2 HIV/AIDS Taschenlexikon
| A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z |
F
fäkal-orale Übertragung: Infektion mit Krankheitserregern durch Aufnahme von kotverunreinigtem, infektiösem Material (z.B. verunreinigtes Wasser) durch den Mund.
Faktorpräparate: gerinnungsaktive Produkte, die einzelne Blutgerinnungsfaktoren enthalten; unterschieden werden aus dem Plasma gewonnene und rekombinante (gentechnisch hergestellte) Präparate; nicht virusinaktivierte gerinnungsaktive Plasmaprodukte waren wesentlich an der Verbreitung von HIV-Infektion, Hepatitis B und C bei Menschen mit Hämophilie und Empfängern von Blutprodukten beteiligt; nach Einführung obligatorischer HIV-Antikörpertests von Plasmaspenden sind HIV-Infektionen in Deutschland sehr selten.
falsch-negativ: bezeichnet ein Test- oder Untersuchungsergebnis, das tatsächlich vorliegende Zustände oder Sachverhalte fälschlicherweise nicht anzeigt. Ein falsch-negativer HIV-Antikörpertest zeigt trotz vorhandener HIV-Antikörper keine Reaktion, z.B. wegen zu geringer Sensitivität des Tests oder infolge von Verfahrensfehlern.
falsch-positiv: bezeichnet ein Test- oder Untersuchungsergebnis, das nicht vorliegende Zustände oder Sachverhalte fälschlicherweise anzeigt. Ein falsch-positiver HIV-Antikörpertest zeigt ohne Vorliegen einer HIV-Infektion eine Reaktion, z.B. wegen zu geringer Spezifität des Tests oder aufgrund von Kreuzreaktionen.
Famciclovir: antiviral wirksames Arzneimittel (Nukleosidanalogon), das bei Herpesvirus-Infektionen verwendet wird. UAW: u.a. Kopfschmerz, Übelkeit.
Fanconi-Syndrom: Schädigung der Nierenkanälchen (Tubuli) mit Nierenfunktionsstörungen oder -versagen, Ausscheidung von Glukose (Glukosurie), Bikarbonaten, Kalzium, Phosphat und Eiweissen (Proteinurie) im Urin; ursächlich sind angeborene bzw. erworbene Störungen, Entzündungen und toxische Substanzen oder (selten) Arzneimittel.
fAPV: Abk. für Fosamprenavir.
FDA: Abk. für Food and Drug Administration.
Feigwarzen: umgangssprachliche Bez. für Condylomata acuminata.
Femurkopfnekrose: Osteonekrose des Oberschenkelkopfs.
Fensterperiode: s. diagnostisches Fenster.
Fertilitätsstörungen: Fachbez. für alle Beeinträchtigungen der Fortpflanzungsfähigkeit; Ursachen sind u.a. Störungen von Spermienbildung und Eireifung, Fehlbildungen oder Funktionsstörungen der Sexualorgane; häufigeres Vorkommen im Zusammenhang mit sexuell übertragbaren Infektionen bei Beteiligung des oberen Genitaltrakts, bei einer HIV-Infektion u.a. auch infolge hormoneller Störungen.
Fettakkumulation: Ansammlung und Zunahme von Fettgewebe (Lipohypertrophie); die genauen Entstehungsmechanismen sind ungeklärt, bei HIV-Infektion wird ein vermehrtes Vorkommen in Verbindung mit einer antiretroviralen Therapie beobachtet; als Ursache werden u.a. Wechselwirkungen von Proteaseinhibitoren mit körpereigenen Enzymen des Fettstoffwechsels diskutiert; eine gleichzeitige Fettatrophie in anderen Körperregionen sowie weitere Stoffwechselstörungen sind möglich, vgl. Lipodystrophie-Syndrom. Eine Fettansammlung kann individuell unterschiedlich stark ausgeprägt sein; häufig sind eine Zunahme im Bauchraum (viszerale Fetteinlagerung), Nacken- (sog. Stiernacken) oder Brustbereich (häufiger bei Frauen); das Auftreten von Fettgewebsgeschwulsten (Lipomen) ist möglich. Diagnostisch ist die Selbstwahrnehmung Betroffener wegweisend; objektivierend werden anthropometrische Verfahren (z.B. Messung des Taillenumfangs) und evtl. bildgebende Verfahren (Computertomographie, Kernspintomographie) eingesetzt. Die Behandlung richtet sich nach Ausmaß der Symptome und evtl. begleitenden Stoffwechselstörungen; allgemein empfohlen werden diätetische Maßnahmen und körperliche Betätigung (moderater Ausdauersport); medikamentös ist eine Behandlung mit rekombinantem Wachstumshormon (rhGH) möglich, jedoch ist die Wirkung nach Absetzen reversibel; eine chirurgische Fettentfernung (z.B. Fettabsaugung) kann bei lokal umschriebenen Fettansammlungen und Lipomen erfolgreich sein, Rezidive sind häufig.
Fettatrophie: Fettverlust mit einem Schwund von subkutanem Fettgewebe (Lipoatrophie); die genauen Entstehungsmechanismen sind ungeklärt, bei HIV-Infektion wird ein vermehrtes Vorkommen in Verbindung mit einer antiretroviralen Therapie beobachtet; als Ursache wird u.a. eine mitochondriale Toxizität von Nukleosidanaloga (NRTIs) diskutiert; eine gleichzeitige Fettakkumulation in anderen Körperregionen sowie weitere Stoffwechselstörungen sind möglich, vgl. Lipodystrophie-Syndrom. Ein Fettgewebeschwund kann individuell unterschiedlich stark ausgeprägt in Gesicht (Wangen, Periorbitalregion, Schläfen), Gesäßregion und Extremitäten (mit Hervortreten von Arterien und Venen) auftreten; entstehende Veränderungen sind häufig so charakteristisch, daß sie stigmatisierend und für die Betroffenen psychisch stark belastend sind. Diagnostisch ist die Selbstwahrnehmung Betroffener wegweisend; objektivierend werden anthropometrische Verfahren (z.B. Messung der Hautfaltendicke), Dichtemessungen (DEXA) sowie bildgebende Verfahren (Computertomographie, Kernspintomographie) eingesetzt. Möglichkeiten zur gezielten Behandlung der Fettatrophie an den Extremitäten gibt es derzeit nicht; zur Behandlung der Lipoatrophie im Gesicht werden injizierbare Implantate und rekonstruktive Substanzen (z.B. Kalzium-Hydroxylapatit, Poly-L-Milchsäure, Polyacrylamid-Hydrogel) verwendet; evtl. ist eine Transplantation körpereigener Fettzellen möglich.
Fette: sog. Lipide, Ester des dreiwertigen Alkohols Glyzerin; in tierischen Fetten überwiegen Palmitin-, Stearin- und Ölsäure, pflanzliche Fette (z.B. Olivenöle) enthalten zudem noch mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Biochemisch wichtig v.a. als kalorienreichste Grundnahrungsstoffe und Energiespeicher des menschlichen Organismus; Vorkommen in verschiedenen Formen und Zusammensetzungen, z.B. als Lipoproteine, Cholesterin, Triglyzyeride.
Fettgewebeschwund: s. Fettatrophie.
Fettstoffwechselstörungen: auch Dyslipoproteinämien; zusammenfassende Bez. für alle Störungen von Fettbiosynthese, -transport oder -abbau; unterschieden werden Veränderungen der im Blut meßbaren Konzentrationen einzelner Fette (z.B. als Hypercholesterinämie oder Hypertriglyzeridämie), veränderte Muster der Transportfette (vgl. Lipoproteine) oder nach Ursache primäre Formen, auch sog. familiäre Formen auf genetischer Grundlage oder sekundäre Formen, die u.a. bei Übergewicht, Bewegungsmangel, Stoffwechselstörungen, Nieren-, Leber- oder Schilddrüsenerkrankungen sowie bei HIV-Infektion v.a. im Rahmen einer antiretroviralen Therapie auftreten und durch eine (ausgeprägte) Hypercholesterinämie bzw. Hypertriglyzeridämie charakterisiert sind; sie können bei einer HIV-Infektion im Zusammenhang mit anderen Körperfettstörungen wie z.B. Fettakkumulation oder Fettatrophie auftreten; ein gleichzeitiges Vorkommen anderer Stoffwechselstörungen ist möglich und wird z.T. zusammenfassend als Lipodystrophie-Syndrom beschrieben.
Fettunverträglichkeit: Form der Nahrungsmittelintoleranz mit Unverträglichkeit von Nahrungsfetten, evtl. verbunden mit einer Abneigung (Aversion) gegen fetthaltige Speisen; ursächlich können Erkrankungen von Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und Galle sein oder eine zu rasche Magenentleerung. Im Anschluß an den Verzehr von Fetten kommt es zu einem raschen Sättigungsgefühl, Blähungen, Übelkeit bzw. Erbrechen.
FGF: Abk. für (engl.) fibroblast growth factor, Fibroblastenwachstumsfaktor.
Fibrate: chemische Derivate der Clofibrinsäure; Verwendung als Arzneimittel zur Senkung erhöhter Blutfette, s. Lipidsenker.
Fibroblastenwachstumsfaktor: Abk. FGF; Wachstumsfaktor (Zytokin), der an Wachstumsprozessen, der Wundheilung, Bildung von Blutgefäßen und Entstehung von Tumoren mitwirkt.
Fieber: Erhöhung der Körpertemperatur auf mehr als 38,5° C.
Fieberbläschen: umgangssprachliche Bez. für Herpes simplex.
Fieber unbekannter Ursache: hohes, länger als drei Wochen anhaltendes Fieber ohne unmittelbar erkennbare Ursache; ursächlich kommen v.a. Infektionen, Tumorerkrankungen (u.a. Lymphome, Leukämien, gastrointestinale Tumoren) und unerwünschte Arzneimittelwirkungen in Betracht; in etwa 10% bleibt auch nach intensiven Untersuchungen die Ursache unbekannt.
Filgrastim: rekombinanter humaner Granulozyten-koloniestimulierender Faktor (G-CSF), der zur Therapie von Neutropenien verwendet wird. UAW: u.a. Knochen- und Muskelschmerzen, Blutbildveränderungen.
Flankenschmerz: Schmerzen im seitlichen Rumpfbereich, die u.a. auf Erkrankungen der Bauchorgane oder Nieren hinweisen können.
Fluconazol: Arzneimittel, das bei verschiedenen Pilzerkrankungen verwendet wird (Antimykotikum), z.B. bei Kryptokokkose oder Candida-Mykosen. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, allergische Reaktionen, selten Knochenmark- oder Leberschädigungen.
Flucytosin: Arzneimittel, das bei verschiedenen Pilzerkrankungen verwendet wird (Antimykotikum), z.B. bei Kryptokokkose. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, Hautreaktionen, Leber-, Nieren- und Knochenmarkschädigungen.
Fluorochinolone: Antibiotika aus der Gruppe der Chinolone; Verwendung z.B. von Gatifloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin in der Therapie von Atemweginfektionen, Tuberkulose und atypischen Mykobakteriosen.
Flupirtin: schmerzlinderndes Arzneimittel (Analgetikum), das u.a. bei akuten oder chronischen Schmerzen und Muskelschmerzen verwendet wird. UAW: u.a. Müdigkeit, Schwindel, gastrointestinale Störungen.
Fluvastatin: Arzneimittel zur Senkung erhöhter Blutfette (Lipidsenker). UAW: u.a. Schwindel, Gelenkschmerzen, Hautreaktionen, Leberwerterhöhungen.
fokal: von einem Herd (Fokus) ausgehend, ein Herdgeschehen betreffend.
Follikulitis: Entzündungen der Haarfollikel; bei HIV-Infektion vermehrt als sog. eosinophile Follikulitis mit bläschenförmigen Hautveränderungen, juckendem Ausschlag und Schwellungen im Bereich der Haarfollikel v.a. an Kopf, Oberkörper und Oberarmen. Ursache können Infektionen durch Bakterien (z.B. Staphylococcus aureus, Acinetobacter baumanii), Pilze (z.B. Malassezia furfur) oder Parasiten (z.B. Milben) sein. Therapie je nach Ursache (z.B. Antibiotika, Antimykotika); evtl. juckreizlindernde Arzneimittel und niedrigdosierte UV-Bestrahlung.
Folsäure: Substanz aus der Vitamin-B-Gruppe; die biologisch aktive Tetrahydrofolsäure ist u.a. an der Nukleinsäuresynthese beteiligt. Ein Folsäuremangel kann z.B. bei Aufnahmestörungen, Fehlernährung und längerer Einnahme bestimmter Arzneimittel (z.B. Sulfonamide, Trimethoprim, Zytostatika) auftreten; ggf. Gabe von Calciumfolinat.
Fomivirsen: antiviral wirksames Arzneimittel (Antisense-Oligonukleotid), das bei Zytomegalie zur Therapie der CMV-Retinitis in Form einer intravitrealen Injektion in den Glaskörper des Auges verwendet wird. UAW: u.a. Augeninnendruckerhöhung, Entzündungen.
Food and Drug Administration: FDA; 1906 gegründete US-Bundesbehörde mit Sitz in Rockville; Aufgaben sind u.a. die Evaluation von Produkten und Arzneimitteln, die bei Menschen oder Tieren angewendet werden, die Durchführung von Risikoanalysen und -bewertungen und die Bewertung von Produktsicherheit und -wirksamkeit im Rahmen der Arzneimittelzulassung (http://www.fda.gov).
Fosalvudin: experimentelles antiretrovirales Medikament (Nukleotidanalogon), das in klinischen Studien zur Kombinationstherapie der HIV-Infektion untersucht wird.
Fosamprenavir: Abk. FPV, fAPV, Handelsname Telzir; antiretroviral wirksames Arzneimittel (Proteaseinhibitor) zur Kombinationstherapie einer HIV-Infektion. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, Kopfschmerz, Arzneimittelexanthem, Fettstoffwechselstörungen.
Foscarnet: antiviral wirksames Arzneimittel, das intravenös bei Zytomegalie und topisch zur lokalen Behandlung von Herpes-simplex-Infektionen verwendet wird. UAW: bei systemischer Anwendung u.a. Nierenfunktionsstörungen, Herzrhythmusstörungen, Genitalulzera.
Fozivudin: experimentelles antiretrovirales Medikament (NNRTI), das in klinischen Studien zur Kombinationstherapie der HIV-Infektion untersucht wird. UAW: u.a. Leberwerterhöhungen.
FPV: Abk. für Fosamprenavir.
Freizeitdrogen: s. Partydrogen.
FTC: s. Emtricitabin.
fulminant: bezeichnet ein plötzliches, schlagartig einsetzendes Ereignis, z.B. als fulminantes Auftreten von Symptomen im Krankheitsverlauf im Unterschied zu einem schleichenden Beginn.
Fundoskopie: auch Ophthalmoskopie, Spiegelung des Augenhintergrunds.
fungistatisch: bezeichnet die Eigenschaft von Substanzen, die Vermehrung von Pilzen zu hemmen; vgl. Antimykotika.
fungizid: bezeichnet die Eigenschaft von Substanzen, Pilze abzutöten; vgl. Antimykotika.
Fungus: (lat.) Pilz, s. Pilze.
FUO: Abk. für (engl.) fever of unknown origin, Fieber unbekannter Ursache.
Furunkel: meist auf Grundlage einer Follikulitis entstehende akute, eitrige Entzündung eines Haarfollikels und seiner Talgdrüse mit schmerzhaftem, geröteten Knoten; Ursache sind oft Staphylokokken-Infektionen; vermehrtes Vorkommen bei schlechter Abwehrlage oder Immunschwäche. Als Komplikationen können verschmelzende Abszesse (Karbunkel) und eine Ausbreitung in Lymphknoten und -gefäße auftreten. Therapie mit Antibiotika, evtl. chirurgische Inzision.
Fusionsinhibitoren: Substanzen und Arzneimittel, die die Vereinigung (Fusion) von HIV mit Körperzellen durch Bindung an das virale Glykoprotein gp41 hemmen und so den Eintritt von HIV in Körperzellen verhindern (sog. Entry-Inhibitoren).
Fuzeon: Handelsname für Enfuvirtid.