je nach Ausdehnung sind Schluck-, Atem- und Herzrhythmusstörungen möglich; nach etwa 2-4 Wochen kommt die Erkrankung zum Stillstand, es folgt ein sog. Plateau, an das sich eine mehrmonatige Remissionsphase mit Rückbildung der Symptome anschließt, jedoch bleiben in etwa 30% neurologische Ausfälle zurück. 2. Chronische inflammatorische demyelinisierende Polyneuroradikulitis (CIDP) mit chronischem oder schubförmigem Verlauf über mehrere Monate mit Lähmungen, Sensibilitäts- und Reflexstörungen, im Gegensatz zur akuten Form jedoch ohne spontane Beendigung. Diagnose durch Liquoruntersuchung, elektrophysiologische Untersuchungen, evtl. Nervenbiopsie; Therapie mit Immunglobulinen, evtl. Plasmapherese, bei CIDP ggf. Prednison; bei AIDP ist der Beginn einer antiretroviralen Therapie zu erwägen.

Gummi: umgangssprachliche Bez. für Kondome.

Gyrasehemmer: frühere Bez. für Chinolone.


© Stephan Dressler, Berlin. Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Kein Teil des Werks darf ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Autors in irgendeiner Weise verwendet werden. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und Mikroverfilmungen sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie Angebote auf Internetseiten oder Onlinediensten. Zuletzt aktualisiert am: 17.03.2008