2 HIV/AIDS Taschenlexikon
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B
Baclofen: Arzneimittel mit muskelentspannender (relaxierender) Wirkung; Verwendung u.a. bei spastischen Muskelkrämpfen sowie als Schmerzmodulator bei Neuropathie. UAW: u.a. Verwirrtheit, zerebrale Anfälle.
Bakteriämie: das (vorübergehende) Vorkommen von Bakterien im Blut; vgl. Sepsis.
bakteriell: durch Bakterien bedingt oder verursacht.
Bakterien: einzellige Kleinlebewesen, die sich durch Teilung vermehren; medizinisch bedeutsam sind v.a. pathogene Bakterien, die beim Menschen zahlreiche Erkrankungen verursachen können.
bakteriostatisch: bezeichnet die Eigenschaft von Substanzen, das Wachstum von Bakterien zu hemmen; vgl. Antibiotika.
bakterizid: bezeichnet die Eigenschaft von Substanzen, Bakterien abzutöten; vgl. Antibiotika, Mikrobizide.
Bangui-Falldefinition: in Ländern mit eingeschränkter Verfügbarkeit diagnostischer Möglichkeiten verwendete AIDS-Falldefinition, die (in Abwesenheit einer Immunschwäche anderer Ursache) die Diagnose AIDS ermöglicht bei Erwachsenen mit generalisiertem Kaposi-Sarkom oder zerebraler Kryptokokkose oder beim Auftreten von zwei Hauptzeichen (bei Erwachsenen Gewichtsverlust von mehr als 10%, Durchfall oder Fieber >1 Monat; bei Kindern Gewichtsverlust oder verzögertes Wachstum, Durchfall oder Fieber >1 Monat) mit einem Nebenzeichen (bei Erwachsenen chronischer Husten, disseminierte Dermatitis, rezidivierender Herpes zoster, chronischer oder disseminierter Herpes simplex, Candida-Mykose des Mund-Rachen-Raums, generalisierte Lymphknotenschwellung; bei Kindern Candida-Mykose des Mund-Rachen-Raums, generalisierte Lymphknotenschwellung, rezidivierende Infektionen, generalisierte Dermatitis, gesicherte HIV-Infektion der Mutter).
Barebacking: wörtlich (engl.) Reiten ohne Sattel; v.a. unter homosexuellen Männern übliche Bez. für sexuelle Praktiken unter bewußtem Verzicht auf Safer Sex.
Bartonellen: Bakterien der Gattung Bartonella, u.a. Bartonella henselae und Bartonella quintana als Erreger der bazillären Angiomatose.
Basisimpfung: erste von mehreren Impfungen mit dem Ziel, die Bildung spezifischer Antikörper zu erreichen, deren Titer durch spätere Auffrischungsimpfungen aufrechterhalten werden.
Bauchspeicheldrüsenentzündung: s. Pankreatitis.
Baumwollherde: s. Cotton-wool-Herde.
bazilläre Angiomatose: auch Epitheloidangiomatose; fast ausschließlich bei Immunschwäche vorkommende opportunistische Infektion mit Bartonella henselae (seltener Bartonella quintana) und Erkrankung mit beerenartigen rötlichen Gefäßwucherungen an Haut, Knochen und inneren Organen (v.a. der Leber als sog. Peliosis hepatis). Therapie mit Antibiotika.
bDNA: Abk. für (engl.) branched DNA, verzweigte DNA; labormedizinisches Verfahren zur Nukleinsäureamplifikation, mit dem auch geringe Mengen von HIV-RNA bestimmt werden können; Verwendung in der HIV-Diagnostik und der Bestimmung der Viruslast.
Beigebrauch: Bez. für den Konsum von Drogen oder Suchtmitteln während einer Substitutionstherapie.
Belastungsdyspnoe: s. Dyspnoe.
benigne: gutartig.
Benzylpenicillin: auch Penicillin G; Arzneimittel mit antibakterieller Wirksamkeit (Antibiotikum). UAW: u.a. allergische Reaktionen.
Beschneidung: umgangssprachliche Bez. für Zirkumzision.
Bestätigungstest: Bez. für labormedizinische Verfahren zur Überprüfung eines reaktiven Befunds aus einem Suchtest, im Rahmen der HIV-Diagnostik werden z.B. Western Blot, Immunfluoreszenztest oder Polymerasekettenreaktion angewendet. Bestätigungstests haben eine hohe Spezifität, falsch-positive Ergebnisse sind sehr selten.
Betäubungsmittelgesetz: Abk. BtMG; Kurzbez. für Gesetz über den Verkehr mit Betäubungsmitteln vom 28.7.1981; enthält u.a. Regelungen zu Erzeugung, Handel und Gebrauch von Betäubungs- und Rauschmitteln sowie zur Einrichtung von Drogenkonsumräumen.
Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung: Abk. BtMVV; Kurzbez. für die Verordnung über das Verschreiben, die Abgabe und den Nachweis des Verbleibs von Betäubungsmitteln; enthält u.a. Regelungen über Abgabe und Verkehr von verschreibungsfähigen Betäubungsmitteln.
beta-2 Mikroglobulin: Protein, das auf der Zellmembran kernhaltiger Zellen vorkommt; im Blut meßbare Konzentrationen können bei bestimmten malignen Tumoren (u.a. malignes Lymphom) oder Aktivierungen des Immunsystems erhöht sein.
Bevirimat: auch PA-457; experimentelles antiretrovirales Medikament, das die Spaltung von gag-Präkursorproteinen und die Bildung von p24-Proteinen von HIV hemmt (Maturationsinhibitor); Untersuchung in klinischen Studien zur Kombinationstherapie der HIV-Infektion.
Bezafibrat: Arzneimittel zur Senkung erhöhter Blutfette (Lipidsenker). UAW: u.a. allergische Reaktionen, Pankreatitis.
BfArM: Abk. für Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.
b.i.d.: Abk. für (lat.) bis in die; zweimal täglich.
Bilirubin: rötlich-brauner Gallenfarbstoff, der beim Abbau des Hämoglobins entsteht und über die Galle und Leber ausgeschieden wird; im Blut meßbare Konzentrationen sind u.a. bei vermehrter Bildung (z.B. Hämolyse) und Leberschädigungen erhöht (sog. Hyperbilirubinämie) und können mit einem Ikterus einhergehen.
bioelektrische Impedanzanalyse: Abk. BIA; Untersuchungsverfahren zur Analyse der Körperzusammensetzung; über Hautelektroden wird die Wasserverteilung im Körper gemessen, anhand von Körpergröße und -gewicht, Alter und Geschlecht werden die Zahl stoffwechselaktiver Körperzellen, die Extrazellulärmasse, der Zellanteil, das Körperwasser, Mager- und Fettmasse errechnet. Anwendung zur Bestimmung des Ernährungszustands bzw. zur Kontrolle ernährungsmedizinischer Interventionen; jedoch nicht geeignet zur Beurteilung von Fettverteilungsstörungen.
Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe vom lebenden Organismus zur weiteren (z.B. histologischen oder mikrobiologischen) Untersuchung.
Blastomykose: Pilzerkrankung durch hefeähnliche Pilze (Blastomyces dermatitidis); Vorkommen als seltene opportunistische Infektion; am häufigsten ist eine Lungenerkrankung mit Husten, Atemnot und Brustschmerzen. Therapie mit Itraconazol, Fluconazol oder Amphotericin B.
Bleichmittel: chemische Substanzen, die die Farbigkeit von Textilien oder Papier abschwächen; sie wirken in geringem Maß auch keimabtötend und werden u.a. als Notbehelf zur Keimreduzierung verwendet, wenn keine Desinfektionsmittel zur Verfügung stehen.
Bleomycin: Substanz mit antibiotischer und zytotoxischer Wirkung, die z.B. als Zytostatikum zur Behandlung von malignen Lymphomen und Kaposi-Sarkom verwendet wird. UAW: u.a. Hautveränderungen, Fieber, Schüttelfrost, Haarausfall.
Blindstudie: Form der klinischen Studie, bei der Studienteilnehmern nicht bekannt ist, ob sie das zu prüfende Arzneimittel oder ein Placebo erhalten.
blips: (engl.) Signal; Fachbez. für vorübergehende, geringfügige Erhöhungen der Viruslast bei vorher nicht nachweisbarer Viruslast; im Rahmen einer antiretroviralen Kombinationstherapie ein häufig zu beobachtendes Phänomen, dessen Ursache unklar ist; blips sind nicht mit einem Therapieversagen assoziiert und scheinen bei Patienten mit frühem Therapiebeginn seltener zu sein.
Bluterkrankheit: umgangssprachliche Bez. für Hämophilie.
Blutprodukte: Sammelbezeichnung für alle aus Blut gewonnene Blut-, Plasma- oder Serumkonserven, Blutbestandteile oder Zubereitungen aus Blutbestandteilen, die zur Anwendung am Menschen bestimmt sind; sie unterliegen in Deutschland dem Arzneimittelrecht; therapeutisch werden sie meist dazu verwendet, einen bestehenden Mangel bestimmter Blutbestandteile auszugleichen. HIV-Infektionen durch Blutprodukte sind nach der Einführung obligatorischer HIV-Antikörpertests bei Blut- und Plasmaspenden heute in Deutschland selten (geschätzte Häufigkeit 1 zu 1,5 Millionen); Plasmaprodukte werden neben einer Testung zusätzlich virusinaktivierenden oder -abreichernden Verfahren unterzogen.
Bluttransfusion: Sammelbez. für die Übertragung von Vollblut, bestimmten Fraktionen von Blutzellen oder Blutbestandteilen zu therapeutischen Zwecken; bei Transfusionen kann es zu Unverträglichkeitsreaktionen (u.a. bei Blutgruppeninkompatibilität) oder Komplikationen kommen, auch eine Übertragung von Krankheitserregern (u.a. Bakterien, Viren, Parasiten) ist möglich, kann aber durch entsprechendes Screening und Untersuchung von Blutspendern weitgehend ausgeschlossen werden; HIV-Infektionen durch Bluttransfusionen sind nach der Einführung obligatorischer HIV-Antikörpertests bei Blutspenden heute in Deutschland sehr selten; zum Ausschluß von Infektionen sind in begrenztem Umfang auch sog. Autotransfusionen (Eigenblutspenden) vor planbaren operativen Eingriffen möglich.
Blutvergiftung: umgangssprachliche Bez. für Sepsis.
Blutzucker: umgangssprachliche Bez. für die im Blut meßbare Konzentration von Glukose; Erhöhungen (Hyperglykämie) oder Erniedrigungen (Hypoglykämie) können auf Stoffwechselstörungen hinweisen, z.B. Diabetes mellitus oder Insulinresistenz.
B-Lymphozyten: auch B-Zellen; im lymphatischen Gewebe des Darms differenzierte Lymphozyten, die v.a. an der Immunantwort beteiligt sind und sich nach Aktivierung durch T-Lymphozyten zu speziellen antikörperbildenden Zellen entwickeln, sog. Plasmazellen und B-Gedächtniszellen.
BMI: Abk. für Body-mass-Index.
Boceprevir: experimentelles antivirales Medikament (Proteaseinhibitor), das in klinischen Studien zur Behandlung der Hepatitis C untersucht wird. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen.
Body-mass-Index: Abk. BMI; eine Meßzahl zur Beurteilung des Normalgewichts; Berechnung anhand der Formel: Körpergewicht in kg, geteilt durch Körpergröße in m2. Als normal gelten Werte zwischen 20 und 25.
Boeck-Skabies: auch Scabies norvegica, s. Skabies.
Booster-Effekt: von (engl.) boost, verstärken; Fachbez. für die Verstärkung einer Arzneimittelwirkung (z.B. Booster-Dosis bei der antiretroviralen Therapie mit Proteaseinhibitoren mit kleiner Dosis Ritonavir) oder der Immunantwort (z.B. durch Auffrischungsimpfung).
BrdU: Abk. für Bromodeoxyuridin.
Breitband-Antibiotika: Antibiotika mit breitem Wirkungsspektrum, die gegen eine Vielzahl von Bakterien und z.T. gegen Mykoplasmen und Chlamydien wirksam sind, z.B. Tetracycline oder diverse Cephalosporine.
Brivudin: antiviral wirksames Arzneimittel (Nukleosidanalogon), das bei Herpesvirus-Infektionen verwendet wird. UAW: u.a. gastrointestinale Störungen, Arzneimittelwechselwirkungen.
Bromodeoxyuridin: Abk. BrdU; chemische Substanz, die in klinisch-pathophysiologischen Studien zur Markierung aktivierter CD4-Zellen untersucht wird.
Bronchiallavage: Spülung einzelner Abschnitte der Atemwege während einer Endoskopie (Bronchoskopie) als therapeutische oder diagnostische Maßnahme.
B-Symptome: Kurzbez. für Begleitsymptome; Allgemeinsymptome, die bei Non-Hodgkin-Lymphomen auftreten können: Fieber, Gewichtsverlust von mehr als 10% innerhalb von sechs Monaten und Nachtschweiß; gelegentlich wird diese Bez. auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen verwendet.
BtMG: Abk. für Betäubungsmittelgesetz.
BtMVV: Abk. für Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung.
budding: (engl.) Ausknospung.
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: BfArM; selbständige Bundesoberbehörde mit Sitz in Bonn; Aufgaben sind u.a. Zulassung und Registrierung von Arzneimitteln, Pharmakovigilanz sowie die Bewertung von Medizinprodukten (http://www.bfarm.de).
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: BZgA; 1967 gegründete Bundeseinrichtung mit Sitz in Köln; Aufgabe ist es u.a., Gesundheitsrisiken vorzubeugen und gesundheitsfördernde Lebensweisen durch Information und Aufklärung zu unterstützen; Durchführung u.a. von massen- und personalkommunikativen Kampagnen zu HIV und AIDS, Erarbeitung von Konzepten zur Sexualaufklärung und Familienplanung (http://www.bzga.de).
Buprenorphin: morphinartiges Arzneimittel, das zur Behandlung starker Schmerzen und (evtl. als Kombinationspräparat mit Naloxon) zur Substitutionstherapie verwendet wird (Opioid). UAW: u.a. Schwitzen, Schwindel, Kopfschmerz, Verlangsamung der Atemfrequenz.
Burkitt-Lymphom: zunächst v.a. bei Kindern in Zentralafrika beobachtetes Non-Hodgkin-Lymphom hoher Malignität, das vermehrt bei HIV-Infektion auftritt; ein ursächlicher Zusammenhang mit einer Infektion mit humanem Herpesvirus 4 (HHV-4, Epstein-Barr-Virus) wird diskutiert. Die Lymphome sind v.a. im Gesicht und Halsbereich lokalisiert, eine Beteiligung innerer Organe (Nieren, Leber, Ovarien) und des Zentralnervensystems ist möglich; Behandlung mit Chemotherapie.
B-Zellen: Kurzbez. für B-Lymphozyten.
BZgA: Abk. für Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.